Montag, 22.02.2016 | Autor: Heidi Hecht , Foto: © Dan Race - Fotolia.com

Immobilie: Schenken oder vererben?

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Worum geht´s
  • So verschenken oder vererben Sie eine Immobilie

Schätzen Sie einmal, wieviele Deutsche über 60 Jahre eine Immobilie besitzen. Es sind über 55 Prozent.

 

Viele davon überlegen sich bereits zu Lebzeiten, wer diese später einmal bekommen soll und ob sie ihr Haus bzw. ihre Wohnung besser noch zu Lebzeiten verschenken oder erst nach ihrem Tod vererben. Das hat vielmals nichts mit purer Großzügigkeit zu tun, sondern auch etwas mit Steuern sparen. 

Laut einer Postbank-Studie besteht mehr als die Hälfte des vererbten Vermögens in Deutschland aus Grund- und Immobilienbesitz.

Wer das verschenken bzw. vererben will, sollte nicht nur an das Grundstück denken, sondern auch an das eventuelle Steuerpäckchen, was er seinem Erben bzw. Beschenkten unter Umständen aufbürdet.

Schenken statt vererben kann Steuern sparen

Schenken statt vererben kann unter Umständen vorteilhafter sein. Isabell Gusinde von der BHW Bausparkasse empfiehlt, diese Option frühzeitig zu prüfen, um Erben Forderungen des Finanzamtes zu ersparen.

"Der gesetzliche Steuerfreibetrag kann bei einer Schenkung nach zehn Jahren erneut genutzt werden, also auch mehrfach", so Gusinde. Dies gilt ebenso, wenn der Erbfall zehn Jahre nach der Schenkung eintreten sollte.

Schenkungssteuer: Für Kinder bis 400.000 EUR steuerfrei

Wollen Sie Ihre Immobilie an Ihre Kinder verschenken, könnten sie von einem Freibetrag profitieren: Eltern können eine Immobilie im Wert von bis zu 400.000 Euro steuerfrei an ihre Kinder übertragen.

Mit einer Einschränkung: Die Wohnfläche darf 200 Quadratmeter nicht übersteigen!

Ehepartner dürfen Immobilien steuerfrei verschenken

Hingegen fallen unabhängig vom Wert sowie der Größe der Immobilie unter Eheleuten und eingetragenen Lebenspartnern keinerlei Steuern an. "Die verschenkte oder vererbte Immobilie muss jedoch zu eigenen Wohnzwecken genutzt werden und den Lebensmittelpunkt darstellen", erläutert die Expertin von BHW.

Warum schenken einfacher als vererben ist

Wollen Sie Ihren Lebensgefährten, entfernte Verwandte oder Freunde beschenken, liegt der Freibetrag nur bei 20.000 Euro. Dennoch ist in diesen Fällen schenken einfacher als vererben, denn beim Schenken bleibt Ihnen immerhin die Möglichkeit, die Vermögensaufteilung stärker in ihrem Sinne zu gestalten.

Wichtig zu wissen: Haben Sie kein Testament gemacht und gibt es mehrere Erben, wird Ihr gesamter Nachlass zum gemeinschaftlichen Vermögen der Miterben. Sie bilden dann eine Erbengemeinschaft. Wollen Sie also einen "Nichterben" bedenken, sollten Sie das entweder ausdrücklich ins Testament schreiben oder die Schenkung bereits zu Lebzeiten vornehmen. 

Kommentare (1)

29.4.2016, 13:29 Uhr von MCKareem Profil ansehen
Hallo, danke für den informativen Artikel. Wir haben eine spezielle Situation: Meine Mutter hat neu geheiratet und ich bin der einzige Nachkomme. Meine Mum und ihr Mann wollen ihr Haus (50/50 Anteil) komplett an mich verschenken. Welche Sätze gelten dann? Von meiner Mum sicher die 400.000€, aber was gilt bei dem Mann von ihr? Macht es Sinn, dass Er ihr das Haus schenkt und Sie danach an mich? Danke
Unsere Gesellschaft wird immer älter. Umso mehr Zeit bleibt, Wichtiges zu regeln - oder es immer weiter nach hinten zu schieben. So weit, dass es vielleicht irgendwann einmal zu spät ist.  Gerade wer eine Immobilie besitzt und nicht will, dass sie in falsche Hände gerät oder sogar verkauft wird, sollte sich noch zu Lebzeiten dem Thema Nachlass und Erbe widmen. 
Mal eben Hab und Gut verschenken: Eigentlich kein großes Ding. Die Sache wird jedoch kompliziert, wenn es um eine Immobilie geht: Da will das Finanzamt nämlich gern "mitbeschenkt" werden - mit einer Schenkungsteuer. Gerade bei der Weitergabe von Immobilien innerhalb der Familie wacht das Finanzamt über die Steuerfreibeträge. Sind die überschritten, klingelt es in der Finanzamtskasse nämlich ganz schön.
Reich beschenkt - das interessiert auch das Finanzamt! Wer eine Immobilie geschenkt bekommt und sie 10 Jahre selbst nutzt, kann dadurch die komplette Schenkungsteuer sparen, die sonst anfallen würde. Das gilt zumindest, wenn der Ehepartner und Kinder beschenkt werden.   Aber Achtung bei Ferien- und Zweitwohnungen: Für die gilt dieses Steuer-Privileg leider nicht, sagt der Bundesfinanzhof.

 meineimmobilie.de-Tipp

Fest steht, dass es immer besser ist, schon zu Lebzeiten Vorsorge zu treffen, was mit Ihrem Immobilienbesitz nach Ihrem Tod passieren soll.


 

Holen Sie sich dazu den seriösen und kompetenten Rat eines Anwalts oder Steuerberaters ein, denn es gibt viele Dinge, die hier falsch gemacht werden können, sodass am Ende doch nicht Ihr letzter Wille, sondern die gesetzliche Erbfolge eintritt.