Mittwoch, 12.11.2008 | Autor: Jörg Stroisch/mb, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008

Erbschaftssteuerreform und die Auswirkungen für Immobilienbesitzer

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2008
Worum geht´s

2009 ist die Erbschaftssteuerreform ein wichtiges Thema auch für Immobilienbesitzer. Denn für sie ändert sich ziemlich viel.

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Topstory: Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr die Reform der Erbschaftssteuer schaffen: Auch die neuen Pläne bedeuten einschneidende Veränderungen für Immobilienbesitzer.

Die konkreten derzeit geplanten Regelungen zur Erbschaftssteuer (Quelle: Bundesfinanzministerium):

  • Den Schwerpunkt der erbschaftssteuerrechtlichen Begünstigung der Kernfamilie bildet die Regelung, wonach Witwen, Witwer und Kinder des Erblassers keine Erbschaftssteuer auf ein vererbtes Haus oder eine Wohnung zahlen müssen, solange sie diese mindestens zehn Jahre lang selbst nutzen.
  • Das heißt, dass es in diesen zehn Jahren weder zu einer Vermietung, zu einer Verpachtung, einem Verkauf oder zu einer Nutzung des ererbten Wohneigentums als Zweitwohnsitz kommen darf. Für Kinder gilt für die Steuerfreiheit zusätzlich die Auflage, dass die Wohnfläche nicht größer als 200 Quadratmeter sein darf.
  • Daneben können Ehegatten für ererbtes sonstiges Vermögen einen Freibetrag von 500.000 Euro geltend machen, für Kinder gilt ein Freibetrag von 400.000 Euro.

Immobilienwirtschaft ist teilweise zufrieden mit Reform der Erbschaftssteuer

In der Immobilienwirtschaft überwiegt Zufriedenheit mit dem neuen Entwurf zur Erbschaftssteuerreform. Rolf Kornemann, Präsident der Eigentümergemeinschaft Haus & Grund: "Ich begrüße diese Einigung, weil die direkten Angehörigen so nicht gezwungen sein werden, das Erbe zu verkaufen, damit die Erbschaftssteuer bezahlt werden kann." Er bezeichnet es jedoch als einen gravierenden Konstruktionsfehler, dass der Erbe eines Mietshauses nicht in den Genuss der Steuerbefreiung kommt. Er kritisierte darüber hinaus, dass Geschwister nicht in den Kreis der steuerbefreiten Immobilienerben aufgenommen werden. "Dass erbende Geschwister künftig deutlich höher belastet werden als Kinder, ist verfassungsrechtlich äußerst bedenklich", sagte Kornemann.

Der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, Spitzenverband der privaten und unternehmerischen Immobilienwirtschaft, begrüßt ebenfalls die endgültige Einigung. "Dies ist ein längst überfälliger Schritt, um die Immobilienwirtschaft anderen Branchen gleichzustellen", so BFW-Präsident Walter Rasch.

Der ursprüngliche Entwurf sah vor, dass das vermögensverwaltende Betriebsvermögen einen Anteil von 50 Prozent des gesamten Betriebsvermögens nicht überschreiten darf, um die Begünstigungsregel von 85 Prozent Abschlag von der Erbschaftssteuer in Anspruch zu nehmen. Andernfalls wäre das gesamte Betriebsvermögen als nicht begünstigt angesehen worden. Der mittelständischen Immobilienwirtschaft hätte durch Mehrbelastungen von bis zu 300 Prozent der Ausverkauf, also die notgedrungene Veräußerung von Wohnungen an kurz- und mittelfristig orientierte Finanzinvestoren gedroht, so der BFW. Dies scheint nun abgewendet.

Karl Heinz Däke, Präsident des Bundes der Steuerzahler: "Dieses Hick Hack der letzten Monate war für die Steuerzahler nicht mehr zu ertragen. Es ist aber sehr bedauerlich, dass die Einigung so spät kommt."

Politik drückt bei Gesetz zur Erbschaftssteuer nun auf die Tube

Das Zeitfenster für Übertragungen sei inzwischen so klein, dass planvolle Übergaben kaum möglich seien. Damit breche der Gesetzgeber seine Zusage, einen angemessenen Zeitraum für Planungen zu schaffen. "Vermögensübertragungen werden zum Lotteriespiel", kritisiert Däke die Situation. Der Bund der Steuerzahler appelliert deshalb an die Bundesregierung, den überarbeiteten Gesetzentwurf so schnell wie möglich zu veröffentlichen, damit eine Beurteilung vorgenommen werden kann und endlich Planungssicherheit herrscht.

Das Gesetz soll wie ursprünglich vorgesehen am 1. Januar 2009 in Kraft treten. Bundestag und Bundesrat müssen zu diesem Zweck noch vor dem Jahreswechsel zustimmen, vermutlich ist es spätestens am 12. Dezember 2008 unter Dach und Fach.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
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