Dienstag, 01.01.2008 | Autor: Matthias Jünnemann/jst

Die richtige Testamentsform wählen

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Die Grundlage für das Vererben von Immobilien ist häufig das Testament oder der Erbvertrag. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Anforderungen an Form und Inhalt. So ist nicht immer das Schreiben mit dem Computer zulässig.

Es gibt das Testament und den Erbvertrag. Ein Testament kann in verschiedenen Formen errichtet werden.

  • Das gemeinschaftliche Testament von Ehepartnern und eingetragenen Lebenspartnern ist in Form und Inhalt eine besondere Variante.
  • Der Erbvertrag bedarf stets der notariellen Beurkundung. Sein Vorteil liegt darin, dass eine Vielzahl von Personen einbezogen werden kann. Das verschafft allen Beteiligten Sicherheit - mehr als ein Testament, das jederzeit widerrufen werden kann.

Eigenhändiges und notarielles Testament

Die bekannteste Form der letztwilligen Verfügung ist das Testament. Es kann in verschiedenen Formen errichtet werden. Die ordentlichen Testamentsformen sind das eigenhändige und das notarielle Testament.

Wer ein eigenhändiges Testament verfasst, muss dies vollständig handschriftlich einschließlich Angabe von Ort und Datum der Errichtung sowie der Unterschrift tun. Fehlt die Unterschrift, ist das Testament nichtig. Wer eine unleserliche Handschrift hat und meint, seinen Nachkommen mit einem computergeschriebenen und lediglich eigenhändig unterzeichneten Testament etwas Gutes zu tun, der irrt: Auch solch ein Testament wäre nichtig! Diese Formvorschrift soll den Nachweis der Echtheit eines Testaments erleichtern. Umgekehrt kann ein wirksames Testament auf diese Weise sehr einfach errichtet werden, theoretisch sogar in einem Brief oder auf einem Bierdeckel.

Beim Notar kann ein Testament wirksam dadurch errichtet werden, dass

  • der Erblasser seinen letzten Willen mündlich erklärt,
  • der Erblasser dem Notar eine (offene oder verschlossene) Schrift übergibt mit der Erklärung, dass sie seinen Letzten Willen enthalte - in diesem Fall darf sie auch von einem anderen oder mit dem Computer geschrieben sein.

Nottestament

Weniger bekannt sind verschiedene Formen von Nottestamenten vor drei Zeugen, z. B. in Todesgefahr, an einem abgesperrten Ort (wenn kein Notar erreichbar ist), auf See an Bord eines deutschen Schiffes. Sie haben nur eine geringe praktische Relevanz, z. B. nach einem schweren Unfall oder einer akut verlaufenden lebensbedrohlichen Erkrankung. Die Nottestamente verlieren ihre Gültigkeit, wenn nicht innerhalb von drei Monaten nach Errichtung der Tod eintritt.

Gemeinschaftliches Testament

Ein gemeinschaftliches Testament kann nur von miteinander verheirateten Eheleuten oder eingetragenen Lebenspartnern wirksam errichtet werden. Das gemeinschaftliche Testament bietet in zweierlei Hinsicht besondere Möglichkeiten: formal und inhaltlich.

Wie ein einfaches Testament kann auch das gemeinschaftliche Testament notariell oder eigenhändig handschriftlich errichtet werden. Für den Fall der eigenhändigen Errichtung sieht das Gesetz eine Vereinfachung vor. Es genügt, wenn einer der Ehegatten den Text des Testaments vollständig schreibt und beide anschließend - möglichst unter Angabe von Ort und Datum - unterschreiben.

Die wichtigeren Besonderheiten des gemeinschaftlichen Testaments sind inhaltlicher Natur. Es ist möglich, Erbeinsetzungen, Vermächtnisse und Auflagen in der Weise bindend zu verfügen, dass der länger lebende Ehepartner sie nach dem Tod des Erstverstorbenen nicht mehr aus der Welt schaffen kann. Man spricht juristisch von sogenannten wechselbezüglichen Verfügungen.

  • Bindungswirkung: Die Ehepartner haben es bei Abfassung ihres Testaments selbst in der Hand, in welchem Umfang ihre Verfügungen diese Bindung hervorrufen sollen. Nicht jede Erbeinsetzung oder Auflage und nicht jedes Vermächtnis müssen wechselbezüglich sein. Tatsächlich kommt es gerade bei eigenhändigen gemeinschaftlichen Testamenten oft zum Streit darüber, ob einzelne Verfügungen wechselbezüglich sind oder nicht.
  • Wechselbezügliche Klauseln festlegen: Das Gesetz stellt den Erben in diesem Zusammenhang einige Auslegungsregeln zur Seite. Vorrangig ist aber in jedem Einzelfall zu prüfen, was die Ehepartner tatsächlich gewollt haben. Maßgeblicher Zeitpunkt ist die Errichtung des Testaments. Um Unklarheiten zu vermeiden und den Bedachten unnötigen Ärger zu ersparen, empfiehlt es sich dringend, im gemeinschaftlichen Testament klar zu regeln, welche Klauseln wechselbezüglich sein sollen und welche nicht.
  • Änderungsvorbehalt: Es kann durchaus dem Wunsch der testierenden Ehepartner entsprechen, dass der Längerlebende nach dem Tod des Erstverstorbenen zwar weitgehend gebunden werden, ihm aber trotzdem die Möglichkeit eingeräumt werden soll, Details zu verändern. Dies kann durch Vereinbarung eines Änderungsvorbehalts geschehen.
  • Notarieller Zuwendungsverzicht mit Schlusserben: Nach dem Tod des erstverstorbenen Ehepartners gibt es auch ohne Änderungsvorbehalt einen Trick, mit dem die Bindungswirkung aufgehoben und dem Erblasser Änderungen möglich werden. Schließt der Längerlebende mit dem ursprünglich vorgesehenen Schlusserben einen notariellen Vertrag über einen Zuwendungsverzicht, kann er seine Verfügungen aus dem gemeinschaftlichen Testament widerrufen und neu testieren.

meineimmobilie.de-Tipp
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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch