Montag, 21.01.2008 | Autor: Matthias Jünemann/heihec

Erben mit Auseinandersetzung

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Die Auseinandersetzung bedeutet häufig Streit: Eigentlich ist sie aber im Erbbrecht ganz neutral betrachtet die Einigung über die Aufteilung des Erbes. Die müssen aufpassen, dass sie nicht nur Verbindlichkeiten erhalten.

Die Auseinandersetzung ist eine Einigung darüber, welche Nachlassgegenstände den einzelnen Miterben auf Basis eines Teilungsplans als Eigentum zugeordnet werden.

Sofern eine Immobilie aus dem Vermögen der Erbengemeinschaft in das Alleineigentum eines Miterben überführt werden soll, muss dazu ein notariell beurkundeter Vertrag abgeschlossen werden. Für minderjährige Erben muss dabei ein Ergänzungspfleger bestellt und eine Genehmigung des Familiengerichts eingeholt werden.

Einigung bei einer Auseinandersetzung hat Vorrang

Die Einigung aller Miterben hat absoluten Vorrang sogar vor dem Willen des Erblassers. Ziehen alle Erben an einem Strang, können sie sich sogar über eine Teilungsanordnung im Testament hinwegsetzen.

Kritisch wird es, wenn die Miterben nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Im äußersten Fall kann die Teilung des Nachlasses durch eine Erbteilungsklage vor dem Landgericht erstritten werden.

Voraussetzung der Nachlassteilung ist stets, dass zuvor die Nachlassverbindlichkeiten beglichen werden. Dazu gehören zum einen sämtliche Schulden, die der Erblasser schon zu Lebzeiten hatte.

Dazu gehören aber auch Bestattungskosten, Pflichtteilsansprüche, Vermächtnisse und die Erbschaftsteuer. Schließlich gehören auch die Verbindlichkeiten dazu, die die Miterben in ordnungsgemäßer Verwaltung des Nachlasses eingegangen sind.

Haftung mit Privatvermögen, wenn Verbindlichkeiten nicht beglichen sind

Vor Begleichung der Nachlassverbindlichkeiten besteht kein Anspruch auf eine Teilauseinandersetzung oder Abschlagszahlungen. Allerdings steht es den Miterben auch insoweit frei, darüber einvernehmliche Regelungen zu treffen.

Wenn die Erben den Nachlass teilen, bevor alle Verbindlichkeiten beglichen werden, verlieren sie die Möglichkeit, die Haftung auf den Nachlass zu beschränken. Sie haften dann zusätzlich mit ihrem Privatvermögen!

Teilungsreife bei Auseinandersetzung herbeiführen

Auch nach Begleichung aller Verbindlichkeiten ist noch eine hohe Hürde zu nehmen, wenn der Nachlass aufgeteilt werden soll. Wenn sich die Erben nicht auf eine bestimmte Aufteilung einigen können und eine Teilungsanordnung des Erblassers fehlt, muss zunächst die Teilungsreife des Nachlasses herbeigeführt werden. Dabei sind gesetzlich vorgegebene Teilungsprinzipien zu beachten.

Probleme bei der Aufteilung

Vorrangig ist der Nachlass durch Teilung in Natur auseinanderzusetzen. Das setzt voraus, dass sich sämtliche Nachlassgegenstände in Teile zerlegen lassen, die ihrer Größe nach den Erbquoten entsprechen. Dabei darf die Zerlegung nicht zu Wertverlusten führen.

Solange sich Immobilien im Nachlass befinden, ist eine solche Aufteilung praktisch nahezu ausgeschlossen. Sowohl Grundstücke als auch Wohnungen unterscheiden sich nach Lage, Größe, Erschließungs und Bebauungszustand.

Auch die Aufteilung eines Mehrfamilienhauses in Wohnungseigentum führt regelmäßig nicht zu gleichen Werten, denn das Erdgeschoss hat wegen seines Gartenzugangs meist einen höheren Wert als die oberen Stockwerke. Außerdem führt die Begründung von Wohnungseigentum nach dem WEG auch zu rechtlichen Nachteilen.

Verkauf, wenn Teilung nicht möglich bei Auseinandersetzung

Ist eine Teilung nicht möglich, kommt nachrangig der Verkauf zum Zug, und zwar bei fehlender Einigung als Zwangsverkauf. Geht es um eine Immobilie, ist die gerichtliche Teilungsversteigerung das Mittel zum Zwangsverkauf. Unabhängig davon, dass solch ein Verfahren erhebliche Kosten verursacht, droht die Vernichtung von Nachlasswerten.

Es ist allgemein bekannt, dass bei einer Versteigerung nur in seltenen Fällen ein Erlös in Höhe des Verkehrswerts erzielt werden kann. Meistens wechseln Immobilien ihren Eigentümer weit unter Wert.

Den Schaden haben alle Miterben zu tragen, denn je geringer der Erlös insgesamt, desto geringer auch ihr Anteil daran. Als Chance kann die Teilungsversteigerung nur begriffen werden, falls es einem Miterben gelingen sollte, die Immobilie selbst zu ersteigern und dabei ein Schnäppchen zu machen.

Erbteilkauf als Ausweg der Auseinandersetzung?

Häufig tritt das Phänomen auf, dass einzelnen Miterben mit einem ideellen Anteil an einer Immobilie wenig gedient ist. Dies gilt umso mehr, wenn es womöglich von anderen Personen - seien es einzelne Miterben, seien es Mieter - bewohnt wird. Oftmals besteht der Wunsch, anstelle dieses ideellen Anteils kurzfristig zu Bargeld zu kommen.

Das Bestreben, den eigenen Anteil sowohl zeitnah als auch zu einem angemessenen Preis zu verwerten, führt jedoch regelmäßig zu Schwierigkeiten. Das Gesetz sieht in diesem Fall nämlich nur die Möglichkeit vor, dass ein Miterbe dem anderen dessen Erbteil durch notariell beurkundeten Vertrag abkaufen kann. Auch ein fremder Dritter kann dies tun; allerdings haben die übrigen Miterben dann ein gesetzliches Vorkaufsrecht.

Doch diese Möglichkeit ist oft graue Theorie: Nur selten verfügt ein anderer Miterbe über die nötigen Mittel zur Finanzierung eines solchen Erbteilkaufs. Ebenso selten sind die übrigen Miterben bereit oder in der Lage, kurzfristig zu entscheiden, ob sie sich von ihrem Anteil ebenfalls bald trennen und die Immobilie insgesamt verkaufen wollen.

meineimmobilien.de-Tipp:
Eine einfache und kostengünstige Lösung, eine Erbschaftsauseinadnersetzung zu umgehen, ist für Sie die Abschichtung. Bei einer Abschichtung erhält der Miterbe, der kein Interesse an der Immobilie, wohl aber an liquiden Mitteln hat, von allen übrigen Miterben eine Abfindung für seinen Erbteil.
Der Anteil des abgefundenen Miterben fällt den übrigen Erben dann automatisch im Verhältnis der Erbquoten zu. Der Vorteil gegenüber der gesetzlich vorgesehenen Lösung besteht darin, dass nicht ein Einzelner für die Abfindung allein aufkommen muss, sondern sich die Last auf alle übrigen Miterben verteilt.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie im Buch Immobilien erben und vererben aus dem Haufe-Verlag.

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Es schreibt für Sie

Dr. Matthias Jünemann ist Fachanwalt für Erbrecht. Er ist in einer Kanzlei in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Erbrecht, Erbschaftssteuerrecht, Familienrecht und Mietrecht.
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