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18.10.2007, 11:50 von MelanieProfil ansehen
Vermieten & Verwalten|Habt ihr Erfahrungen mit Kalkfarbe?
Hallo,
ist das nur was für Keller, oder schaut das auch im Wohnbereich etwas aus?
Kann man nur auf nackten Putz streichen, oder auch auf Tapete z.B. Rauhfaser?
Gleicht die Farbe Unebenheiten auf Putz aus, oder muß man den Putz vorher ganz glatt schleifen?
LG Melanie
Edit: hab grad bei Wikipedia gelesen das sie auf Tapete nicht hält!
Alle 13 Antworten
28.10.2007, 10:35 von Rita
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Mit selbst angerührten Sumpkalkanstrichen und auch Leimfarben habe ich vor etlichen Jahren etwas experimentiert (auch auf Lehmputz), weil ich schon damals eine grundsätzliche Abneigung gegen Dispersionsfarben hatte.

Leimfarbe: Letztendlich bin ich davon wieder abgekommen, weil die Farbe wasserlöslich bleibt > vorm Überstreichen muss die Leimfarbe ggf. gründlich abgewaschen werden!
Selbst angerührte Sumpfkalkfarbe fand ich gerade in Feuchtreumen sehr gut, da die Farbe bei hoher Luftfeuchtigkeit dunkler wird > quasi ein "jetzt Lüften"-Anzeiger.
Früher hatte man z.B. 1* jährlich "gekalkt" - gerade wegen der Eigenschaften desinfizierend, schimmelabweisend. Ob die Leute damals der Schichtaufbau > das Abblättern nicht gestört hat? Mich hat es jedenfalls gestört und ich bin deswegen davon wieder abgekommen. Vielleicht ist das durch die neuen "Fertigmischungen" auch behoben.
Mühsam ist es jedenfalls, das Zeugs wieder loszuwerden, um mit anderen Anstrichen arbeiten zu können.

Nur weil der "Giftmischer" Caparol inzwischen auch entsprechende Produktlinien auf den Markt gebracht hat, um seinen Ruf zu bessern und auch um im Denkmalschutz-/Altbau-Bereich eingesetzt zu werden, wird mir diese Firma nicht sympathischer.
z.B.
http://fzarchiv.sachon.de/index.php?pdf=Fachzeitschriften/Maler-und_Lackierermeister/2007/05_07/ML_05-07_55-57_Termine_und_Veranstaltungen.pdf

Die gerade im Restaurationsbereich schon lange bekannte Firmen/Produktlinien sind mir da wesentlich sympatischer - z.B.:
Keimfarben
http://www.keimfarben.de/de/produktprogramm/kalksysteme/
http://fzarchiv.de/Zeitschriftenarchiv/Maler-und_Lackierermeister/2003/12_03/ML_12-03_Tradition_und_Vielseitigkeit.pdf
Kreidezeit
http://www.kreidezeit.de/Frameset/index.htm
Am besten dort selbst für eine Entscheidungsfindung die Produktdatenblätter, Technischen Merkblätter lesen für Anwendungsbereiche, geeignete Untergründe und Eigenschaften.

Besonders wichtig für Innenanstriche sind mir: Weichmacherfrei ("Fogging"!!), Dampfdiffusionsfähigkeit.
Ich ziehe inzwischen Kasein-Marmormehlfarbe vor (Abtönen mit mineralische Pigmenten).
Aus den Datenblättern:
Kasein-Marmormehlfarbe: Wand- und Deckenfarbe für den Innenbereich.
Geeignet zur Verarbeitung auf saugfähigen Untergründen wie Putzen, Stein, Beton, Rauhfaser, reinen Papiertapeten, Gipskarton, Gipsfaserplatten.
Bedingt geeignet auch auf alten Dispersionsanstrichen nach Anlegen von Probeflächen mit positivem Ergebnis (siehe "TIPS").
Ungeeignete Untergründe sind z. B. Leimfarben und Kalkanstriche, Ölfarben, Latexfarben, Kunststoff, Metall, Untergründe mit Tapetenleimresten, sowie alle glatten, nicht saugfähigen Flächen und dauerfeuchte Untergründe.
Für Feuchträume empfehlen wir KREIDEZEIT Sumpfkalkfarbe (Art. 888).
Marmorsumpfkalk: Geeignete Untergründe für einen Sumpfkalkanstrich sind unbehandelte Kalk-, Kalk-zement- und Trasskalkputze. Die optimale Haftung wird bei Verarbeitung auf frischen Kalkputzen erzielt.

Das Problem bei Mietwohnungen ist aber, dass sich die "guten" Anstriche i.d.R. nicht mit Dispersionsfarben vertragen ... und wie/mit was der Mieter streicht, kann man als Vermieter ja nicht wirklich beeinflussen.
Unsere guten und ökoligisch unbedenklichen Anstrich gibt's jedenfalls schon lange nicht mehr ... da habe ich mir inzwischen jegliche Ideologie abgeschminkt.

Ähnlich gute Eigenschaften, sog. Leimfarbe, die ebenfalls aus Kalk oder Kreide als Pigment und Knochenleim sowei Wasser besteht. (Kalkfarbe ist Calciumhydroxyd, gelöschter Kalk als Pigment und Wasser)
Auch hiervon haben Baumärkte keine Ahnung und auf den entsprechenden Bausites wird sowa als veraltet bezeichnet.
Verfahre hiermit im Altbaubereich seit Jahren weiterhin erfolgreich.
PS Leimfarbe gibt es auch noch fertig vorbereitet von Carparol meines Wissens.
Die Kalkfarbe war früher die billigere Alternative, daher eher in Ställen und Nebenräumen, die Leimfarbe dann in den Zimmern.
gruesse scientia
26.10.2007, 02:25 von Ruhrpoettin
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Also Melanie, Ende der 60iger Jahre in Berlin haben wir als Studenten aus Kostengründen unsere Charlottenburger große Wohnung immer mit Kalkfarbe gestrichen. Einer war dabei, dessen Vater Kirchenrestaurator war und der sich sehr gut mit all dem auskannte.

Wir haben dem angerührten Kalk nur noch ein klein wenig Latexfarbe (Caparol?) zugegeben, damit man nicht weiß wird, wenn man gegen die Wand kommt. Kalk wird dann wischfest.

Es war preiswert, schön und zeigte alle Eigenschaften, die zuvor beschrieben wurden. Ich würde heute in einem eigenen Haus nur noch glatt verputzte Wände mit Sumpfkalk streichen, und den nur noch zusätzlich etwas wischfest machen.

Silikatfarbe hat übrigens ähnliche Eigenschaften, ist nur sehr viel teurer.

Im Baumarkt braucht man so etwas erst gar nicht zu fragen. Die wissen wenig und wollen ihre teuren anderen Marken verkaufen.

MfG
21.10.2007, 11:53 von mandi
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Hallo Melanie,
wir hatten auch mal eine Wohnung die total verschimmelt war. Wir haben alles sauber saniert und streichen seither nur noch mit Silikatfarbe sie ist atmungsaktiv und gesund für die Innenwände. Mit Kalk hast du auch den Nachteil, dass es abfärbt. Also absolut unpraktisch. Wenn du angehst bist du ständig weiß. Kenne dieses Problem noch von Verwandten, die in alten Häusern lebten.
Grüße Mandi
21.10.2007, 10:10 von Ich
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... dann Fakolith FK5 als vorbeugeneden Anstrich ;-)
Das ist eine wässrige Antischimmelfarbe auf Reinacrylatbasis für den innenbereich. Er hat eine fungizige und bakterizige Langzeitwirkung und ist schnelltrocknend und atmungsaktiv.
20.10.2007, 17:23 von Melanie
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Hi ich,
ne, nicht WEGEN Schimmel, eher um Schimmel auszuschließen......
20.10.2007, 17:18 von Ich
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Also falls du diese Frage in Bezug auf Schimmel stellst, kann ich dir FAKOLITH empfhlen.
Nach Schimmelbefall mit Fakolith FK12 den Schimmel abwaschen und die Flächen reinigen,
den Untergrund mit Fakolith FK14 sanieren (das verhindert die Zellteilung) und
Fakolith FK5 als vorbeugenden Anstrich verwenden.
19.10.2007, 15:25 von frischebrise
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Hallo,

ja, was da Johanni schrieb, hat viele Vorteile.

Unsere Vorfahren im 18/19 Jahrhundert haben Kalkanstriche auch in Wohnräumen ausgeführt.

Auch nach dem Kriege wurden Kalkfarben wieder verwendet, da nichts Anderes da war.

Durch die leicht alkalisch eingestellte Lösung gibt es keine Probleme mit Schimmel.
Die Lösung ist etwas grobkörnig und hinterlässt leichte Riefen im Anstrich.

Ein weiterer Nachteil ist die Vergilbung nach einigen Jahren.
Weiterer Nachteil, dass auf Kalkanstrichen keine Dispersionsfarbe mehr hält, noch eine Tapete.

Es ist eine Aufrauhung erforderlich, auch herkömmliche Absperrmittel arbeiten nicht als Haftbrücke.

Ansonsten ein guter Denkansatz und bei Schimmelmieter einer Überlegung wert.
19.10.2007, 15:10 von Apfelkuchen
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Also ich habe bisher Kalkfarbe nur im Keller verwendet.
Allerdings liest sich die Produktbeschreibung von Johanni so, als wenn es auch in Wohnräumen zu verwenden wäre.
Ich würde die Farbe die Verwendet habe niemals in Wohnräumen verwenden. Aber auf diesem Gebiet bin ich Laie.

Laß Dich doch mal im Baumarkt oder im Fachandel beraten.
19.10.2007, 13:44 von Melanie
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Zitat:
Kalkfarbe nur im Keller verwenden. Niemals in Wohnräumen.


Warum?
18.10.2007, 14:19 von johanni
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Hallo Melanie,

Zitat:
Anwendungsbereiche:

Neben den klassischen Anwendungen für baustellengemischte Putz- und Mauermörtel wird

Sumpfkalk auch zur Erzeugung von Kalkfarben und Kalktünchen verwendet. Immer größer wird der Wunsch von Bauherren und Wohnungseigentümern, baubiologisch und bauphysikalisch "richtige" Produkte zu verwenden. KALKPRODUKTE stehen besonders für ein gesundes Raumklima und tragen zum Erhalt der Bausubstanz, besonders der Farbuntergründe (Putz) im

Innen- sowie im Außenbereich, bei. Bei der traditionellen Bauweise im Neubau, bei der Renovierung und Sanierung trägt gerade Sumpfkalk nicht nur zu einer wesentlich höheren Langlebigkeit als Baustoff, sondern auch zu einer verbesserten Wohnqualität und einem

Wohlgefühl bei. Ebenfalls wird Sumpfkalk (Sumpfkalk-Tünche) im landwirtschaftlichen Bereich zur Desinfektion der Ställe verwendet. Von vielen Denkmalämtern wird Sumpfkalk bei der Sanierung historischer Bauwerke vorgeschrieben.



Weitere wichtige Kriterien für die Anwendung von Sumpfkalk:

Sumpfkalkanstriche sind desinfizierend, resistent gegen Feuchtigkeit, feuchtigkeitsregulierend, schimmelwidrig, leicht zu verarbeiten, dampfdiffusionsoffen (atmungsaktiv) und verbessern das Wohnraumklima.

Sumpfkalkanstrichen sind daher auch besonders geeignet, Schimmelbildung auf belasteten Untergründen und in Räumen enorm zu vermindern oder erst gar nicht entstehen zu lassen.

Auch lassen Sumpfkalkanstriche Wasser ungehindert passieren und das Mauerwerk kann schneller austrocknen.



Die Reste sind kompostierbar.

Nach der Verarbeitung ist das Werkzeug einfach mit Wasser zu reinigen.



Sumpfkalk ist baubiologisch absolut unbedenklich und daher unbedingt zu empfehlen



Qualitätsbeschreibung:

Kalkanstriche sind auf Luftkalkputze eine sehr gute Lösung. Sie lassen Wasserdampf ungehindert passieren, halten den Altputz gesund und neuer Kalkmörtel kann gut karbonatisieren. Sie gehen mit dem

Untergrund eine homogene Verbindung ein, versteinern (karbonatisieren) und werden dadurch wasserunlöslich.

Im häufig vorgebrachten Argument über eine geringe chemische Beständigkeit, liegt der eigentlich große Vorteil von Kalkanstrichen darin, dass die Säurebelastung im Niederschlag schon an

der Oberfläche neutralisiert und so die zerstörende Wirkung an Putz- und Mauerwerk fernhält.

Fachleute sprechen daher von einer sogenannten "Opferschicht". Kalkanstriche bauen aus diesem

Grund gegenüber Dispersions- oder Silikatanstrichen schneller ab, bringen aber auch nach mehrmaligen

Anstrichen keine Oberflächenspannungen und Versiegelungen.

Kalkanstriche laden sich statisch nicht auf, dadurch bleibt die Oberfläche wesentlich länger sauber.



Im Gegensatz zu filmbildenden Farben wie Dispersions-, Leim-,Acryl- oder Dispersionssilikatfarben, bleibt der niedere Sd-Wert der Dampfdiffusionsoffenheit

(Atmungsaktivität) bei Kalkanstrichen erhalten. Das wolkige Erscheinungsbild speziell bei hohen Pigmentanteilen ist typisch für Kalkfassaden und vorher zu besprechen.

Für hochwertigen Kalkanstrich sollten mehrere dünne Schichten aufgetragen werden - er ist daher arbeitsintensiv.


Johanni

18.10.2007, 14:13 von Apfelkuchen
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Kalkfarbe nur im Keller verwenden. Niemals in Wohnräumen.
18.10.2007, 13:36 von Cora
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Hallo Melanie

also Kalkfarbe für Wohnräume würde ich nicht empfehlen?

Wie kommst du darauf?

Unebenheiten beim Putz kriegst du damit auch nicht weg, es sei denn,du schmierst sie richtig dick auf.

Putz in Wohnräumen sollte man übrigens nur mit einer Farbe streichen, die luftdurchlässig ist.
Wir freuen uns von Ihnen zu hören!
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