Dienstag, 01.01.2008 | Autor: Matthias Jünemann/jst, Foto: © styleuneed - Fotolia.com

Immobilie verschenken und beim Finanzamt sparen

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Worum geht´s

Schenken statt vererben: Wie Sie beim Verschenken Steuern sparen.

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Erbschaftssteuer sparen durch das Verschenken der Immobilie. Das eigene Haus kann mit etwas Geschick nahezu steuerfrei an die nachfolgende Generation übertragen werden - und die eigene Altersvorsorge dennoch gesichert sein. Tipps zum Verschenken der Immobilie.

Verhinderung einer Erbengemeinschaft durch Verschenken

Ein wichtiger Gesichtspunkt ist es, Streit unter den Angehörigen zu vermeiden. Die Schenkung zu Lebzeiten ist hierbei deswegen geeignet, weil sie Erbengemeinschaften vermeidet. Durch Schenkungen unter Lebenden können einzelne Bestandteile aus dem Gesamtvermögen herausgelöst und einzeln sofort übertragen werden. Im Wege der Erbfolge funktioniert das nicht.

Mit einer Schenkung unter Lebenden kann die Blockade vermieden werden. Wer mehrere Immobilien hat, kann sie alle einzeln übertragen. Danach ist jeder Beschenkte alleiniger Herr im Hause. Wer nur eine Immobilie hat, überträgt sie einem Angehörigen und sorgt durch Gleichstellungsgelder oder erbrechtliche Anrechnungsklauseln für Gerechtigkeit.

Eigene Versorgung im Alter sichern

Schenken bedeutet nicht nur Geben. Mit der Übergabe können unterschiedliche Gegenleistungen verknüpft werden, die den Schenker im Alter oder bei Pflegebedürftigkeit absichern. Es kann vereinbart werden, dass der Beschenkte persönlich für die Pflege aufkommen muss oder dass der Schenker wirtschaftlich abgesichert wird, beispielsweise durch Nießbrauch, Wohnrecht oder wiederkehrende Leistungen.

Versorgung überschuldeter Kinder durch Verschenken

Natürlich ist es möglich, überschuldeten Kindern durch ein Testament etwas so zukommen zu lassen, dass sie effektiv etwas davon haben. Solche Gestaltungen von Todes wegen sind aber oft kompliziert.

Vor allem aber haben sie einen ganz anderen Nachteil: Der Überschuldete benötigt meist jetzt eine Zuwendung. Das Warten auf den Erbfall löst seine Probleme nicht. Die Einräumung eines Wohnrechts zum Beispiel kann den Wohnbedarf überschuldeter Kinder dauerhaft decken, ohne deren Gläubigern den Zugriff zu ermöglichen.

Gerechte Haftung für Finanzierungsverbindlichkeiten

Häufig werden Immobilien bei ihrem Erwerb über einen Kredit finanziert. Je nach vorhandenem Eigenkapital und vorhandenen Einkünften erstreckt sich die Tilgung über Jahrzehnte. Deswegen kann es vorkommen, dass die Übergabe der Immobilie an die Nachkommen schon zu einem Zeitpunkt angedacht wird, zu dem die Kredite noch gar nicht abbezahlt sind.

Eine Schenkung unter Lebenden ermöglicht eine gerechtere, zumindest sicherere Haftung für solche Verbindlichkeiten. Denn im Schenkungsvertrag kann zum Beispiel geregelt werden, dass der Beschenkte den noch offenen Kredit aus eigenen Mitteln tilgen soll. Beim Übergang von Todes wegen ist das nicht ohne Weiteres möglich: Falls eine Erbengemeinschaft entsteht, aber nur ein Miterbe eine bestimmte Immobilie bekommen soll, dann haften zunächst auch alle anderen Erben, auch mit dem übrigen Nachlass, für den Kredit.

Minderung des Pflichtteils durch Verschenken

Nicht immer geraten alle Kinder aus Sicht ihrer Eltern gleich gut. Es kann deshalb ein ganz legitimer Wunsch sein, einem von ihnen möglichst wenig zu hinterlassen. Die bloße Enterbung reicht dafür nicht immer aus, weil das Gesetz den Pflichtteil vorsieht. Dieser wird aus dem Wert des gesamten Nachlasses berechnet.

Wenn dem Nachlass durch Übertragungen zu Lebzeiten an die Lieblingskinder der Wert entzogen wird, reduziert sich der Pflichtteilsanspruch entsprechend. Dies gilt allerdings nur dann, wenn seit Vollzug der Schenkung bis zum Tod mehr als zehn Jahre vergehen. Andernfalls kommt der Pflichtteilsergänzungsanspruch zum Tragen. Es sollte daher nicht zu lange mit der Übertragung gewartet werden.

Reduzierung der Erbschaftssteuer

Ein wesentlicher Anreiz, Vermögen schon unter Lebenden zu übertragen, ist die Ersparnis von Erbschaftssteuer. Zwar sind Schenkungssteuer und Erbschaftssteuer in weiten Teilen identisch. Insbesondere sind die Freibeträge die gleichen.

Doch entstehen die Freibeträge alle zehn Jahre neu. Wer also eine Immobilie oder Anteile daran zu Lebzeiten verschenkt, kann die Freibeträge immer wieder neu ausnutzen, sofern von Schenkung zu Schenkung oder bis zum Tod mehr als zehn Jahre vergehen.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Immobilien unterliegen der Schenkungssteuer, wenn sie verschenkt werden. Nicht aber, wenn ein Ehemann sein Familienheim an seine Frau verschenkt oder umgekehrt. Dann kann die Schenkung komplett steuerfrei sein - und das unabhängig vom Wert der Immobilie. Lesen Sie im Folgenden, welche Voraussetzungen für die Steuerfreiheit erfüllt sein müssen.
Mal eben Hab und Gut verschenken: Eigentlich kein großes Ding. Die Sache wird jedoch kompliziert, wenn es um eine Immobilie geht: Da will das Finanzamt nämlich gern "mitbeschenkt" werden - mit einer Schenkungsteuer. Gerade bei der Weitergabe von Immobilien innerhalb der Familie wacht das Finanzamt über die Steuerfreibeträge. Sind die überschritten, klingelt es in der Finanzamtskasse nämlich ganz schön.
Der Erblasser hatte es doch nur gut gemeint: Die Kinder sollten das Häuschen erben, aber seine Ehefrau sollte zeitlebens darin wohnen bleiben dürfen. Am Ende kam alles ein bisschen anders, denn der Erblasser hatte seine Rechnung leider ohne das Finanzamt gemacht!   

 meineimmobilie.de-Tipp


Ein guter Effekt des Verschenkens ist das Sparen der Erbschaftssteuer. Die Nachkommen können so die großzügigen Freibeträge alle zehn Jahre voll ausschöpfen. Sie können so vielleicht einen nahezu steuerfreien Übergang der Immobilie gewährleisten.

 

Denken Sie aber auch auf jeden Fall daran, als Erblasser Ihre eigene und die Altersvorsorge Ihres Lebenspartners abzusichern. Denn zu diesem Zweck haben Sie das selbst bewohnte Eigentum schließlich erbaut oder gekauft.