Mittwoch, 06.02.2008 | Autor: Mirjam Büttner

Erben nach der Reform

Worum geht´s

Die Erbschaftssteuer wird reformiert. Für Hausbesitzer ändert sich einiges in Bezug auf die Höhe der Steuern und die Freigrenzen.

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Topstory: Das deutsche Erbschaftsteuerrecht steht vor einer Reform: Wenn die Pläne der Bundesregierung umgesetzt werden, soll die Erbschaftsteuer gerechter werden und bei geringerem Vermögen sogar ganz wegfallen. Davon profitieren künftig vor allem die Erben kleinerer Immobilien.

Das Erbschaftsteuerrecht wird neu gefasst, weil das Bundesverfassungsgericht das bisherige Gesetz als verfassungswidrig bezeichnet hat. Der Gesetzgeber muss also nachbessern.

Gesetzentwurf zur Erbschaftsteuerreform verabschiedet

Kurz vor dem Jahreswechsel hat die Bundesregierung ihren Gesetzentwurf zur Reform der Erbschaftsteuer durchgewunken. Sie folgte damit dem Eckpunkteplan der Arbeitsgruppe um Finanzminister Peer Steinbrück und dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch.

Neues Erbschaftsteuergesetz soll bald in Kraft treten

Jetzt werden die Pläne der Regierung im Bundestag diskutiert. In den kommenden Monaten könnte das neue Erbschaftsteuerrecht bereits in Kraft treten.

Mit dem neuen Gesetz will die Bundesregierung laut bisherigem Entwurf eine "realitätsgerechte Bewertung aller Vermögensklassen" erzielen.

Änderungen bei der Erbschaftsteuer laut Gesetzentwurf

Für Eigentümer privater Immobilien sieht der Entwurf bislang zwei wesentliche Änderungen vor. Zum einen wird der Wert des Grundvermögens neu bemessen und dementsprechend neu besteuert.

Bei unbebauten Grundstücken wird der Wert nach den neuen Vorschlägen ohne Bewertungsabschlag ermittelt. Das heißt, es zählen nur noch die Fläche und der Bodenrichtwert. Bei bebauten Grundstücken wird der Wert entsprechend der Art des Gebäudes über das Vergleichswertverfahren, Ertragswertverfahren oder Sachwertverfahren ermittelt.

Höhere Freibeträge bei der Erbschaftsteuer

Außerdem soll in in vielen Fällen die Steuerlast komplett wegfallen. Denn höhere Freibeträge für Familienmitglieder machen bei kleineren Immobilien ein steuerfreies Erbe möglich.

Dazu heißt es im Gesetzentwurf: "Wer Vermögen von den Großeltern, Eltern oder dem Ehepartner übertragen bekommt, wird in den meisten Fällen keine Steuer zahlen müssen. Damit wird auch sichergestellt, dass übergehendes Vermögen in etwa in Höhe des durchschnittlichen Werts eines Einfamilienhauses freigestellt wird."

Familienhaus steuerfrei erben

Für den Ehepartner und zwei Kindern beispielsweise beträgt der Freibetrag 1,3 Millionen Euro. Damit kann selbst eine Immobilie in einem Gebiet mit hohen Bodenpreisen an enge Familienangehörige vererbt werden, ohne dass Erbschaftsteuern gezahlt werden müssen.

Die Freibeträge gelten allerdings nur für verheiratete Paare. Nachteile haben nach dem neuen Erbschaftsteuerrecht auch Verwandte, die nicht zum engen Familienkreis gehören.

Gewinner und Verlierer der Erbschaftsteuerreform

"Wer von der neuen Regelung profitiert und wer verliert, hängt vom Verwandtschaftsgrad und der Art und Höhe des geerbten Vermögens ab", heißt es in einer Pressemitteilung der Zeitschrift Finanztest von Stiftung Warentest. "Bei teuren Immobilien kann erben auch für sie teurer werden, da das Finanzamt jetzt den vollen Wert der Immobilie ansetzt".

Das neue Gesetz soll rückwirkend zum 1. Januar 2007 gelten. Doch noch ist es nicht in Kraft.

Nachbesserungsbedarf bei Gesetzentwurf zum neuen Erbschaftsteuerrecht

Einige Verbände und Institutionen haben die Bundesregierung bereits für ihren Gesetzentwurf kritisiert und fordern jetzt Nachbesserungen. So hat zum Beispiel der Nationale Normenkontrollrat in einem Bericht die Befürchtung geäußert, dass durch das neue Erbschaftsteuerrecht zusätzliche Bürokratiekosten anfallen könnten, die bisher weit unterschätzt wurden.

"Der Bericht ist ein Fiasko für den Gesetzgeber. Bei der Erbschaftsteuer besteht dringender Änderungsbedarf. Das gesamte Verfahren muss wesentlich einfacher und kostengünstiger werden", sagte dazu Rolf Kornemann, Präsident der Eigentümerschutzgemeinschaft Haus und Grund e.V. in einer Pressemitteilung.

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Noch heißt es abwarten: Der Gesetzesentwurf wird noch stark diskutiert, bevor er tatsächlich Gesetz wird. Bei meineimmobilie.de können Sie sich über die Entwicklungen ständig informieren.