Donnerstag, 06.11.2008 | Autor: Günter Huber/mb

Erbfolge nach eigenen Wünschen

Die gesetzliche Erbfolge sieht vor, dass Familienmitglieder je nach Verwandtschaftsgrad am Erbe beteiligt werden. Wenn der Erblasser mit der gesetzlichen Regelung nicht einverstanden ist, kann er seine persönliche Erbfolge festlegen. Ob diese Aufteilung des Erbes wirklich sinnvoller ist, sollte jedoch vorher geprüft werden.

Ein Testament oder ein Erbvertrag ist nur dann wichtig, wenn die gesetzliche Erbfolgeregelung den persönlichen Interessen und Wünschen des Erblassers nicht entspricht, was meist der Fall ist. Ob die gesetzliche Erbfolgeregel ausnahmsweise doch die günstigste ist, bedarf einer sorgfältigen Überprüfung.

Ziele der persönlichen Erbfolgeregelung

In der ersten Phase sollte geklärt werden, welche persönlichen Ziele die Erbfolgeregelung verwirklichen soll. Diese Ziele hängen von der Persönlichkeit und der familiären Situation des Erblassers ab. Häufig stehen folgende Ziele im Vordergrund:

  • finanzielle Absicherung des Ehegatten,
  • Vermögensübertragung an Kinder oder sonstige Verwandte,
  • Zuwendungen an nahe stehende Personen oder Vereinigungen,
  • Ausschließung oder Beschränkung von Erb- oder Pflichtteilsansprüchen einzelner Verwandter,
  • Sicherung der Existenzgrundlage des eigenen Unternehmens,
  • Sicherung des Familienbesitzes,
  • Reduzierung der erbschaftsteuerlichen Belastungen.

Zwischen den verschiedenen Zielen der Erbfolgeregelung bestehen Konflikte. So kann beispielsweise die finanzielle Absicherung des Ehegatten der Vermögensübertragung an Kinder entgegenstehen, erbschaftsteuerlich vorteilhafte Regelungen können die finanzielle Absicherung des Ehegatten erschweren. Bei der Klärung der Ziele sollte der Erblasser deshalb gleichzeitig eine Bewertung der einzelnen Ziele vornehmen und eine Zielpriorität festlegen. Damit verhindert er, dass weniger wichtige Ziele zulasten von Hauptzielen verwirklicht werden.

Vermögensverhältnisse auflisten

In der zweiten Phase muss der Erblasser die voraussichtliche Erbschaft in die Überlegungen einbeziehen. Bei komplizierten Eigentums- und Vermögensverhältnissen ist die Erstellung eines ungefähren Bestandsverzeichnisses hilfreich.

In der dritten Phase muss der Erblasser überlegen, welchen Personen er welche Vermögenswerte, Ansprüche und Erbschaftsgegenstände zuwenden will, um die zuvor geklärten Ziele zu erreichen. Dabei sollten die Bedürfnisse, Interessen und Fähigkeiten der jeweiligen Personen sowie die erbschaftsteuerlichen Belastungen berücksichtigt werden, insbesondere wenn große Vermögenswerte vererbt werden sollen.

Auswirkungen der gesetzlichen Erbfolge

In der vierten Phase muss geklärt werden, wie sich die gesetzliche Erbfolgeregelung persönlich auswirkt. Wenn der Erblasser feststellt, dass die gesetzliche Erbfolge seine persönlichen Ziele nicht verwirklicht, muss er ein Testament errichten oder einen Erbvertrag abschließen und seine Erbfolge individuell regeln.

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Dr. Günter Huber ist seit 1982 in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Arbeits- und Erbrecht. Er ist Verfasser vieler Publikationen und Artikel.
Günter Huber

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Wenn Sie ihre Erbfolge selbst bestimmen möchten, müssen Sie daran denken, dass Ihr Testament handschriftlich von Ihnen verfasst und unterschrieben werden muss. Getippte Testamente werden nicht anerkannt.

Weitere Informationen zum Thema Erbfolge erhalten Sie im Buch "Richtig erben und vererben", erschienen im Haufe-Verlag.