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18.12.2006, 20:21 von KopfverdreherProfil ansehen
Vermieten & Verwalten|Muss ich einen Nachmieter akzeptieren ?
Hallo Leute,

heute ( 18.12.06 )zwischen Tür und Angel informierte mich mein Mieter er wolle zum 01.03.2007 Ausziehen. Er möchte einen Nachmieter stellen. ( Habe noch keine schriftliche Kündigung )Muss ich das akzeptieren, oder kann ich auf die dreimonatige Kündigungsfrist bestehen und mir meinen neuen Mieter selber suchen ?! Der Mietvertrag läuft seit 01.07.2005.

Ich hoffe die Frage ist nicht zu banal und freue mich auf Euere Hilfe !

Kopfi
Alle 7 Antworten
22.12.2006, 11:35 von woge
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Zitat:
Die Frage der Interessenabwägung stellt sich also überhaupt erst dann, wenn es - etwas vereinfacht formuliert - einen Grund gibt, der nicht vom Mieter selbst geschaffen wurde. Es ist auch durchgängige Rechtsprechung, dass die Einhaltung einer Kündigungsfrist von 3 Monaten für den Mieter immer zumutbar ist. Ist das Mietverhältnis mit gesetzlicher Frist kündbar, scheidet ein Anspruch nach Treu und Glauben auf Nachmieterstellung also aus.


... dem kann ich nicht widersprechen, ABER:

Es ist leider so, dass gerade in den unteren Gerichtsinstanzen vornehmlich jüngere Richter zu finden sind. Diese sind da noch nicht mit langer Berufspraxis gesegnet von den persönlichen Eindrücken ihrer eigenen Zeit als Studi heraus insbesondere in Mieter/Vermieterangelegenheiten wesentlich "sozialer" dem Mieter gegenüber eingestellt, als ein berufserfahrener, älterer Richter (an einer höheren Instanz), der vielleicht bereits selbst schon Ärger mit seinem Mieter in seiner eigenen, vermieteten Eigentumswohnung oder Haus hatte.
Daher sehen es gerade die AG-Richter oft etwas "lockerer" damit, was zumutbar ist. Zudem wird gelegentlich vor dem AG als ausreichender Grund ein neuer Arbeitsplatz ("gerade in der heutigen Zeit") angesehen. Dass diese Urteile eventuell in höherer Instanz keinen Bestand haben - o.k.. Aber es ist ja auch immer eine Frage der Wirtschaftlichkeit....

Letzten Endes spiegelt sich in einem Urteil immer die persönliche Auslegung eines Richters wider - und diese ist wie oben aufgezeigt geprägt von seinen persönlichen Erfahrungen.
Daher ist es sehr wohl möglich, dass man vor einem AG ein Urteil einfährt, was den Vermieter bei einer Auswahl an dem jetzigem Mieter "gleichwertigen" Nachmietern dazu verpflichtet, den Mieter früher aus dem Vertag zu entlassen!
20.12.2006, 16:52 von RMHV
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Das Nachmietermärchen Version 738529/06

Zitat:
woge » 19.12.06 09:58 «

es gibt da etliche Gerichtsurteile... im Konsens kommt es auf eine Interessensabwägung an:...


Urteile gibt es zweifellos etliche. Man sollte allerdings auch die jeweils entschiedenen Sachverhalte berücksichtigen.

Für einen Anspruch nach Treu und Glauben auf vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses gegen Nachmieterstellung muss der Mieter zunächst einen wichtigen Grund liefern. Nur der Wille des Mieters zur Beendigung des Mietverhältnisses reicht nicht aus. Die Frage der Interessenabwägung stellt sich also überhaupt erst dann, wenn es - etwas vereinfacht formuliert - einen Grund gibt, der nicht vom Mieter selbst geschaffen wurde. Es ist auch durchgängige Rechtsprechung, dass die Einhaltung einer Kündigungsfrist von 3 Monaten für den Mieter immer zumutbar ist. Ist das Mietverhältnis mit gesetzlicher Frist kündbar, scheidet ein Anspruch nach Treu und Glauben auf Nachmieterstellung also aus.

Zitat:
woge » 19.12.06 09:58 «
Also wenn dem Vermieter mehrere mit dem derzeitigen Mieter vergleichbare Nachmieter vorgeschlagen werden (d.h. ähnliche Liquidität, aber auch vergleichbares Wohnverhalten u.a.), dann kann es durchaus passieren, dass ein streitbarer Mieter vor Gericht Recht bekommt, insofern als dass der Viermieter einen Nachmieter hätte akzeptieren müssen und sich nicht (aus reiner Boshaftigkeit) auf die Kündigungsfrsit berufen kann.



Wenn der Mieter keinen Anspruch auf vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses hat, ist es völlig unerheblich wer als Nachmieter vorgeschlagen wird. Auch die Gründe des Vermieters für eine Ablehnung sind ohne Anspruch des Mieters ohne Belang.
20.12.2006, 10:55 von Rita
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Zitat:
oder kann ich auf die dreimonatige Kündigungsfrist bestehen und mir meinen neuen Mieter selber suchen ?!

I.d.R. JA - aber mal in den Mietvertrag schauen, ob nicht dort dem Mieter das Recht auf "vorzeitige Vertragsentlassung durch Stellung eines (für den VM) zumutbarenNachmieters" eingeräumt wurde.

Der Mieter möge zunächst mal ordentlich kündigen = schriftlich (z.B. bevor du selbst bzgl. Anschluß-Mietersuche aktiv wirst).
Er kann dabei ja gerne seinen Wunsch äußern und möge dabei auch gleich begründen, WARUM er meint die gesetzl. Kündigungsfrist durch "Nachmieterstellung" abkürzen zu können.

I.Ü. hat der VM selbst dann, wenn der Mieter ein Recht auf "Nachmieterstellung" für sich in Anspruch nehmen darf, eine dreimonatige Überlegungsfrist > die Nachmieterstellung kann also nicht die normale, gesetzl., kurze Kündigungsfrist abkürzen, sondern spielt eher bei längerer Kündigungsfrist (früher) bzw. Zeitmietvertrag eine Rolle.

Vielleicht dem Mieter mal die entsprechende Kurzinfo des DMB unter die Nase halten?
http://www.mieterbund.de/recht/main_recht_nachmieter.html
Hallo,

es gibt da etliche Gerichtsurteile... im Konsens kommt es auf eine Interessensabwägung an:
* Der Mieter hat ein Interesse daran, schnell auszuziehen
* Der Vermieter hat ein Interesse daran, finanzielle Ausfälle zu minimieren - und dazu gehört auch die "Qualität" des Mieters

Also wenn dem Vermieter mehrere mit dem derzeitigen Mieter vergleichbare Nachmieter vorgeschlagen werden (d.h. ähnliche Liquidität, aber auch vergleichbares Wohnverhalten u.a.), dann kann es durchaus passieren, dass ein streitbarer Mieter vor Gericht Recht bekommt, insofern als dass der Viermieter einen Nachmieter hätte akzeptieren müssen und sich nicht (aus reiner Boshaftigkeit) auf die Kündigungsfrsit berufen kann.

Aber dies ist immer eine Einzelfallentscheidung; prinzipiell gilt: Vertraglich oder eben im Gesetz ist eine Kündigungsfrist festgelegt - und die ist erstmal einzuhalten.

Alle Klarheiten beseitigt?
18.12.2006, 22:37 von Cora
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Hallo

so lange keine schriftliche Kündigung da ist, ist diese auch nicht wirksam. Wenn es ein "netter" Nachmieter ist, könnte man ja darüber reden - ansonsten hat der Mieter gelitten und muss seine Kündigungsfrist einhalten.
Ausziehen kann er schon im Januar, nur die Miete muss er weiter zahlen
18.12.2006, 20:44 von CMAX_65
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Hallo kv,

"frischebrise" hat Recht.

MFG
18.12.2006, 20:31 von frischebrise
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Hallo,
natürlich brauchen Sie den Nachmieter des ausziehenden Mieters nicht akzeptieren und suchen sich Ihren eigenen aus.
Und an die gesetzliche Kündigungsfrist hat sich auch der Mieter zu halten.
Entgegen der weitverbreiteten Meinung - das der Mieter bei 3 Nachmieterbenennungen freikommt - ist nichts dran.
Wir freuen uns von Ihnen zu hören!
Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik?
Schreiben Sie uns!
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