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Alle 9 Antworten
11.02.2008, 17:09 von johanni
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Zitat:
Kompliment an alle, die geantwortet haben bes. zaunkoenig.

Respekt hier lernt man ja sogar noch was !


Möchte auch gern bei dieser Gelegenheit Zaunkönig ganz herzlich danken Seine Beiträge nicht nur in dieser Angelegenheit zeigen sehr gut die Hintergründe auf.

Aber auch Dernie verfügt für mein Verständnis über sehr gute Hintergrundinformationen.
Diese zu verstehen, wenn man kein Bankkaufmann/frau ist, ist jedoch für mich zur Zeit noch nicht möglich!

Ich bin " nur an der Front" tätig und versuche bei Geschädigten die "Wunden" zu verbinden bzw. zu lindern, denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt!!

Johanni
11.02.2008, 15:32 von CMAX_65
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Hi,

Kompliment an alle, die geantwortet haben bes. zaunkoenig.

Respekt hier lernt man ja sogar noch was !

MFG
11.02.2008, 14:27 von Dernie
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@johanni (1):

Die Basel II Richtlinien wurden in deutsches Recht mittels SolvV und KWG umgesetzt. Diese sind dann für deutsche Institute verpflichtend. SolvV und KWG enthalten also (mit leichten Änderungen) die Basel II Vorschriften.

@johanni (2):

Uhhhh - so einfach ist das nicht.

Zitat:
weil ich davon ausgehe, dass der Kunde nicht bezahlt.

Das ist nicht zwangsläufig ein Verbriefungsgrund!!! Ich kann auch performing loans verbriefen und nicht nur non-performing loans. Dadurch wird nicht (ausschließlich) die Bilanz "bereinigt". Bei True Sale Verbriefungen stehen die verbrieften Assets nach dem Verkauf nicht mehr in der Bilanz, bei synthetischen Verbriefungen verbleiben diese jedoch in der Bilanz!!!

Das eine ist also eine bilanzneutrale und das andere eine bilanzsummenverküzende Transaktion. Des weiteren stellt sich die Frage, ob die Transaktion EK entlastend ist oder nicht. Mit anderen Worten: Kauft der Investor auch das Risiko der underlying assets und in welcher Höhe? Gibt es flankierende Maßnahmen in der Transaktion zur Bonitätsverbesserung der aus dem Verbriefen resultierenden Wertpapiere? etc.

Bei einer EK entlastenden Transaktion hat die Bank einen größeren Spielraum für die Vergabe von Neukrediten. Banken dürfen nämlich nur einen bestimmten Prozentsatz des EKs an Krediten vergeben.

Gruß,
Dernie
11.02.2008, 13:54 von johanni
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Hallo Zaunkönig,

Zitat:
Im Prinzip passiert mit den verkauften Darlehensverträgen nichts anderes. Der Sinn ist ja gar nicht so verkehrt. Die Banken entledigen sich der Fremddarlehen und benötigen so einen geringeren Eigenkapitalnachweis. Zudem kann das Risikopotenzial ausgelagert werden. Die Bank bleibt insgesamt liquide und konkurrenzfähig.


Ich denke mal laut wie der Normalverbraucher:

Ich verkaufe nun als Kaufmann meine ausstehenden Rechnungen, weil ich davon ausgehe, dass der Kunde nicht bezahlt. Damit bereinige ich meine Bilanz und stehe damit wieder liquide und konkurrenzfähig da
Und wenn dann das Finanzamt kommt, gehe ich wegen Bilanzfälschung in den Knast!!

Johanni
11.02.2008, 13:49 von johanni
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Hallo Dernie,

Zitat:
Im Übrigen ist (seit 01.01.2008) nicht Basel II für deutsche Institute verpflichtend, sondern erst die Umsetzung der Basel II-Richtlinien in SolvV und KWG.


Bitte um Erläuterung, worin besteht denn der Unterschied zwischen der Verpflichtung ... sondern erst die Umsetzung der Basel II Richtlinien?

Man oh mann, wer soll das alles verstehen, was die Bänker so alles machen und dürfen? Und dann dazu noch die Gerichte!!

Johanni
11.02.2008, 13:06 von Dernie
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Ich möchte nochmals darauf hinweisen, daß man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen darf.

Forderungsverbriefungen unterscheiden sich zum Beispiel grundsätzlich in True-Sale und synthetischen Verbriefungen. Im Prinzip verbrieft nahezu JEDE Bank (und sogar große Unternehmen) zukünftig zu erwartende Cashflows. Das geschieht aus unterschiedlichen Gründen.

Als Beispiel sind zu nennen:

- Risikodiversifizierung
- EK-Entlastung
- Vergabemöglichkeit neuer Darlehen
=> Erhöhung der Bilanzsumme
- Kostenreduktion
- Liquiditätserhöhung
- Senkung der Refi-Kosten
- Erhöhung der EK-Rentabilität
- ...

Dabei sind die Gründe und Ziele je nach Art der Verbriefung völlig unterschiedlich, ja teilweise konkurrierend.

Forderungsverbriefungen sind nicht per se zu verteufeln. Allerdings sind die rechtlichen Ramenbedingungen dafür in Deutschland noch nicht wirklich gut. Und über die (juristischen) Reaktionsmöglichkeiten bei Häusle-Besitzern brauchen wir gar nicht streiten, die sind z.Zt. noch katastrophal.

Zudem hat zaunkoenig ja auch schon einige richtige Fakten dazu geschrieben.

Im Übrigen ist (seit 01.01.2008) nicht Basel II für deutsche Institute verpflichtend, sondern erst die Umsetzung der Basel II-Richtlinien in SolvV und KWG.

Gruß,
Dernie

P.S.: Ein paar Beispiele für recht "merkwürdige" Verbriefungen
- 60 Mio. Champagner-Flaschen
- Sponsoring-Verträge zw. Real Madrd und Adidas
- Eintrittskartenverkauf von Schalke 04 i.H.v. 85 Mio. €
- Staatslotterie in Griechenland
- Roaming-Gebühren eines österreichischen Mobilfunkunternehmens
- zukünftige Erlöse aus Musikstücken (von Davod Bowie) i.H.v. 55 Mio US$
11.02.2008, 12:48 von zaunkoenig
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Hallo,

das hat mit seriös oder unseriös überhaupt nichts zu tun, sondern ist die logische Konsequenz gesetzlicher Vorgaben.

Die EU verdonnert die Banken zur "Erfindung" von Basel II. Die Folge ist ein höherer Eigenkapitalnachweis der Banken oder aber die Schaffung höherer Liquiditätsreserven bei der jeweiligen Bundesbank.

Wie jedes Wirtschaftsunternehmen ist dies nicht mal eben so zu bewerkstelligen. Wenn man nicht wie Siemens über entsprechende Eigenkapitalkonten verfügt (auch wenn diese für bestimmte Geschäfte mißbraucht wurden), dann ist eben keine höhere Eigenkapitalbasis zu schaffen.
Je höher also das Fremdkapitalgeschäft einer Bank ist, desto größer das notwendige "Sicherungs- bzw. Eigenkapital".

Soweit so gut.

Wie also den gesetzlichen Erfordernissen nachkommen? Denn jeder Prozentpunkt unterhalb des notwendigen Eigenkapitals oder unterhalb der zu hinterlegenden Barreserve bedeutet für die Bank höhere Refinanzierungskosten bei der Besicherung des eigenen Darlehensgeschäftes.
Höhere Refinanzierungskosten bedeuten höhere Darlehenszinsen für den Kunden und eine geminderte Wettbewerbsfähigkeit der Banken.

Das dumme bei der Wettbewerbsfähigkeit ist, dass diese nicht mehr regional auf dem Finanzmarkt stattfindes sonder europäisch und global. Aber insbesondere global haben die deutschen und teilweise die europäischen Banken erhebliche Nachteile, da die Bestimmungen nicht einheitlich sind und, was den europäischen Raum betrifft, die Grundvoraussetzungen andere sind.

So gibt es beispielsweise Märkte, wo das Sammelgeschäft (Kundeneinlagen) und das Kreditierungsgeschäft (Darlehensvergabe + Finanzierungen) aber auch die Vermögensverwaltung, streng getrennt zu erfolgen haben, während in Deutschland/Europa überwiegend alles in einer Hand liegt. Aber die Trennung, die ja Grundsystem der ausländischen Banken darstellt, hat diesen Instituten Vorteile verschafft.

Vor ein paar Jahren hat noch Niemand außerhalb Großbritanniens oder der USA über den Verkauf von bestehenden Lebensversicherungen nachgedacht. Dieses Geschäft ist aber im anglikanischen Raum Gang und Gebe.
Ist im Grunde ja auch nichts negatives, da jeder seine Vorteile hat. Der Kunde erhält eine Auszahlung über dem Nennwert seiner Einlagen (und nicht irgend einen dubiosen Rückkaufswert) und die Käufer finanzieren den Vertrag zu Ende und streichen das Gesamtergebnis ein. Auf diese Erträge können sie Wertpapiere herausgeben und gutverzinsliche Wertanlagen am Markt anbieten.

Im Prinzip passiert mit den verkauften Darlehensverträgen nichts anderes. Der Sinn ist ja gar nicht so verkehrt. Die Banken entledigen sich der Fremddarlehen und benötigen so einen geringeren Eigenkapitalnachweis. Zudem kann das Risikopotenzial ausgelagert werden. Die Bank bleibt insgesamt liquide und konkurrenzfähig.

Nun hat der Gesetzgeber insgesamt geschlafen, und vermag bis heute nicht richtig zu erkennen, wo er zu handeln hat. Losgelöst von dem Kreditvertrag kann die Grundschuld behandelt werden. Verschärfend kommt hinzu, dass die Grundschuld nicht dem Kreditverlauf angepasst wird und somit immer in voller Höhe verbrieft bleibt, egal, wie das Darlehen aktuell valutiert.

Und dass haben mehr und minder seriöse Finanzinstitute erkannt. Der Verkauf der Grundschuld, losgelöst vom Darlehen, ist ein alter Hut in der Bankenbranche. Dies wurde immer mal wieder gemacht, meist zur Refinanzierung an Refinanzierungsbanken. Neu ist, dass eben hier auch Finanzinstitute auftauchen, die eben nicht der Bankenaufsicht unterstehen und das Kreditgeschäft als reines wirtschaftliches Unternehmen betrachten. Und da die Bank nicht mehr Partner ist, hat sie auch kein Interesse am Kunden. Und die Finanzierungsgesellschaft hatte nie Interesse am Kunden sondern alleine auf den Profit, der für sie machbar ist.

Wenn jetzt Seehofer hier den Mund aufmacht, so tut er dies zu einer guten Portion aus reinem Parteipopulismus. Immerhin sind nächstes Jahr Wahlen und jeder versucht sich zu positionieren.

Allerdings ist die Thematik bereits vor Jahresfrist vom Justizministerium aufgenommen worden und schlummert noch ein wenig vor sich hin. Immerhin gab es im Bundestag die notwendige Abstimmung, dass eine entsprechende gesetzliche Änderung erfolgen soll. Bis zum Gesetzentwurf und zur Gesetzesverabschiedung ist es noch ein langer Weg, und wer weiß, was aus der Notwendigkeit der politischen Positionierung vor der Wahl noch möglich ist.

Allerdings reagiert das Justizministerium hier lediglich auf Vorgänge, die in Brüssel längst zur Diskussion und im Gesetzgebungsverfahren stehen. Brüssel hat hier durchaus die Notwendigkeit des vergrößerten Verbraucherschutzes erkannt. Und es wirt eine entsprechende EU-Verordnung geben, die auch von der Bundesrepublik umzusetzen ist.
Aber die EU-Mühlen mahlen in manchen Dingen noch viel langsamer, da ja hier nicht nur die Interessen von ein paar Parteien unterzubringen sind, sondern von vielen, vielen Staaten.
Und solange es keine EU-einheitliche Verfassung gibt, wird sich an der Zeitschiene auch nichts verändern.

Die Dinge sind also sehr viel komplexer und komplizierter, als man dies oberflächlich betrachtet vermuten möchte.

11.02.2008, 11:59 von CMAX_65
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Hi,

Zitat:
Ja ich glaube, die Bankenwelt hat nicht damit gerechnet, dass dieses Thema und deren Auswirkungen mal öffentlicht wird!!


...find ich ganz gut, dass sowas mal auf den Tisch kommt.

Seriöse, lokale Banken u. Sparkassen haben sowas in der Regel nicht nicht nötig und die anderen dürfen gerne am Pranger stehen, da habe ich kein Mitleid !

MFG
10.02.2008, 12:07 von johanni
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Zitat:
Mehr Sicherheit: Banken dürfen Kredite nicht schon bei Fehlen einer Rate kündigen. Außerdem dürfen Banken ein Darlehen nicht mehr kündigen, wenn sich der Wert der Immobilie oder die wirtschaftliche Lage des Kreditnehmers verschlechtert

Zitat:
Sonderkündigungsrecht: Wird ein Kredit weiterverkauft, dürfen Schuldner den Kredit vorzeitig und ohne Extrakosten kündigen.

Seehofer verspricht sich so mehr Transparenz für die Verbraucher: „Kredit- und Finanzgewerbe sollten ihre Geschäfte nicht in einer Dunkelkammer abwickeln.

Das ist das Mindeste, was man im Zeitalter der Globalisierung und Undurchsichtigkeit der internationalen Finanzmärkte verlangen muss.“



Seehofer kann /darf man nicht glauben, nichts als Sprüche!!

Bisher hat sich die Politik nicht gegen die Finanzlobby durchsetzen können, also warum nun??

Soll Herr Seehofer doch mal aufzeigen, welche Bank eine Finanzierung bereitstellt, wenn Kredite verkauft wurden? Offenbar hat er von Basel II noch nichts gehört!!

Ich kanns nicht fassen, was Medien/Politiker so alles berichten!

Den Geschädigten ist damit nicht geholfen und bundesweit wird von den Banken und Sparkassen tatsächlich berichtet: " Kredite werden von uns doch nicht verkauft"!! Andererseits werben un Banken mit höheren Zinsen, dass Kreditverkäufe vertraglich ausgeschlossen werden sollen.

Ja ich glaube, die Bankenwelt hat nicht damit gerechnet, dass dieses Thema und deren Auswirkungen mal öffentlicht wird!!

Johanni
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