Freitag, 09.01.2009 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Wasserdichter Freisitz

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Einen besonders hohen Stellenwert für die Wohnqualität haben Balkone, Terrassen und Loggien. Diese Bereiche an der Nahtstelle zwischen dem Innenraum und der Natur stehen auf der Wunschliste der Extras ganz oben. Beim Bau eines Freisitzes muss allerdings sehr sorgfältig gearbeitet werden, sonst kommt es zu folgenschweren Bauschäden.

Bei Freisitzen, die direkt vom Innenraum erreichbar sind, wird grundsätzlich zwischen Balkonen, Loggien und Terrassen unterschieden.

  • Ein Balkon ist ein zwei- oder dreiseitig offener Freisitz, der als selbstständige Konstruktion entweder mit dem Gebäude fest verbunden oder zumindest fixiert ist und der direkt vom Innenraum aus erreichbar ist. Ein Balkon kann teilweise oder ganz überdacht werden.
  • Eine Loggia ist ein einseitig offener Freisitz mit kompletter Überdachung, der als selbstständige Konstruktion entweder mit dem Gebäude fest verbunden oder zumindest fixiert ist und der direkt vom Innenraum aus erreichbar ist.
  • Auch eine Terrasse ist ein zwei- oder dreiseitig offener Freisitz, der allerdings nicht als selbstständige Konstruktion, sondern entweder auf vorhandenen entsprechend statisch dafür ausgelegten Gebäudeteilen (etwa Garagen oder Flachdächern) oder direkt im Außenbereich errichtet wird, und der direkt vom Innenraum aus erreichbar ist. Eine Terrasse kann teilweise oder ganz überdacht werden.

Alle drei Grundtypen haben einige Gemeinsamkeiten:

  • Es sind Freisitze, sie sind also unbeheizt,
  • sie sind mehr oder weniger stark der Witterung und
  • gleichermaßen den Temperaturschwankungen (Frost/Hitze) ausgesetzt.

Alle drei Varianten werden also thermisch hoch beansprucht und müssen entsprechend konstruktiv ausgebildet werden. Für die Planung der Baukonstruktion ergeben sich somit folgende besondere Anforderungen:

  • Konstruktionen und Baustoffe müssen hitze- und frostbeständig sein,
  • Konstruktionen und Baustoffe müssen feuchtigkeitsbeständig sein,
  • anfallendes Niederschlagswasser muss zuverlässig, sicher und zügig abgeleitet werden,
  • die unfallfreie Nutzung durch Verwendung rutschfester Bodenbeläge ist zu gewährleisten.

Aufgrund dieser hohen baulichen Anforderungen sind sowohl die Konstruktion als auch sämtliche Anschlüsse sehr sorgfältig zu planen. In Abhängigkeit von dem konkret gewählten Freisitz ergeben sich folgende Planungsschwerpunkte:

  • Statische Bemessung der Konstruktion einschließlich Lastentragung und Verankerung,
  • detaillierte Planung des Geländers einschließlich Anschlüsse und Statik,
  • detaillierte Planung der Überdachung einschließlich Anschlüsse und Statik,
  • detaillierte Planung des Fußbodenaufbaus einschließlich Abdichtung und Wärmedämmung,
  • detaillierte Planung des Wandanschlusses,
  • detaillierte Planung des Türanschlusses,
  • detaillierte Planung der Entwässerung,
  • detaillierte Planung der Nutzschicht einschließlich detailliertem Verlegeplan.

Diese kurze Auflistung verdeutlicht ganz klar, welch große Sorgfalt bei der Errichtung von Balkon, Loggia oder Terrasse notwendig ist. Besonders kritisch wird es, wenn durch die fehlerhafte Planung oder Bauausführung andere, vorher schadensfreie, Bauteile betroffen sind: Das klassische Beispiel ist die undichte Terrasse auf einem Flachdach.

Die Folgen sind klar: Eindringendes Wasser hinterlässt sehr schnell seine Spuren in den darunter liegenden Räumen und führt zu schweren Bauschäden. Aber auch im Fall eines Balkons mit fehlerhaft ausgebildeten Wand- und Türanschlüssen findet das Wasser ebenso schnell seinen Weg in das Gebäudeinnere wie bei einer Planung und Ausführung ohne Gefälle und entsprechender Entwässerung oder bei mangelhaft ausgeführten Abdichtungen.

Im Falle nicht geplanter Dehnungs-, Bewegungs- und/oder Gleitfugen Gleitfugen wird es zu Materialspannungen und Schäden durch Risse oder Abplatzungen kommen. Die Verwendung von nicht frostsicherem Material, insbesondere bei den Belägen, führt unweigerlich und sehr schnell zu deren Zerstörung.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert

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Bei der Errichtung bewitterter Außenbauteile ist die Wasserableitung fachmännisch zu planen und auszuführen. Dem temperaturbedingten und materialspezifischen Ausdehnen von Materialien ist Rechnung zu tragen und alle eingesetzten Baustoffe müssen frostbeständig sein.

Weitere Informationen zum Thema Freisitz finden Sie in dem Buch "Die häufigsten Baufehler", erschienen im Haufe-Verlag.