Mittwoch, 03.12.2008 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Von der ersten Skizze bis zum Werkplan

Stichworte zu diesem Thema
Bevor mit dem eigentlichen Bau eines Hauses begonnen werden kann, muss zeichnerisch herausgearbeitet werden, wie das Ganze später einmal aussehen soll. Hierzu bedarf es einer ganzen Reihe von Vorüberlegungen.

Von der ersten groben zeichnerischen Darstellung entwickelt sich das Vorhaben zu etwas Konkretem. Die Vorplanung mündet somit in die Entwurfsplanung, die dann auch als Genehmigungsplanung der zuständigen Behörde vorgelegt werden wird.

Entscheidungsfindungsprozess

Die Grundlagenermittlung ist vor allem ein Entscheidungsfindungprozess im intensiven Dialog zwischen Planer und Bauherr. Mit ihr werden auf Basis einer sorgfältigen Bedarfsanalyse die weiteren Schritte für die Planung festgelegt und die notwendigen Entscheidungen getroffen. Beachtet werden sollte:

  • Die Verantwortung für die sorgfältige, vollständige und gewis-senhafte Bedarfsanalyse trägt der Planer
  • Die Verantwortung für die Entscheidungen trägt der Bauherr stets selbst

Mit zunehmendem Fortschreiten der Planung und deren Realisierung vermindert sich die Möglichkeit der Einflussnahme des Bauherrn auf den Planungsprozess und die bauliche Umsetzung. Strategisch wichtige Entscheidungen müssen also im Vorfeld getroffen werden, denn Planungsfehler potenzieren sich mit dem Baufortschritt und können später nicht oder nur mit hohem Aufwand korrigiert werden.

Vorplanung und Vorentwurf

Aus den Ergebnissen der abgeschlossenen Grundlagenermittlung erarbeitet der Planer wiederum im Dialog mit seinem Bauherren und den eventuell erforderlichen Fachplanern und Sonderfachleuten sowie den Behörden die grundsätzliche genehmigungsfähige Vorplanung, also den Vorentwurf. Das Leistungsziel des Vorentwurfs ist demzufolge wie folgt charakterisiert:

  • Er resultiert aus der Analyse der Grundlagenermittlung,
  • er muss den Vorgaben der Bauherrschaft entsprechen (Beschaf-fenheitsvereinbarung),
  • er muss grundsätzlich genehmigungsfähig sein,
  • er muss alle notwendigen Rand- und Rahmenbedingungen in planungsrechtlicher und technischer Sicht erfüllen,
  • sämtliche bau- und landesrechtlich geforderten Nachweise (Brandschutz, SchallschutzSchallschutz- und Wärmeschutznachweis) müssen erbracht werden und in prüfbarer Form vorliegen,
  • der Standsicherheitsnachweis ist in prüfbarer Form zu erbringen.

Es handelt sich um den Prozess der Konkretisierung der ersten Idee bis zur Architektenzeichnung. Es werden im Rahmen dieser Lösungsfindung oft alternative Lösungsansätze in Form von Ideenskizzen und Variantenuntersuchungen nötig sein. Sollte hierfür bereits ein Planer beauftragt worden sein, gehört das zu den von ihm geschuldeten Leistungen. Alle diese Varianten sollten natürlich grundsätzlich genehmigungsfähig sein und die Vorgaben des Bauherren erfüllen.

Entwurfsplanung

In der weiteren Bearbeitung des Vorentwurfes - der Entwurfsplanung - werden die Ergebnisse weiter ausgearbeitet, vertieft und konkretisiert und nicht zuletzt festgeschrieben. Das heißt:

  • die Entwurfsplanung fußt auf dem bestätigten und freigegebenen Vorentwurf,
  • der Entwurf ist die schlüssige Durcharbeitung des Vorentwurfs,
  • der Entwurf konkretisiert die Planungsziele und schließt somit die wesentlichen Entscheidungsprozesse des Bauherren ab.

Der formaljuristische Akt und Abschluss der Entwurfsplanung besteht in der Erstellung der Genehmigungsplanung, die formal den behördlichen Vorgaben zu entsprechen hat. Inhaltlich ist die Genehmigungsplanung jedoch grundsätzlich nichts anderes als die Fortschreibung des Vorentwurfs.

Ausführungsplanung

Die Ausführungsplanung ist nicht mehr und nicht weniger als die Fortsetzung und Durcharbeitung der abgeschlossenen und genehmigten Entwurfs- und Genehmigungsplanung.

  • Die Entwurfsplanung ist tatsächlich beendet,
  • sämtliche Entscheidungsprozesse für die weitere Planung sind abgeschlossen,
  • alle für die weitere Planung relevanten Weichenstellungen sind erfolgt,
  • es ist Redaktionsschluss, das heißt, es gibt keine Änderungen mehr.

Denn eventuelle nachträglich gewünschte Änderungen

  • kosten Zeit und Geld,
  • können den Entwurf "kippen",
  • führen auf Dauer zu Frustration.

Nicht ohne Werkplanung

Häufig wird geglaubt, man könne auf die Werkplanung verzichten, weil das nur zusätzlich Geld kostet. Auch viele Unternehmer werden das bestätigen, denn sie wollen sich natürlich nicht gerne den größtmöglichen Handlungsspielraum zur Gewinnoptimierung nehmen lassen. Auch wenn der Verhandlungspartner den Bauherrn in langen Diskussionen vom Gegenteil überzeugen möchte, sollte er nicht von seinem Plan abrücken, auf eine vollständige und lückenlose Werkplanung zu bestehen.

Für die Errichtung eines Gebäudes ist, wenn man kein Risiko eingehen will, eine vollständige und vor allem fehlerfreie Planung unabdingbar. Denn der Unternehmer muss wissen, woraus Wände, Decken, Bodenplatte und Fußbodenaufbauten bestehen, welche Konstruktionsstärken und Materialien verwendet werden müssen, wie die Details auszuführen sind, wo genau welche Fenster und Türen eingebaut werden sollen, wie Küchen und Bäder auszustatten sind und so weiter und so fort.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert

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Bei einer reinen Holzbauweise müssen alle Anschlüsse in Bezug auf die Konstruktion, den Schall-, Brand- und Wärmeschutz und die Luftdichtigkeit sorgfältig im Detail geplant werden. Das wird kein Mensch ernsthaft dem Zufall respektive irgendeinem Unternehmer überlassen, was im Zweifel auf das Gleiche hinauslaufen würde. Bedenken Sie immer, es ist schließlich Ihr Haus, um das es in diesem Fall geht und in dem Sie schließlich einmal zufrieden wohnen möchten.

Weitere Informationen zum Thema Vorplanung beim Hausbau erhalten Sie im Buch "Die häufigsten Baufehler", erschienen im Haufe-Verlag.