Montag, 02.05.2016 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © Les Cunliffe - Fotolia.com

Widerrufsjoker bei Darlehensvertrag: Vorsicht, Fristablauf!

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Worum geht´s

Kreditvertrag fürs Haus: Wann und wie lange Sie Ihren Darlehensvertrag widerrufen können. 

Wer noch immer drüber nachdenkt, ob er seinen Darlehensvertrag nun widerrufen soll oder nicht, sollte sich mit seiner Entscheidung beeilen. Der Grund: Am 21.6.2016 endet aufgrund einer Gesetzesänderung die Widerrufsfrist endgültig. 

Damit bleiben Sie dann trotz der viel zu hohen Zinsen, die Sie vielleicht zahlen, auf Ihrem widerrufbaren Darlehensvertrag sitzen. 

Haben Sie vor ungefähr 5-10 Jahren einen Darlehensvertrag für Ihre Immobilie abgeschlossen und ärgern Sie sich Monat für Monat über die viel zu hohen Zinsen, die Sie dafür zahlen? Dann sollten Sie schleunigst prüfen, ob Ihr Darlehensvertrag aufgrund einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung widerrufbar ist.

Mit einem Widerruf könnten Sie dann den alten, teuren Kreditvertrag vorzeitig beenden und einen neuen Vertrag zu den jetzt günstigeren Zinsen abschließen.

Wie die Banken auf Ihren Widerruf reagieren

Klar ist Ihre Bank nicht begeistert, wenn Sie Ihren Kreditvertrag widerrufen wollen. Viele Kreditinstitute weisen einen Darlehenswiderruf zunächst einmal als unwirksam zurück und zeigen sich relativ unnachgiebig.

Erst wenn ein Rechtsanwalt für den Darlehensnehmer tätig wird und das Kreditinstitut deshalb konkret damit rechnen muss, gerichtlich verklagt zu werden, wird häufig erst Kompromissbereitschaft signalisiert.

Bevor Sie also vorschnell widerrufen, sollten Sie erst einmal Ihre Widerrufschance prüfen.

Darlehensvertrag: Wie Ihre Widerrufschancen stehen

Wenn Sie selbst erst einmal prüfen wollen, ob Ihr Darlehensvertrag widerrufbar ist, müssen Sie sich die Mustervorlage des Gesetzgebers für die Widerrufsbelehrung besorgen. Doch nicht irgendeine, sondern die, die für das Jahr gilt, in dem Sie Ihren Darlehensvertrag unterschrieben haben.

Das Widerrufsrecht für Immobilienkreditverträge wurde erst 2002 eingeführt. Dafür gab es eine Mustervorlage, die viele Kreditinstitute aber etwas umgestaltet haben – und genau hier lauert Ihre Chance, denn mehrere Gerichte haben die ursprüngliche Widerrufsbelehrung gekippt, weil sie nicht eindeutig genug war!

Widerrufsrecht: Was Sie prüfen sollten

Hat sich Ihre Bank genau an den Wortlaut des Gesetzgebers gehalten, können Sie Ihr Widerrufsrecht vergessen.

Besser sieht es bei den Banken aus, die ihre Widerrufsbelehrung selbst formuliert haben. Solche Widerrufsbelehrungen sind meist unwirksam und damit der Darlehensvertrag widerrufbar, denn die Widerrufsfrist – normalerweise beträgt sie 2 Wochen - hat also nie begonnen, so dass Sie Ihren Darlehensvertrag selbst noch Jahre später widerrufen können.

Welche Darlehensverträge vom Widerrufsrecht betroffen sind

Konkret geht es um Darlehensverträge, die zwischen 2002 und 2010 abgeschlossen wurden. Verbraucherschützer schätzen, dass 70 bis 80 Prozent dieser Verträge angreifbar und damit grundsätzlich auch widerrufbar sind.

Um das zu prüfen, müssen Sie zunächst Ihre Widerrufsbelehrung im Darlehensvertrag mit dem damals gültigen Mustertext für Widerrufsbelehrungen vergleichen. Und zwar Wort für Wort!

Finden Sie Abweichungen, ist Ihr Vertrag möglicherweise unwirksam. Wenn Sie´s genau wissen wollen, sollten Sie sich spätestens jetzt juristischen Rat einholen.

Wann die Rechtsschutzversicherung zahlt

Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, übernimmt die die Kosten eines Rechtsstreits nur, sofern es sich nicht um einen Neubau oder um ein vermietetes Objekt handelt. Ihre Chancen beim finanzierten Eigenheim stehen also gut!

Ansonsten gilt: Die Police muss nicht schon beim Abschluss des Kredits bestanden haben, sondern erst zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Bank weigert, den Widerruf anzuerkennen. Denn das ist dann der Schadenszeitpunkt. Sie könnten also erst dann noch eine Rechtsschutzversicherung abschließen und dann erst Ihren Widerruf abschicken.

Nur eben: Vor dem 21.6.2016 sollten Sie Ihren Widerruf abschicken. Die Zeit drängt also. 

Kommentare (1)

4.5.2016, 16:52 Uhr von mbruessel Profil ansehen
Frage: Ich habe Ende 2009 einen Kreditvertrag verlängert, der aus 2000 stammt. Dieser Vertrag hat gar keine Widerrufsklausel. Habe ich eine Kündigungsschance?
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Ratgebern, E-Books, Loseblattwerken, ...
Heidi Schnurr
Am Ende kommt manches teurer als man denkt. Gerade bei den Banken. Doch auf die und ihre Vertragsklauseln hat der BGH sein besonderes Augenmerk gerichtet. Gerade hat der BGH wieder eine Klausel in Bausparverträgen für unwirksam erklärt, die vielen Bausparern eine Rückzahlung bescheren könnte – und für die Bausparkassen teuer werden könnte. Dabei geht es um Darlehensgebühren.     Der Bundesgerichtshof hat eine solche, in vielen Bausparverträgen enthaltene Gebührenklausel soeben für unwirksam erklärt. 
Haben Sie vor ungefähr 5-10 Jahren einen Darlehensvertrag für Ihre Immobilie abgeschlossen und ärgern Sie sich jetzt über die viel zu hohen Zinsen? Dann sollten Sie diese 2 aktuellen BGH-Urteilen kennen, die der BGH am 23.2.2016 gefällt hat und die Sie unter Umständen zum Widerruf Ihres Darlehensvertrag berechtigen.     Bei einem erfolgreichen Widerruf könnten Sie von den derzeit günstigeren Zinsen profitieren. Mit diesem „Widerrufsjoker“ kommen Sie schon vor Ablauf der eigentlichen Laufzeit aus Ihrem "teuren" Darlehensvertrag. Allerdings können Sie den nur noch bis zum 21.6.2016 ausspielen. Danach endet aufgrund einer Gesetzesänderung vom 18.2.2016 die Frist.  
Wer für seinen Kreditvertrag noch viel zu hohe Zinsen zahlt, würde ihn lieber heute als morgen kündigen. Allerdings gibt es da leider mindestens zwei Gründe, die Sie daran hindern könnten. Der eine heißt Kündigungsrecht, der andere Vorfälligkeitsentschädigung.  Wie die Ihren Traum vom günstigeren Zins und höherer Tilgung zerplatzen lassen, lesen Sie hier.
Geld ohne Arbeit: Träumen wir davon nicht alle? Der Bundesgerichtshof sorgt dafür, dass Sie sich mit ganz wenig Aufwand ein ansehnliches Sümmchen Geld von Ihrer Bank zurückholen können: Die Bearbeitungsgebühr für Ihren Kreditvertrag. Wieviel Ihnen die Bank zurückzahlen muss, hängt von der Höhe der Bearbeitungsgebühr ab.  
Denken Sie noch immer drüber nach, ob Sie Ihren Darlehensvertrag nun widerrufen sollen oder nicht? Dann sollten Sie sich langsam beeilen, denn am 21.6.2016 endet Ihre Widerrufsfrist endgültig.  Damit bleiben Sie dann trotz der viel zu hohen Zinsen, die Sie sehr wahrscheinlich derzeit noch zahlen, auf Ihrem widerrufbaren Darlehensvertrag sitzen.  

 meineimmobilie.de-Tipp

Noch können Sie Ihren Kreditvertrag aus den Jahren 2002 bis 2010 immer noch widerrufen, sofern er eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung enthält. Allerdings drängt die Zeit, denn am 21.6.2016 läuft die Widerrufsfrist ab. 

 

Ob das der Fall ist, können Sie von einem Anwalt prüfen lassen. Bei der Interessengemeinschaft Widerruf können sich Verbraucher darüber austauschen, bei welchen Banken ein Widerrufsversuch bereits mehr oder weniger erfolgreich war.