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23.11.2007, 06:59 von fw68Profil ansehen
Vermieten & Verwalten|Privater Mülldetektiv
Hallo,

hätte gerne mal von Euch die Meinung zu folgendem Sachverhalt.

Ich bin Mieter in einer Wohnanlage mit ca. 35 Eigentumswohnungen. Meine Vermieterin berichtete mir von der letzten Eigentümerversammlung und dort stand u. a. die Abfallentsorgung auf der Tagesordnung. Man sieht ein Problem darin, dass augenscheinlich nicht alle Bewohner Ihren Müll ordnungsgemäß trennen und so kommt es immer wieder vor, dass in den "Grüne Punkt"-Containern organische Abfälle landen, die dann wohl auch nicht geleert werden. Umgekehrt wird auch Verpackungsmüll, Glas und Papier in die dafür nicht vorgesehenen Restabfallcontainer entsorgt. Außerdem sind die Container von der Straße aus für jeden zugänglich und ich selbst habe schon erlebt, dass dort ganze Fernseher, Gartenstühle u. ä. lagen.

Um diesem Problem Herr zu werden, hat man nun beschlossen, dass der Hausmeister die Müllbehalter überwacht, sprich er soll den Müll durchwühlen, um eventuelle Missetäter zu überführen. Pro "Straftat" soll dann der Schuldige 50 EUR an die Eigentümergemeinschaft zahlen, der Hausmeister bekommt davon 10 EUR Fangprämie.

Nun bin ich selbstverständlich reinsten Gewissens, was mich aber stört ist, dass andere Privatleute quasi im offiziellen Auftrag meinen Abfall durchfühlen. Ich bin mir auch bewusst, dass man den teils horrenden Müllgebühren proaktiv begegnen sollte, aber kann das der richtige Weg sein?

Vielen Dank für Eure Meinung.

Gruß
Frank
Alle 16 Antworten
21.12.2007, 11:23 von Joy
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Hallo,

mich würde mal interessieren, ob so eine Strafe von 50 EUR überhaupt rechtskräftig ist?
Ein Vermieter bzw.Wohnungsgenossenschaft darf doch gar keine Strafen verhängen oder?
Ich selbst bin zur Zeit davon auch betroffen.
Unsere WBG hat eine pauschale von 50 EUR für einen falsch befüllten gelben Sack gefordert.
In diesen Sack befanden sich Adressen von uns.
Ich muss hier auch hinzufügen, dass sich auf unserem Mülltonnenplatz auch ein Papiercontainer befindet, auf den jeder Zugriff hat.
Dieser Container hat zwei große Klappen.
Man kann dort mühelos reingreifen oder sich reinstellen.
Da wir dort unser Papier und Pappe entsorgen, kann ich mir nur vorstellen, dass unser Nachbar (der uns nicht leiden kann) eins auswischen wollte und von dort Adressen entwendet hat.
Wir haben daraufhin Widerspruch bei der WBG eingelegt und eine Auflistung bzw. Rechnungsaufstellung für die Entsorgungskosten angefordert.
Diese konnte jedoch nicht erbracht werden.
Ich sehe nicht ein, dass ich der Sündenbock für andere bin.

Meine Frage an Euch
Auf welcher gesetzlichen Grundlage besteht die Entsorgungspauschale von 50 EUR?
Was würdet ihr tun?

25.11.2007, 10:03 von Rita
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Zitat:
In Deutschland ist das Blockwarttum und der Versuch der blödsinnigen Reglementierung nicht aus bestimmten Hirnen zu bekommen.

Ich sehe das keineswegs als Blockwarttum.
Mülltrennung ist halt (derzeit noch) eine Option, um Restmüllgebühren einzusparen - und der Entsorger durchleuchtet neuerdings sogar Bio-/Papiertonnen bei der Abfuhr ...

Hing bei Euch noch nie ein roter Zettel des Entsorgers an der Tonne, dass die Tonne nicht geleert werden konnte, weil Bio-/Papiertonne durch Plastik/Restmüll verunreinigt waren?
Der Vermieter/die ETG versucht hier lediglich ein bestehendes Problem zu lösen, um Mehrkosten für die Mieter/Nutzer zu vermeiden - und erntet dafür Unverständnis.

Abgesehen davon, dass ich Nachsortieren durch den Hausmeister für teurer halte, würde ich mir den "Blockwart"-Schuh gar nicht erst anziehen.
Auch gibt's bei uns keine abschliessbare Tonnen für Bio/Papier.
Ich habe die Nutzer/Mieter einmal auf die Regeln des Entsorgers hingewiesen.
Nutzen die Mieter/Nutzer bei einem roten Zettel an der Tonne nicht die Chance "nachsortieren", dann wird die Tonne mit "rotem Zettel" statt kostenlos eben beim nächsten Mal teuer als Restmüll entsorgt.
Seitdem klappt es weitgehendst.
23.11.2007, 16:46 von scientia
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Bei Sammelcontainern lässt sich die Zuordnung juristisch nur beweisen, wenn an dem falsch entsorgten Müll eine Adresse dranhängt.
Bei Einzeltonnen: verschliessbare Tonnen ordern.

Das Durchwühlen kann ein Eindringen in dei Privatsphäre z. B. bei Einzeltonnen sein. Z. B. kann das Einsammeln aus Einzeltonnen, wie manchmal erfolgt, als Diebstahl gewertet werden.
Der Müll wird an das Entsorgungsunternehmen übergeben.
Nach meinem Wissen wurde jemand mal bestraft, der bei irgendeinem Schlagersternchen den privaten Müll "untersuchte" weil diese Person irgendwie hinter diesem her war.
Man sollte so was gelassen sehen.
In Deutschland ist das Blockwarttum und der Versuch der blödsinnigen Reglementierung nicht aus bestimmten Hirnen zu bekommen.

gruesse scientia
23.11.2007, 14:45 von Sommer
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Also ich hätte es anders gemacht: Möge die Eigentümergemeinschaft doch beschließen, daß eine Videokameraüberwachung des Müllplatzes installiert wird - preiswerter und sicherlich effektiver. Zumindest falls das Rundschreiben an die Bewohner (in dem übrigens mal wirklich die effektiven Mehrkosten durch die Zusatzabfuhren aufgeführt werden sollten) nicht wirken.

S.
23.11.2007, 14:43 von zaunkoenig
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Hallo,

das Ganze ist ohnehin nur ein temporäres Problem.

Die Mülltrennung hat sich bereits erledigt, der "grüne Punkt" ist in allen Belangen gescheitert. Allein es fehlt noch an der gesetzlichen Umsetzung, zurück zur Einheitstonne.

Heutige moderne Entsorgungsunternehmen können sehr viel preiswerter ganzheitliche Abfälle sortieren und recyceln. Zudem wird die Umwelt durch den permanenten Mülltourismus nicht zusätzlich belastet.

Man warte also die Trägheit der Politiker ab, die noch von der alten Mülllobby geschmiert wird. Angesichts zunehmender Pleiten in dieser Branche (Duales System fährt seit ein paar Jahren nur noch Verluste) geht denen in absehbarer Zeit das Geld aus. Arbeitsstäbe in den beteiligten Ministerien arbeiten bereits an der Vorlage zum Beschluss der Ausarbeitung und Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfes.

23.11.2007, 14:40 von johanni
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Zitat:
Habe mal jemanden beobachtet der aus seinem Wagen Müll abgeladen hatte und auf eine Wiese geschmissen hat.
Vor Gericht wurde behauptet er hätte sich die Sauerei nur angeschaut und da stand Aussage gegen Aussage und es wurde keine Strafe verhängt.


Wenns nicht so traurig wäre, könnte man sogar darüber lachen!!

Johanni
23.11.2007, 14:17 von nass01
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Zitat:
Ich denke mal laut: was passiert, wenn der betroffene Mieter behauptet, es sei nicht sein Müll, der Nachweis wurde vom Hausmeister nicht richtig zugeordnet?, Wie will der Hausmeister ohne Zeugen beweisen, dass genau der z.B. Zettel des Mieter tatsächlich aus dem Müllbeutel kommt?


Ich schätze da ist nur kollektiv was zu machen weil die 50.-EUR rechtlich nicht einzutreiben sind und der Beweis sehr schwer.

Habe mal jemanden beobachtet der aus seinem Wagen Müll abgeladen hatte und auf eine Wiese geschmissen hat.
Vor Gericht wurde behauptet er hätte sich die Sauerei nur angeschaut und da stand Aussage gegen Aussage und es wurde keine Strafe verhängt.
23.11.2007, 13:34 von johanni
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Zitat:
Aber Kontrolle und "Bestrafung" mit 50 € halte ich für unmöglich.


Ich denke mal laut: was passiert, wenn der betroffene Mieter behauptet, es sei nicht sein Müll, der Nachweis wurde vom Hausmeister nicht richtig zugeordnet?, Wie will der Hausmeister ohne Zeugen beweisen, dass genau der z.B. Zettel des Mieter tatsächlich aus dem Müllbeutel kommt?

Johanni
23.11.2007, 13:30 von Cora
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Hallo

ein Bekannter von uns besitzt ein 12 FH und hat rund um die Mülltonnen einen ca. 2 m hohen Gitterzaun mit verschließbarer Tür gemacht, so bleiben erst mal Unbefugte draußen.

Ansonsten halte ich ein Rundschreiben an alle Mieter mit einer zusätzlichen Kostenpauschale für den Hausmeister, der dann den Müll "trennt" für eine gute Sache. Wenn es ans Geld geht, sind die meisten doch etwas aufmerksamer.

Aber Kontrolle und "Bestrafung" mit 50 € halte ich für unmöglich.
23.11.2007, 13:19 von Betroffen07
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Ja, mit der Müllentsorgung ist es einfach so, dass es nur funktioniert, wenn alle mitziehen. Hier kann man nicht nur an seinen eigenen Vorteil denken. Aber mit nur meckern ist hier nicht geholfen. Ist aber leichter, als eigene Vorschläge zu haben. Bei eigenen vorschlägen setzt man sich eben , wenn diese gut sind und umgesetzt werden, selbst der Meckerei und Kritik aus. <au, wie peinlich! Oder?
Gruß Betriffener 07
23.11.2007, 09:57 von johanni
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Das Thema Müllentsorgung greift bei fast allen Hausverwaltungen.

mal ganz im Ernst, was macht es für einen Sinn zu trennen, wenn dann aufm Müllplatz zunächst außer Glas und Papier alles ersteinmal wieder zusammen gekippt wird???????????????? Und dann auf den Förderbänder sortiert wird!!!

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Rundschreiben mit der Ankündigung, den Verursacher mit Kosten zu belsten, schon sehr gute Wirkungen gezeigt hat.

Aber auch die Bereitstellung von Behältern für Plastiktüten etc. neben den Tonnen zeigt auch gute Wirkung.

Vielfach fehlt es auch an der Beschriftung der Tonnen, wie z. B. nur Papier, Plastik, Biomüll, Restmüll.

Diese kleinen Hinweise helfen sehr.

Johanni
23.11.2007, 09:51 von fw68
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Zitat:
Sehr interessant. Hat die Eigentümergemeinschaft noch weitere Gesetzte erlassen? Z.B. Wiedereinführung der Todesstrafe?


Bisher wird hier offensichtlich nur mit Geldstrafen geahndet. Wie das allerdings im Wiederholungsfall aussieht, müsste ich dann mal erfragen.

Zitat:
Schlage mal eine andere Lösung vor!!


Zitat:
aber kann das der richtige Weg sein?
Hast Du einen besseren!



Tja, das ist der eigentliche Punkt. Ich schwanke selbst zwischen Verständnis für das eigentliche Problem einerseits und andererseits bin ich versucht, eine geschickt zusammengestellte Mülltüte im Morgengrauen zu deponieren, um dann das Schicksal seinen Lauf nehmen zu lassen.

Die Frage ist doch, ob so eine Lösung rechtens ist, nur weil es keine andere gibt oder ob man hier mit deutscher Gründlichkeit mal wieder fünfe gerade sein lässt und sich nicht um Dinge wie Privatsphäre oder sogar Intimität schert.

Ich halte das - vielleicht etwas übertrieben - für eine Form der Selbstjustiz.

Gruss
Frank
23.11.2007, 09:50 von rrutz
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Zitat:
...und durch die Entsorgung hast Du quasi Deinen Besitz daran aufgegeben!


Und neuer Besitzer ist dann nicht die Eigentümergemeinschaft sondern der zuständige Entsorger!

Diese hat dann das Recht, den Müll zu kontrollieren und evtl. "Bestrafungen" durchzuführen.

Aber das Problem der Mülltrennung ist so alt wie es auch getrennte Mülltonnen gibt.

In meinen Häusern gibt es bis zu 4 verschiedene Tonnen - und die Mieter werfen Ihren Müll immer in die Tonne, wo gerade noch Platz ist...das Plastiktüten nicht ausgekippt werden, weil sie ja so weniger Platz in der Tonne wegnehmen würden, ist vollkommen normal.
23.11.2007, 09:24 von dontpanic
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Zitat:
Pro "Straftat" soll dann der Schuldige 50 EUR an die Eigentümergemeinschaft zahlen, der Hausmeister bekommt davon 10 EUR Fangprämie.

Sehr interessant. Hat die Eigentümergemeinschaft noch weitere Gesetzte erlassen? Z.B. Wiedereinführung der Todesstrafe?

Gruß,
dp
23.11.2007, 08:58 von JollyJumper
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@fw68
Die Welt ist nun mal schlecht und wo keine Kontrolle stattfindet klappen bestimmte Regel nun mal nicht, ob nun im Straßenverkehr oder sonstewo!
Was würdest Du dennn andersrum sagen, wenn Dei Vermieter doppelt soviele Restmülltonne beschafft (natürlich unter entsprechendeer Kostenerhöhung), damit die unsahgemäß befüllten Werstofftonnen regelmäßig nach deren Nichtabholung dort entsorgt werden konne.
Ich sehe förmlich die Anfrage hier oder mglw. in irgentwelchen Mieterforen "Hilfe mein böser Vermieter erhöht die Kosten für Müllentsorgung um 200 %"

Zitat:
Außerdem sind die Container von der Straße aus für jeden zugänglich und ich selbst habe schon erlebt, dass dort ganze Fernseher, Gartenstühle u. ä. lagen.

Lösung: abschließbarer Müllplatz

Zitat:
Nun bin ich selbstverständlich reinsten Gewissens
Das sind immer und grundsätzlich alle!

Zitat:
quasi im offiziellen Auftrag meinen Abfall durchfühlen.
Wenn der Hausmeister nicht mit dir direkt zu Mülltonne geht dürfte die Zuordnung des Mülls zu dir ja trotzdem schwer werden. Wo ist das Problem!
Der Müll befndet sich im Container im öffentlichen Bereich und durch die Entsorgung hast Du quasi Deinen Besitz daran aufgegeben!

Zitat:
aber kann das der richtige Weg sein?
Hast Du einen besseren!
Da das Denuziantentum und der hang zum Blockwart uns Deutschen ja quasi im Blut liegt, würde ich empfehlen die Rolle des Chefcontrollers enfach selbst zu übernehemn.
So stellt Du sicher, dass keiner an deinen Müll geht, bekommst vielleicht Bonuspunkte bei Deinem Vermieter und erreichst einen hohen Bekanntheitsgrad im Haus!

JJ
23.11.2007, 08:33 von nass01
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Ich habe das anders gehandhabt indem ich eine Rundschreiben am alle Mieter losgelassen habe und angekündigt, das die kosten für zusätzliche Müllsortierung und Leerungen auf alle Mieter umgelegt werden.
Ebenso habe ich das mit der Treppenhausreinigung angedroht und die Mieter achten gegenseitig auf die Einhaltung dieser Pflichten.

Da das Problem bei euch vorhanden ist, muss natürlich auch eine Problemlösung gefunden werden, was nicht einfach ist bei so vielen Parteien.
Schlage mal eine andere Lösung vor!!
Wir freuen uns von Ihnen zu hören!
Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik?
Schreiben Sie uns!
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