Dienstag, 21.10.2008 | Autor: Günter Huber/mb

Allein vererben: Testamente für Singles

Für Singles oder Menschen, die in einer nichtehelichen Partnerschaft zusammenleben, reichen die Bestimmungen der gesetzlichen Erbfolge häufig nicht aus. Um ihrem Partner oder einzelnen Freunden etwas vererben zu können, müssen Singles ein eigenes Testament verfassen, um die gesetzliche Erbfolge zu umgehen.

Bei ledigen und verwitweten Personen ohne Kinder kommen als gesetzliche Erben in erster Linie die Eltern in Betracht, die allein und zu gleichen Teilen erben. Sie sind auch jeweils in Höhe von einem Viertel des Werts der Erbschaft pflichtteilsberechtigt, die sonstigen Verwandten haben keine Pflichtteilsansprüche.

Ein Alleinstehender wird in der Regel denjenigen Personen etwas vererben, die ihm im Leben am nächsten gestanden haben und zu denen er eine besondere Beziehung hatte, die ihm in bestimmten Lebenslagen Beistand leisteten oder die er aus sonstigen Gründen besonders schätzt.

Abweichen von gesetzlicher Erbfolge meist nötig

In diesen Fällen ist in aller Regel ein Abweichen von der gesetzlichen Erbfolgeregelung erforderlich. Nur selten entspricht die gesetzliche Erbfolge den durch persönliche Wertschätzung geprägten Wünschen und Interessen eines Alleinstehenden. Bei der Testamentsgestaltung sollte der Erblasser zunächst überlegen, ob er seinen Nachlass im Wesentlichen

  • einer oder wenigen Personen,
  • einer Personenvereinigung,
  • einer karitativen Einrichtung oder
  • einer größeren Anzahl von Personen

zukommen lassen will. Sollen mehrere Personen als Erben eingesetzt werden, muss die jeweilige Erbteilsquote für jeden Erben angegeben werden.

Wenn der Nachlass einem größeren Personenkreis zukommen soll, ist es nicht zweckmäßig, alle Personen als Erben mit einer bestimmten Erbquote einzusetzen. Eine große Erbengemeinschaft hätte voraussichtlich große Mühe bei der gemeinschaftlichen Nachlassverwaltung. Schwierigkeiten können auch bei der Aufteilung des Nachlasses unter den einzelnen Miterben auftreten. Empfehlenswert ist es in diesem Fall, eine Person, die die größten Zuwendungen erhalten soll, als Alleinerben einzusetzen und die anderen Personen durch Vermächtnisse zu bedenken, die dann vom Alleinerben erfüllt werden müssen.

Vor- und Nacherben

Wenn der Erblasser sicherstellen will, dass sein Nachlass zunächst auf eine bestimmte Person und nach deren Tod oder bei Eintritt einer bestimmten Bedingung auf eine andere Person übergehen soll, kann er einen Vor- und einen Nacherben bestimmen.

Wenn die Eltern als Erben eingesetzt wurden, sollte der Erblasser für den Fall, dass seine Eltern vor ihm sterben, einen Ersatzerben bestimmen. Dieser Ersatzerbe wird dann Erbe, wenn die Eltern vor dem Erblasser sterben sollten.

Testamente für Singles mit Kindern

Nach der gesetzlichen Erbfolgeregelung werden ledige oder verwitwete Personen mit Kindern von ihren Kindern zu gleichen Teilen beerbt, an die Stelle vorverstorbener Kinder treten deren Nachkommen. Nichteheliche Kinder sind, von Ausnahmen abgesehen, den ehelichen Kindern gleichgestellt. Ihnen stehen danach in der Regel dieselben Erbrechte zu wie den ehelichen Kindern.

Häufig wird die gesetzlich vorgesehene gleichmäßige Verteilung der Erbschaft auf die Kinder den Interessen und Wünschen eines Alleinstehenden entsprechen. Die Errichtung eines Testaments oder der Abschluss eines Erbvertrags sind dann nicht erforderlich. Anders sieht es jedoch aus, wenn neben den Kindern andere Personen, beispielsweise der nichteheliche Lebenspartner, Verwandte oder Freunde, Zuwendungen erhalten sollen oder wenn das Erbrecht eines der Kinder reduziert oder ausgeschlossen werden soll. Vielleicht ist auch eines der Kinder besonders zu bedenken, beispielsweise weil es besonders bedürftig oder dem Erblasser in spezieller Weise verbunden ist.

Der nichteheliche Lebenspartner als Erbe

Falls ein nichtehelicher Lebenspartner bedacht werden soll, bietet es sich an, ihn als Vorerben und die Kinder als Nacherben einzusetzen. Der Nachlass kommt dann zu einem späteren Zeitpunkt den Kindern zugute und bleibt im Familienbesitz, dennoch ist der nichteheliche Lebenspartner mit dieser Anordnung meist ausreichend abgesichert.

Zuwendungen an Verwandte oder Freunde werden zweckmäßiger Weise durch Vermächtnisse angeordnet. Die Besser- beziehungsweise Schlechterstellung eines der Kinder kann dadurch geregelt werden, dass die Erbteilsquote des Kindes entweder erhöht oder vermindert wird.

Wenn der Erblasser verwitwet ist

Als Witwe beziehungsweise Witwer muss der Erblasser bei der Gestaltung eines Testaments prüfen, ob er nicht bereits früher ein gemeinschaftliches Testament errichtet hat. Ist dies der Fall, können die einmal getroffenen gemeinschaftlichen Regelungen nicht mehr beliebig verändert werden. Die Bindungswirkung des früheren gemeinschaftlichen Testaments muss berücksichtigt werden.

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Es schreibt für Sie

Dr. Günter Huber ist seit 1982 in Freiburg als Rechtsanwalt tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Arbeits- und Erbrecht. Er ist Verfasser vieler Publikationen und Artikel.
Günter Huber

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Beachten Sie unbedingt, dass Testamente handschriftlich verfasst sein müssen, damit sie gültig sind.

Weitere Informationen zum Thema Erbschaft erhalten Sie im Buch "Richtig erben und vererben", erschienen im Haufe-Verlag.