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17.06.2007, 12:55 von RitaProfil ansehen
Vermieten & Verwalten|Restwert-Abschreibung
Hier mal eine Frage an unsere Steuerexperten

Sachverhalt:
historisches ehem. Industrie-Gebäude (Ensembleschutz), Baujahr vor 1925
1995 Erwerb/Umbau/Umnutzung zu einem Geschäfts-/Wohnanwesen

In den AfA-Jahren 1 bis 10 waren 2 verschiedene AfA-Beträge nach 2 verschiedenen AfA-Methoden anzusetzen:
nach § 7 (4) EStG: 40 Jahre jeweils 2,5 % linear
s o w i e
nach § 7 h EStG: 10 Jahre jeweils bis zu 10 % aus Kosten d. Herstellung
die "bis zu 10%" wurden nicht vollständig ausgenutzt, sodass nach Ablauf des Begünstigungszeitraums - also ab dem 11. Jahr ein Restwert aus der AfA nach § 7 h verbleibt

Wie berechnet sich jetzt die AfA nach Ablauf des Begünstigungszeitraums?
z.B. verbleibender Restwert aus AfA nach § 7 h EStG gleichmässig verteilt auf die verbleibende Restnutzungsdauer
> also verteilt auf noch 30 (von ursprünglich 40) Jahren??
ODER was meint Ihr???
Alle 3 Antworten
20.06.2007, 08:43 von Rita
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@zaunkönig: Vielen Dank für's Augen-Öffnen - da habe ich Richtlinien gewälzt ... und glatt das Sätzchen gleich im § 7 h überlesen

Durch die "Zusammenlegung" der beiden Restwerte und die weitere gleichbleibende AfA mit AfA-Satz von 2,5% ergibt sich nun zwangsläufig eine Gesamt-AfA-Dauer von 44 Jahren (statt 40 gem. § 7 (4)).
Das muss ich dann wohl notgedrungen auch schlucken ... - oder?

> Ich habe gemäß EStG § 7 (4) Satz 2ff bereits eine Verkürzung der Restnutzungsdauer beantragt
Der FA-Beamter spielt aber leider nicht mit bzw. meine Darlegung reicht ihm nicht aus - er will ein Gutachten, kann mir aber nicht sagen wie er sich das denn so vorstellt. Ich habe den Eindruck man will einfach "mehr Papier" ...

Andererseits z.B. das FG Köln AZ 8 K 6294/95 (leider nicht mein Bezirk)
Statt der üblichen Abschreibung von Gebäuden über 40 bzw. 50 Jahre kann der Steuerzahler auch andere AfA-Sätze wählen, wenn er eine kürzere Nutzungsdauer nachweist. Bei diesem Nachweis genügt eine glaubhafte Darlegung der technischen oder wirtschaftlichen Umstände, die die Nutzungsfrist verkürzen. Das hat das Finanzgericht Köln in einem aktuellen Urteil entschieden (AZ 8 K 6294/95). Es wandte sich damit gegen eine vielgeübte Praxis der Finanzämter, an einen solchen Nachweis bei Gebäuden strengere Anforderungen zu stellen als bei anderen Wirtschaftsgütern.
Das Finanzamt habe - so wörtlich - "Bevormundung und Beckmesserei zu meiden" und solle prinzipiell von der Schätzung des Steuerpflichtigen ausgehen, der die Verhältnisse am besten kenne.
Quelle: http://www.baumeister-online.de/aktuelles/recht-detail.php?id=61

Was meint Ihr/meinst Du dazu?
Für Meinungen/Einschätzungen und/oder heisse Tipps wäre ich sehr dankbar.

Hat wer das o.g. Urteil im Volltext?

Mir liegt im Volltext vor:
FG Saarbrücken - AZ 1 K 336/03: AfA 4% bei betriebl. Nutzung - Betriebsvermögen oder Privatvermögen spielt keine Rolle
FG Köln - AZ 5 K 625-00 20.04.2005: Interessant wegen Begründung warum Antrag kürzere AfA-Dauer/Restnutzungsdauer nicht ausreichend begründet
FG Köln - AZ 8 K 6294/95 ... fehlt mir leider (noch?)
Zitat:
Maßgeblich ist jedoch die Gesetzeslage zum Zeitpunkt der erstmaligen Inanspruchnahme.


Ist das wirklich so? Ich dachte immer, bei den Abschreibungen würde die aktuelle Rechtslage gelten..... .

Gruß,
Dernie
18.06.2007, 10:55 von zaunkoenig
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Hallo,

Zitat:
Wie berechnet sich jetzt die AfA nach Ablauf des Begünstigungszeitraums?
z.B. verbleibender Restwert aus AfA nach § 7 h EStG gleichmässig verteilt auf die verbleibende Restnutzungsdauer
> also verteilt auf noch 30 (von ursprünglich 40) Jahren??
ODER was meint Ihr???


Das ist schon in die richtige Richtung gedacht.

Ein Blick in das aktuelle Gesetz hilft da nicht viel weiter, da der § 7h EStG inzwischen verändert wurde. Maßgeblich ist jedoch die Gesetzeslage zum Zeitpunkt der erstmaligen Inanspruchnahme.

Das EStG 1995 sagt dazu in § 7h Abs. 1 Satz 5 EStG:

nach Ablauf des Begünstigungszeitraums ist ein Restwert den Herstellungs- oder Anschaffungskosten des Gebäudes oder dem an deren Stelle tretenden Wert (gemeint ist der gemeine Wert oder Zeitwert) hinzuzurechnen; die weiteren Absetzungen für Abnutzung sind einheitlich für das gesamte Gebäude nach dem sich hiernach ergebenden Betrag und dem für das Gebäude maßgebenden Hundertsatz zu bemessen.

Bedeutet für die Praxis, dass der Restwert nach § 7h EStG nun wie Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu behandeln ist.
Der sich ergebende Restwert der Gebäudeafa wird um den Restbetrag nach § 7h EStG erhöht. Beide Beträge ergeben die neue AfA-Bemessungsgrundlage.
Abgeschrieben wird nach der Restnutzungsdauer des Gebäudes, also mit 2,5% für die verbleibenden 30 Jahre.

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