> zur Übersicht Forum
07.04.2007, 14:26 von Nix_als_AergerProfil ansehen
Vermieten & Verwalten|Der Dauerbrenner: Ein Mietnomade... TIPPS?
Hallo, jetzt muss ich als Neuankömmling hier auch mal eine Geschichte über einen Mietnomaden beisteuern und um Hilfe bitten (gerne auch per PN, falls einige Tipps "heiss" sein sollten).

Vorgeschichte:

Meine Frau hat eine Miniwohnung mit in die Ehe gebracht, die eine ganze Zeit leer stand (nach schlechten Erfahrungen mit Leuten, die maximal ein halbes Jahr darin wohnten und nie Miete bezahlten).

Irgendwann wollte ich das Drama nicht mehr mitansehen und habe mich über eine Maklerin um Vermietung gekümmert. Da die Wohnung einige klassische Nachteile hat (kleine 1-Zimmer-Wohnung im EG, einfache Wohnlage, zwar in Berlin, aber wenig beliebter Stadtteil), fand sich nur ein Interessent, den ich in der Not dann genommen habe.

Dann das übliche: Von der Kaution nur die 1. Rate bezahlt, Mietzahlungen nur verspätet und nie ohne Nachtelefonieren etc.

Ab und zu auch eine Miete ausgelassen und nie nachbezahlt.

Da wir 250 km weit entfernt wohnen, leider auch nie Gelegenheit, uns richtig darum zu kümmern.

Mittlerweile ist der Mieter aber "arbeitslos" (von den Nachbarn weiss ich aber, dass er sehr wohl arbeitet - dann aber schwarz), und Mietzahlungen gehen seit ca. 1 Jahr nicht mehr ein (bis auf eine). Ich habe schon die fristlose Kündigung ausgesprochen (Ende Januar), aber der Mieter weigert sich, auszuziehen. Momentan geht er auch nicht mehr ans Telefon, und wegen der geringen Mieteinnahmen (240 € warm) ist die offizielle Lösung viel zu teuer.

Was tun? Hat jemand Erfahrung mit z. B. www.Entmietungs-Team.de ? Über den Herrn Recker war ja mal ein lobender Artikel in der Capital.

Bin eigentlich zu (fast) allem bereit, um diesen Mietnomaden loszuwerden. Kann allerdings wegen beruflicher Belastung (Sprung in die Selbständigkeit) mich so gut wie gar nicht selbst um die Angelegenheit kümmern (sonst wäre schon lange was passiert). Irgendwelche Ratschläge?

Nach diesen ganzen Erfahrungen möchte ich die Wohnung am liebsten auch gleich loswerden - leider ist in der Gegend viel Leerstand und ein solches Objekt fast unverkäuflich.

Wer da Tipps hat, auch die sind hochwillkommen. Fast wäre ich bereit, diesen Klotz am Bein für den symbolischen Euro wegzugeben - von Wohneigentum bin ich wohl für den Rest meines Lebens kuriert...
Alle 9 Antworten
10.04.2007, 09:38 von Augenroll
Profil ansehen
Zitat:
Du (Rita) bist an anderer Stelle schon mal bewundert worden für diese perfekten Vorschläge (wie gesagt, ich habe hier viel gelesen)

Vor allen Dingen kann Rita auch gut "durch die Blume" formulieren, zwischen den Zeilen findet man denn die wahren Tipps.
08.04.2007, 10:15 von Nix_als_Aerger
Profil ansehen
Hallo Rita,

erstmal danke für diese super-Zusammenfassung mit Quellenangabe und Strategievorschlag.

Du bist an anderer Stelle schon mal bewundert worden für diese perfekten Vorschläge (wie gesagt, ich habe hier viel gelesen) - dem schliesse ich mich noch mal an!!!

Ausserdem ist es sicher sinnvoll, erstmal die nächste Eskalationsstufe über ARGE / Mahnbescheid laufen zu lassen, bevor man dann andere Saiten aufzieht. Ich werde alle auf dem Laufenden halten, wie's weitergeht...
08.04.2007, 09:47 von Nix_als_Aerger
Profil ansehen
Deswegen hatte ich ja auch auf hilfreiche Tipps gehofft, um diese Nachverfolgbarkeit zu erschweren.

Was wäre denn, wenn z. B. spielende Kinder in dieser Erdgeschosswohnung immer wieder mal die Scheiben einwerfen?

Kann bei kalter Witterung sicher unangenehm sein.
08.04.2007, 09:47 von Rita
Profil ansehen
Bzgl. ALG/ARGE
Gem. § 22 Abs. 4 SGB II SOLLEN die Kosten der Unterkunft und die Heizkosten direkt an die Drittzahlungsempfänger (Vermieter, Energielieferanten etc.) gezahlt werden, wenn die zweckentsprechende Verwendung durch den Leistungsberechtigten nicht sichergestellt ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn Rückstände aufgelaufen sind oder aus sonstigen Gründen als wahrscheinlich anzusehen ist, dass der Leistungsberechtigte seinen Verpflichtungen nicht nachkommen wird. In diesen Fällen ist keine Zustimmung des Leistungsberechtigten erforderlich.
http://www.sozialgesetzbuch-bundessozialhilfegesetz.de/_buch/sgb_ii.htm

Schuldenübernahme zur Sicherung der Unterkunft - Bei drohendem Wohnungsverlust soll in der Regel nach § 34 Abs. 1 Satz 2 SGB XII wegen der erheblichen negativen Folgen von Obdachlosigkeit die Hilfe gewährt werden. Voraussetzung ist, dass die Übernahme von Mietschulden notwendig und gerechtfertigt ist, Selbsthilfemöglichkeiten nicht gegeben sind und sie der dauerhaften Sicherung der Unterkunft dient.
z.B.
http://fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/soziales-familie/infoline-archiv/2006/34-hilfe-sonderfall.html

Nach meiner Erfahrung muss man der ARGE aber wirklich gewaltig auf die Sprünge helfen, bevor hier etwas geschieht.
Da du nichtmal 100% weisst, ob die ARGE hier zuständig ist, würde ich sie einfach mal informieren > drohender Wohnungsverlust (Kopie der fristlosen Kündigung wegen Zahlungsverzug > nächster Schritt = Räumungsklage) und womöglich Zweckentfremdung von ARGE-Leistungen für Unterkunft.

Du hast 2 (gleichrangige) Probleme:
Mietrückstand = offene Forderungen > sichern - auch um dem Mieter/Schuldner klarzumachen, dass es jetzt ernst wird
preiswert geht das über das gerichtliche Mahnverfahren > Mahnbescheid > Vollstreckungsbescheid
z.B. bei Forderungsbetrag 1.000 Euro > Gebühr Mahnbescheid: 27,50 Euro
die amtliche Seite:
https://www.online-mahnantrag.de/omahn/Mahnantrag?_ts=458789-1119679994798&Command=start
(online aber nur mit Zusatz-Hardware möglich, besser: Formular aus dem Schreibwarenhandel)
hier ein Online-Dienstleister > wegen weiterer Hilfen/Infos:
http://www.mahnung-online.de/

Dilemma schnellstens beenden = Mieter loswerden, Schaden begrenzen
- Rechtsweg = Räumungsklage/Zwangsräumung
- andere Lösungen = fast immer "halbseiden"
Bisher konnte ich mir/konnten wir uns da glücklicherweise noch immer selbst helfen.
Entmietungsservice kostet sicher auch sein Geld - und auch wegen möglicher strafrechtlicher Konsequenzen, würde ich da niemals eine "Firma" beauftragen.

Ich habe schon die fristlose Kündigung ausgesprochen (Ende Januar), aber der Mieter weigert sich, auszuziehen.
Na klar - solange der Mieter für umme angenehm wohnen, heizen, kochen und sich waschen kann ...
Du musst ihm eben klarmachen, dass jetzt "Ende Gelände" ist.
Das geht nur mit Zeit- oder mit Geldaufwand.

Trotz der Entfernung - m.E. ist der bessere Weg, sich selbst zu helfen.
Natürlich kannst du auch weiter einfach nur warten und darauf hoffen, dass z.B. Heizung/Wasser ausfallen und du eben nicht reparierst ...
Zitat:
"bei den offiziellen Varianten verlierst du nur Geld"


Selbst wenn mit der Berliner Räumung die Kosten nicht ganz so hoch sind, ist es leider immer noch recht kostspielig eine Räumungsklage bis zur Zwangsräumung durchzuziehen.
Das Problem bei den offiziellen Varianten ist einfach die Tatsache, dass sie zu lange dauern. In dieser Zeit bekommst du keine Miete und kannst zudem auch nicht weitervermieten.
Ich kann deshalb gut verstehen, wenn man da auf andere Möglichkeiten zurückgreifen möchte.

Man muss sich es aber trotzdem gut überlegen, da man auch als Auftraggeber bei so einem "Entmietungsservice" strafrechtlich belangt werden kann.

07.04.2007, 20:21 von Nix_als_Aerger
Profil ansehen
Hm. Ich lese jetzt seit anderthalb Tagen alles im Forum, was ich finde zu dem Thema, und diese "Berliner Räumung" wurde zwar als kostengünstige Variante beschrieben, aber die meisten Aussagen zu dem Thema waren doch "bei den offiziellen Varianten verlierst du nur Geld".

Oder liege ich da falsch?
07.04.2007, 18:27 von Cora
Profil ansehen
Hallo

dann hilft nur eine Räumungsklage und wenn die durch ist, das Modell "Berliner Räumung" wählen (bitte mal googeln), kostet nicht viel. Hatten wir hier auch schon behandelt.

Gruß
07.04.2007, 18:12 von Nix_als_Aerger
Profil ansehen
Danke, das war auch meine erste Idee. Leider ist die ARGE so hilfreich wie vermutet, nämlich garnicht.

Aus "Datenschutzgründen" wird noch nicht einmal die Auskunft gegeben, ob der Mieter bei der ARGE gemeldet ist. Sagen kann er ja viel...

250 km sind zwar nicht unüberwindlich, aber die Fahrt kostet ja jedesmal auch 41 € (Bahn) und, was schlimmer ist, kostbare Zeit.

Die Tatsache, dass dieser Schmarotzer auf meine Kosten lebt (Geld ist ja vorhanden, geht nur für Zigaretten drauf), macht mich mittlerweile aber so wütend, dass ich eine schnelle Lösung suche. Kann ruhig was kosten, Hauptsache schnell und ich kann danach ruhig schlafen...
07.04.2007, 15:55 von CMAX_65
Profil ansehen
Hallo,

mit Entmietungsteam, Moskau Inkasso etc. habe ich keine Erfahrung, da ich bisher alle Problemfälle noch selbst regeln konnte.

Dazu gehört allerdings auch eine gewisse Nähe, wobei ich 250 km nicht für unüberwindlich halte, sieht man mal von dem Zeitaufwand ab.

Da Sie sagen der Mieter ist arbeitslos, halte ich für die erfolgversprechendste Methode bei der zuständigen Arge (ALG II Amt) nachzuhaken, da er ja Miete bekommt und diese nicht weiterleitet.

Das ist Betrug und in diesem Fall könnte die Behörde da mal ein bisschen nachbohren bzw. die Miete direkt an Sie überweisen.

MFG
Wir freuen uns von Ihnen zu hören!
Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik?
Schreiben Sie uns!
>weiter