Mittwoch, 07.08.2013 | Autor: Heidi Schnurr, Foto: © bill_17 - Fotolia.com

Dauerstreit-Thema lüften: Warum 3-mal am Tag reicht

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Worum geht´s

Wie oft der Mieter lüften muss und wie die Beweislage bei Schimmel ist. 

Fenster auf und rein mit der frischen Luft - am besten 3-mal am Tag. In manchen Wohnungen darf es allerdings auch ein bisschen mehr sein. Doch ist das dem Mieter noch zumutbar und auch dann noch, wenn sich bereits Schimmel an der Wand zeigt?

Schimmel ist der Alptraum jeden Vermieters – und der geht weiter, wenn es um die Ursachenforschung geht.

Der Schimmel zeigte sich bei einem Mieter aus Konstanz gleich in den gesamten Räumen. Dafür zog er dem Vermieter prompt 20 % von der Miete ab. Der Vermieter ließ daraufhin einen Gutachter kommen.

Der stellte fest: Die Ursache für den Schimmel ist jedenfalls kein Baumangel. Somit war der Vermieter erst einmal fein raus.

Das notwendige Lüftungsverhalten muss dem Mieter auch zumutbar sein 

Nach dem Gutachten war für den Vermieter klar: Der Mieter ist schuld! Würde der richtig lüften und heizen, gäbe es auch keinen Schimmel. Deswegen wollte der Vermieter vom Mieter

  1. die volle Miete,
  2. die Kosten für seinen Anwalt und noch dazu
  3. anteilig die Sachverständigenkosten ersetzt haben.

Doch das Gericht sah es anders (LG Konstanz, Urteil v. 20.12.2012, 61 S 21/12). Das schaute nicht nur darauf, ob der Schimmel überhaupt mit Heizen und Lüften vermieden werden kann, sondern auch, ob das dafür notwendige Heizen und Lüften dem Mieter überhaupt zumutbar ist.

Sie können vom Mieter nur „normales Lüften“ verlangen

Tatsächlich war es so, dass der Schimmel in der Wohnung nicht nur mit einem „normalen“ Lüften hätte vermieden werden können.

Der Gutachter stellte fest, dass die Schimmelgefahr steigen würde, wenn die Raumtemperatur unter 17 Grad fiele.

Der Mieter muss maximal 3-mal am Tag lüften

Deswegen müsste der Mieter aufgrund der Besonderheiten des Mietobjekts 5 bis 6-mal am Tag lüften und zudem permanent eine Raumtemperatur von 18 Grad halten, um eine Schimmelbildung zu vermeiden.

Das wäre jedoch zu viel verlangt vom Mieter. Der Vermieter könne nicht verlangen, dass der Mieter mehr als 3-mal am Tag lüftet. Das sei gerade bei einem berufstätigen Mieter völlig lebensfremd.

Muss der Mieter jedoch in den Räumen mehr als 3-mal täglich lüften, um Schimmel zu vermeiden, stellt das einen Mangel der Mietsache da. Der berechtigt den Mieter zur Mietminderung.

Deswegen blieb der Vermieter auch auf den Anwalts-, Gerichts- und Gutachterkosten sitzen.

 

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Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
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Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
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Stellt sich heraus, dass der Schimmel nur dadurch vermieden werden kann, wenn der Mieter aufgrund der Besonderheiten des Gebäudes übermäßig lüften und heizen muss, stellt das einen Mangel der Mietsache dar, weswegen der Mieter mindern darf.