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27.02.2008, 16:45 von AlkanProfil ansehen
Vermieten & Verwalten|Wärmedämmung
Hallo zusammen,

ich habe folgende Frage. Wir haben einen Mietshaus in dem wir selber wohnen. Nun möchten wir das Haus verputzen lassen.
Mir wurde erzählt, dass ich nicht verputzen darf, ich muss Wärmedämmung machen lassen. Ich will eigentlich keine Wärmedämmung weil ich mir das nicht leisten kann.
Wie muss ich eigentlich jetzt vorgehen ?

Danke
Alle 19 Antworten
28.02.2008, 15:30 von tommytulpe
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gammlige Hütte = gammlige Mieter,
gepflegtes hochwertiges Haus = Gepflegte anspruchsvolle Mieter.

Volltreffer, meine Hochachtung.
28.02.2008, 14:26 von nass01
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Die Nachweise erfolgen in der Regel über Fachunternehmerbescheinigungen die von den Unternehmen ausgefüllt oder ausgestellt werden.
Das Thema ist sehr heiß und ein 100%-er Nachweis fast unmöglich.
Wo bitte ist jemand in der Lage Dämmmaterial von 035 oder 040 zu unterscheiden, wie hoch ist der Anteil der Kältebrücken oder hat das Fachunternehmen richtig gearbeitet und die richtigen Materialien eingesetzt.
Wer bei solchen Maßnahmen die Bauleitung spart, spart am falschen Ende.
Vielleicht kostet die Eneriemaßnahme von 60.000.-EUR durch die Bauleitung 3000.- Euro mehr aber das bedeutet auch das ich keine 60.000-EUR zum Fenster raus werfe.

Die KFW verlangt eine Bestätigung eines Fachingenieurs, dass auch die vorgeschriebenen Dämmstoffe eingebaut wurden.
Im CO2 Energieeinsparungsprogramm Maßnahmenpaket 1 - 5 bietet die KFW zur Zeit einen Zinssatz von 1,75% bei 100% Auszahlung an und bei erreichen des Neubauniveau werden 5% der Kreditsumme erlassen.
Kosten los ist so eine Sanierung nicht und jeder muss selber für sich ausmachen welchen Anspruch er an sein Objekt hat, gammlige Hütte = gammlige Mieter,
gepflegtes hochwertiges Haus = Gepflegte anspruchsvolle Mieter.

Ein Haus in dem nur Harz IV Leute wohnen würde ich nicht so aufwändig sanieren da die Einkünfte vom Amt vorgeschrieben werden.
28.02.2008, 14:23 von JollyJumper
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Verordnung steht ja auch im Namen drin.
Ich schrieb aber auch nur von Gesetzescharakter.
Dieser leitet sich aus dem generell mitgelteden Energieeinsparungsgesetz (2. Fassung, Bekanntmachung vom 1.9.2005) ab, aus dem diese Verordnung quasi resultiert.

Gruß JJ
28.02.2008, 13:54 von tommytulpe
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Es handelt sich wie ihr schreibt um eine Verordnung und nicht um ein Gesetz. Aber aus Vernunftgründen kann heute ernsthaft keiner mehr der Meinung sein, eine Pinselrenovierung wäre ausreichend. Heizöl ca. 0,60 € + Märchensteuer.
28.02.2008, 13:13 von JollyJumper
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Zunächst natürlich der Forentroll
Originalzitat (in ähnlichem Zusammenhang mit Energiebedarfsausweisen):
Zitat:
Übrigens, wenn ich einen Manipulierten in die Hände bekomme, dann hagelt es Betrugsanzeigen! Das steht fest.

Ansonsten gilt:

Zitat:
EnEV 2007, Abschnitt 6
§ 26 Verantwortliche
Für die Einhaltung der Vorschriften dieser Verordnung ist der Bauherr verantwortlich, soweit in dieser Verordnung nicht ausdrücklich ein anderer Verantwortlicher bezeichnet ist.


Kann ers selber nicht hat er sich einen fachkundigen Sachverständigen dazu zu holen!

Die Enev hat Gesetzescharakter. Verstöße dagegen werden nach meinem Wissen als Ordnungswidrigkeiten geahndet.

Bei Neubauten geht der Wärmeschutznachweis i.d.R. auch mit zu Prüfingenieur, die dies überwachen, aber meist keine bis wenig Ahnung davon haben!
Die Kontrolle ist sicher bei den Bauämtern irgentwo angesiedelt.
Die habe jedoch meist genug anderes zu tun und bekommen von derartigen Aktionen (Energetische Sanierung oder auch nur simples verputzen) meist eh nichts mit, da sich dies zum überwiegenden Teil im bauaufsichtlich nicht anzeigepflichtigen Bereich befindet!

Wenn Du als zufällig etwas vergessen hast, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es niemand mitbekommt!

Gruß JJ
28.02.2008, 12:45 von Irm
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Wer kontrolliert eigentlich ob das so eingehalten wird ?
Irm
28.02.2008, 10:23 von Alkan
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also folgendes:
wir haben im EG eine Gaststätte die vermietet ist. Im I. OG wohnen wir. Wir haben Kamin und heizen mit Holz. Im DG haben wir zwei kleine Wohnungen, die werden von zwei Singles bewohnt. Einer lebt normal im Ausland, ist im Monat ein paar Tage in seiner Wohnung. Also wir haben eigentlich nicht so hohe Heizkosten. Deshalb rechnet sich die Investition bei mir nicht würde ich sagen.
28.02.2008, 09:55 von JollyJumper
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Zitat:
Sind hier 20 % der Gesammtfassadenfläche gemeint oder 20 % der Fassadenseite ?

Darüber streite gelegentlich auch immer noch Fachleute, obwohl die Formulierung der EneV eigentlich eindeutig ist!

Die exakte Formulierung der Enev 2007 EnEV 2007 EnEV 2007, Abschnitt 3, § 9 Änderung von Gebäuden lautet
Zitat:
(4) Die Absätze 1 und 3 sind nicht anzuwenden auf Änderungen, die
1. bei Außenwänden, außen liegenden Fenstern, Fenstertüren und Dachflächenfenstern weniger als 20 vom Hundert der Bauteilflächen gleicher Orientierung im Sinne der Anlage 1 Tabelle 2 Zeile 4 Spalte 3 oder

2. bei anderen Außenbauteilen weniger als 20 vom Hundert der jeweiligen Bauteilfläche betreffen.


Die Rede ist von "Bauteilfläche gleicher Orientierung" und damit von Einzelfassaden des Gebäudes.
Willst du also z.B. nur einen Giebel des Hauses >= 20 % verputzen lassen
=> Folge: Der gesmte Giebel ist zu dämmen.
Das macht aber auch Sinn, weil wenn die Gesamtfassde eines hauses berücksichtigt werden würde, die 20 % quasi nie erreicht werden würden!

Gruß JJ
28.02.2008, 09:35 von Irm
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Achtung:
Das ganze gilt aber nur wenn Du mehr als 20% des Außenputzes der jeweiliegen Fassade erneuerst!
Wenn Du also nur Putz der Fassade ergänzt (<= 20 % der Gesamtfläche), sprich Putzflächen ergänzen und dann die Fassade mit ein wenig Farbe anhübschen, gilt die Vorgabe der EnEV nicht!

Ich versteh das mit der jeweiligen Fassade nicht.
Sind hier 20 % der Gesammtfassadenfläche gemeint oder 20 % der
Fassadenseite ?
Irm
27.02.2008, 21:53 von tommytulpe
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Weil ich mir das nicht leisten kann??? Wer kann es sich noch leisten ohne Wärmedämmung aus zu kommen?
27.02.2008, 19:23 von Sledge_Hammer
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Zitat:
Und abzüglich des gesparten Instandhaltungsanteils!



steht nicht in der Betriebskostenverordnung oder im Mietvertrag, wird also nicht berücksichtigt.

Klage wer will !

27.02.2008, 18:10 von JollyJumper
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Zitat:
Was soll das denn heißen? "Gesparter Instandsetzungsanteil" - in dem Fall von doppelt verglasten Holzfenstern die in einem ordentlichem Zustand waren und einer Fassade, die in vielleicht 5 Jahren mal einen Anstrich benötigt hätte?

Analog zu meinem vorstehenden Hinweis:
Zitat:
Wo keine Instandhaltung erforderlich, da kein Instandhaltungsanteil erforderlich!
27.02.2008, 18:08 von JollyJumper
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Zitat:
Und abzüglich des gesparten Instandhaltungsanteils!

Der weise Vermieter sorgt, in ständiger Sorge um das körperliche Wohl seiner Mieter und Mieterinnen, immer dafür, dass nie ein Instandhaltungsrückstau in seiner Immobilien auftritt, sondern setzt ständig die grandiosen Vorgaben der Politik zu Energieeinsparung um.

Folge: Wo keine Instandhaltung erforderlich, da kein Instandhaltungsanteil erforderlich!

JJ
27.02.2008, 18:05 von Ruhrpoettin
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Und abzüglich des gesparten Instandhaltungsanteils!

Was soll das denn heißen? "Gesparter Instandsetzungsanteil" - in dem Fall von doppelt verglasten Holzfenstern die in einem ordentlichem Zustand waren und einer Fassade, die in vielleicht 5 Jahren mal einen Anstrich benötigt hätte?
27.02.2008, 18:04 von JollyJumper
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Wie oft hilft der Blick ins gute BGB
Zitat:
§ 554 Duldung von Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen

(1) Der Mieter hat Maßnahmen zu dulden, die zur Erhaltung der Mietsache erforderlich sind.

(2) Maßnahmen zur Verbesserung der Mietsache, zur Einsparung von Energie oder Wasser oder zur Schaffung neuen Wohnraums hat der Mieter zu dulden. Dies gilt nicht, wenn die Maßnahme für ihn, seine Familie oder einen anderen Angehörigen seines Haushalts eine Härte bedeuten würde, die auch unter Würdigung der berechtigten Interessen des Vermieters und anderer Mieter in dem Gebäude nicht zu rechtfertigen ist. Dabei sind insbesondere die vorzunehmenden Arbeiten, die baulichen Folgen, vorausgegangene Aufwendungen des Mieters und die zu erwartende Mieterhöhung zu berücksichtigen. Die zu erwartende Mieterhöhung ist nicht als Härte anzusehen, wenn die Mietsache lediglich in einen Zustand versetzt wird, wie er allgemein üblich ist.

(3) Bei Maßnahmen nach Absatz 2 Satz 1 hat der Vermieter dem Mieter spätestens drei Monate vor Beginn der Maßnahme deren Art sowie voraussichtlichen Umfang und Beginn, voraussichtliche Dauer und die zu erwartende Mieterhöhung in Textform mitzuteilen. Der Mieter ist berechtigt, bis zum Ablauf des Monats, der auf den Zugang der Mitteilung folgt, außerordentlich zum Ablauf des nächsten Monats zu kündigen. Diese Vorschriften gelten nicht bei Maßnahmen, die nur mit einer unerheblichen Einwirkung auf die vermieteten Räume verbunden sind und nur zu einer unerheblichen Mieterhöhung führen.

(4) Aufwendungen, die der Mieter infolge einer Maßnahme nach Absatz 1 oder 2 Satz 1 machen musste, hat der Vermieter in angemessenem Umfang zu ersetzen. Auf Verlangen hat er Vorschuss zu leisten.

(5) Eine zum Nachteil des Mieters von den Absätzen 2 bis 4 abweichende Vereinbarung ist unwirksam.


z.B. bei http://dejure.org/gesetze/BGB/554.html

Gruß JJ
Hallo JollyJumper,

weisst du wie lange vorher man die Umlage den Mietern bekanntgeben muss? Ich zögere im Moment noch damit, obwohl die Arbeiten gerade fertig sind. Ganzes Haus ist mit 10cm gedämmt und in 2 Etagen neue hochwertige Fenster eingebaut. Es war den Mietern vorher bekannt gegeben worden.

Im DG waren bereits nicht sehr alte Kunststofffenster plus Velux. Ich kann doch auch dann den DG Mietern nicht 11% bzw ein Drittel von allem in Rechnung stellen oder? Die sind doch nur z.T. von der Wärmedämmung betroffen, wobei da auch Gauben sind usw. Das DAch wr schon gedämmt als ich vor Jahren die Dachwohnung sanierte. Also die haben von den jetzigen Maßnahmen am wengisten, nur die beiden Wohnungen darunter. Weisst du, wie man das dann aufteilt?
27.02.2008, 17:46 von Augenroll
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Zitat:
7) Nach Abschluss der Maßnahmen die Modernisierungskosten (abzüglich öffentlicher Förderung) miot 11% Jährlich auf die Miete umlegen!!!


Und abzüglich des gesparten Instandhaltungsanteils!
27.02.2008, 17:44 von JollyJumper
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Zitat:
Mir wurde erzählt, dass ich nicht verputzen darf, ich muss Wärmedämmung machen lassen.

Das ist fast Korrekt!

Hier gilt gemaß der Energieeinsparverordnung: EnEV 2007, Anlage 3 (zu den §§ 8, 9 Abs. 2 und 3, § 18 Abs. 2)

1. Außenwände
Soweit bei beheizten oder gekühlten Räumen Außenwände

a)....

e) bei einer bestehenden Wand mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten größer 0,9 W/(m²·K) der Außenputz erneuert wird oder
...
sind die jeweiligen Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten nach Tabelle 1 Zeile 1 einzuhalten.

D.h Du musst einen U-Wert für die Außenwand kleiner-gleich 0.35 W/(m²·K) EINHALTEN.

In Dämmstoffdicke heiß das ca 10 cm Wärmedämmverbundsystem, lambda = 0.04 W/(mK), je nach vorhandenem Wandaufbau.

Achtung:
Das ganze gilt aber nur wenn Du mehr als 20% des Außenputzes der jeweiliegen Fassade erneuerst!
Wenn Du also nur Putz der Fassade ergänzt (<= 20 % der Gesamtfläche), sprich Putzflächen ergänzen und dann die Fassade mit ein wenig Farbe anhübschen, gilt die Vorgabe der EnEV nicht!


Zitat:
Wie muss ich eigentlich jetzt vorgehen ?

Du musst Dir im Klaren sein dass soetwas eine umfangreiche Baumaßnahme ist, die viel geld und Nerven kostet.

Also z.B.

1) Dein eigenes Budget prüfen.
2) Hinsichtlich möglicher Maßnahmen beraten lassen.
3) Angebote einholen!
4) GGF. Kredite beantragen (z.B bei der KFW)
5) Baumaßnahmen durchführen lassen

Hinsichtlich KFW ist zu beachte, dass Du, wenn Du eine hohe Förderung erhalten willst, dann ggf. sogenannte Maßnahmenpakete (z.B. Außenwand, Fenster, Dach) zur energetischen Sanierung machen musst, also deutlich mehr Geld investieren musst!
Das Thema ist aber zu umfangreich um es hier zu behandeln!

Und vor allem nicht vergessen:
6) den Mietern die Modernisierung rechtzeitig vorher ankündigen!!!
7) Nach Abschluss der Maßnahmen die Modernisierungskosten (abzüglich öffentlicher Förderung) miot 11% Jährlich auf die Miete umlegen!!!


Gruß JJ
27.02.2008, 17:27 von Ruhrpoettin
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Hallo Alkan,

ich habe gerade in kleines 3-Parteienhaus wärmedämmen lassen. Noch gibt es relativ günstige Kredite dafür bei der kfw (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Allerdings geht bei mir eine volle Miete 10 Jahre an die Bank bis der Kredit abgezahlt ist. Andererseits ist der Verkaufswert höher in Zukunft und Du musst sowieso demnächst einen Energiepass vorlegen.

Überlege mal, ob sich das nicht doch rentiert, denn immerhin spart ihr auch Heizkosten in den Jahren und das nicht unerheblich.

Eine Beratung bei der Verbraucherzentrale ist auch sinnvoll und kostet hier einmalig 5 €, also ein symbolischer Preis.
Wir freuen uns von Ihnen zu hören!
Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik?
Schreiben Sie uns!
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