Dienstag, 08.01.2008 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Wärmedämmverbundsystem: Auf den Putz kommt es an

Mit dem Wärmedämmverbundsystem bekommen Außenwände eine isolierende Schutzhülle. Der richtige Putz ist Bestandteil des Systems und sorgt dafür, dass das Haus im Sommer wie im Winter gut gedämmt ist.

Das Putzsystem, einschließlich Deckanstrich, muss auf das Dämmsystem abgestimmt sein, denn es ist Bestandteil des gewählten Wärmedämmverbundsystems. Die Stärke des Deckputzes beträgt etwa 2,5 Millimeter und wird nach dem vollflächigen Aufbringen eines Gewebes einschließlich einer Aufbrennsperre konventionell hergestellt.

Art des Putzes auswählen

Aufgrund der geringen Putzstärke können hier nur feinkörnige Putze mit einem Korn von 2,3 Millimetern verwendet werden. Strukturputze finden nur eingeschränkt Verwendung. Die Ausführung sollte vorab am besten mit der beauftragten Firma abgestimmt werden. Außerdem sollte der Bauherr die Anfertigung eines Putzmusters erbitten.

Der Deckanstrich kann inzwischen dank moderner Verfahren in fast jeder Farbnuance gewählt werden. Der Farbintensität im Bereich der dunklen Töne sind jedoch in technischer Hinsicht Grenzen gesetzt, da dunkle, kräftige Farben zu einer höheren Absorption der Sonneneinstrahlung und einer damit verbundenen Ausdehnung der Putzschicht führen. Diese wiederum kann zu Rissen und dem Ablösen der Deckschicht führen. Deshalb, darauf weist auch jeder gute Verputzer hin, können Wandflächen, die der starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, nicht in kräftigen und dunklen Tönen verputzt und gestrichen werden.

Wasserabweisender Putz

Der sogenannte Egalisierungsanstrich, der nicht nur für ein homogenes Erscheinungsbild des eingefärbten Putzes sorgt, hat auch noch eine andere Funktion. Er ist hydrophob, also Wasser abweisend, und reduziert somit die Durchfeuchtung der Wand bei Schlagregen. Er ist aber trotzdem diffusionsoffen und behindert somit weder die Wasserdampfdiffusion noch die Austrocknung.

Das Wasser abweisende hydrophob eingestellte Anstrichsystem, welches in der Regel zweifach aufgetragen wird, ist nicht nur aus optischen Gründen empfehlenswert, sondern verringert zudem die Durchfeuchtung des Putzes. Damit kommt es zu einer wesentlich längeren Standzeit des Deckputzes.

Planung des Wärmeverbundsystems

Bei der Planung des Wärmedämmverbundsystems gibt es inzwischen für fast jeden Anschluss ein entsprechendes Regeldetail, das vom Systemhersteller zur Verfügung gestellt wird. Trotzdem muss der Planer folgende Dinge individuell festlegen:

  • Sockelanschluss einschließlich Gebäudesockel,
  • Fensteranschluss einschließlich Fensterbank, Rollladen und Fensterleibung,
  • Türanschluss einschließlich Schwelle,
  • Balkon- oder Terrassenanschluss,
  • eventuelle Sonderbauteile wie Gesimse, Traufe etc.

Bei der Ausführung des Gebäudesockels sind zwei besondere konstruktive Anforderungen zu beachten: zum einen der Schutz vor der aufsteigenden Feuchte, also Feuchtigkeit aus dem Boden, zum anderen der Spritzwasserschutz. Der Schutz vor der aufsteigenden Feuchte erfolgt im Bereich des Dämmstoffes durch die Verwendung einer Perimeterdämmung, die kein Wasser aufnimmt, und eines speziellen Sockelputzes. Dem Spritzwasser wird am besten durch eine sogenannte Rollkiesschicht vor den Wänden begegnet. Dies verhindert das Zurückspritzen von Wassertropfen auf den Gebäudesockel.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert

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Haben Sie Kinder? Dann sollten Sie auf die zusätzliche Armierung von Außenwandteilen mit Panzergewebe nicht verzichten, an denen die Gefahr mechanischer Belastungen, durch Ball spielende Kinder oder an die Wand geschmissene Fahrräder besteht. Dies ist zwar teurer, verhindert aber die Beschädigung des Wärmedämmverbundsystems. Üblicherweise sollte eine Höhe von maximal 2,3 Metern ausreichend sein.

Weitere Informationen zum Thema Bauüberwachung finden Sie in dem Buch "Die häufigsten Baufehler", erschienen im Haufe-Verlag.