Montag, 22.06.2009 | Autor: Bernhard Metzger/mb

Schutzschirm fürs Eigenheim

Nicht nur der Haus- und Wohnungseigentümer, sondern auch der Grundbesitzer und Bauherr sollte Versicherungen abschließen, die ihn gegen böse finanzielle Überraschungen absichern.

Gefahr droht dem Eigenheim immer wieder. Damit der Schaden den Eigentümer nicht ruiniert, sollten er ein vernünftiges Versicherungspaket seinem Bedarf anpassen.

Grundstücks-Haftpflicht-Versicherung

Die Grundstücks-Haftpflicht-Versicherung deckt Risiken, für welche der Bauherr aufkommen muss, wenn bei Unfällen auf dem unbebauten Grundstück andere zu Schaden kommen. Dadurch anfallende Schadensersatzforderungen an den Grundstückseigentümer können so hoch werden, dass dieser unter Umständen sein Bauvorhaben nicht mehr realisieren kann.

Der Abschluss dieser Versicherung ist für Grundstückseigentümer ratsam, wenn das Grundstück eine Weile brach liegt und mit dem Bauen erst später begonnen wird. Der Versicherungsschutz erlischt in dem Moment, in dem der erste Handwerker mit seinen Leistungen begonnen hat und somit aus dem Grundstück eine Baustelle wird. Für die Sicherheit der Baustelle haftet der Bauherr vom ersten Spatenstich bis zum letzten Handgriff.

Bauherren-Haftpflicht-Versicherung

Die Bauherren-Haftpflicht-Versicherung deckt unvorhergesehene Schäden, welche während der Bauzeit auftreten können. Ungesicherte Deckendurchbrüche, unzureichende Absperrungen, schlechte Beschilderungen etc. können zu enormen Schadensersatzforderungen führen. Die Bauherren-Haftpflicht-Versicherung gilt während der gesamten Bauzeit, jedoch maximal bis zu zwei Jahre. Die Versicherungsprämie beträgt etwa 0,4 - 0,8 Prozent der Bausumme. Eine längerfristige Versicherungsdauer kann mit Prämienzuschlag vereinbart werden.

Bauleistungs-Versicherung

Mit der Bauleistungs-Versicherung werden Sachschäden aufgrund unvorhergesehener Beschädigung und Zerstörung der Neubauleistung versichert, wofür der Bauherr während der Bauausführung die Gefahr trägt. Schäden durch höhere Gewalt und Elementarereignisse, Ungeschicklichkeit und Fahrlässigkeit bekannter und Böswilligkeit unbekannter Personen, ungewöhnliche und außergewöhnliche Witterungsverhältnisse (Sturm, Hagel, Frost) werden dabei reguliert.

Zudem sind Folgeschäden an richtig hergestellten Bauteilen infolge von Leistungsmängeln, Konstruktions- oder Materialfehlern, versichert.

Versicherungsbeitrag auf die Handwerker umlegen

Durch die Mitversicherung der Unternehmerrisiken kann der Versicherungsbeitrag anteilig, zum Beispiel 0,3 Prozent nach der Auftragssumme durch den Architekten, auf die Handwerker umgelegt werden, wenn in dem Bauauftrag der Abschluss einer Bauleistungsversicherung vereinbart wurde. Das Glasbruchrisiko ist in der Bauleistungsversicherung bis zum Bauende eingeschlossen.

Die Bauleistungs-Versicherung gilt für die gesamte Bauzeit, maximal bis zu zwei Jahren. Die Versicherungsprämie richtet sich nach der Höhe der Selbstbeteiligung und beläuft sich auf etwa 1,6 bis 3,0 Prozent der Bausumme. Eine längerfristige Versicherungsdauer kann, wie bei der Bauherrn-Haftpflicht-Versicherung, nach Prämienzuschlag vereinbart werden.

Unfall-Versicherung

Werden durch Eigenleistungen Familienangehörige, Freunde oder Nachbarn beim Bauen mitbeschäftigt, ist eine Unfall-Versicherung unbedingt notwendig, da die Unfallgefahr hier besonders groß ist. Es ist daher Pflicht, alle freiwilligen Helfer bei der Bau-Berufsgenossenschaft anzumelden. Die Leistung der Bau-Berufsgenossenschaft wird nach dem letzten Jahreseinkommen bemessen, allerdings nur bis zu einem Limit von 61.000 Euro brutto.

Für Helfer, die dieses Jahrseinkommen überschreiten, sollte deshalb zusätzlich eine private Unfall-Versicherung abgeschlossen werden, wobei die Höhe der Unfall-Leistungen individuell festgelegt werden kann.

Gebäude-Brand-Versicherung

Die Gebäude-Brand-Versicherung schützt gegen Schäden durch Brand, Blitzschlag, Explosion am entstehenden Haus und an den Baustoffen auf dem Baugrundstück. Kreditgeber machen in der Regel eine Brandversicherung zur Auflage. Die Brandversicherung schließt auch Folgeschäden durch Rauch, Ruß und Löschen ein. Darüber hinaus werden auch Aufräumungs- und Abbruchkosten sowie Mieteinnahmeverluste bei Wohngebäuden erstattet.

Privat-Haftpflicht-Versicherung

Besitzer von Einfamilienhäusern oder Eigentumswohnungen, welche das Objekt selbst beziehen, sollten nach Fertigstellung des Bauvorhabens eine zusätzliche Haftpflichtversicherung abschließen, die neben den Haftungsrisiken des täglichen Lebens auch die gesetzliche Haftpflicht als Haus- bzw. Wohnungseigentümer mit einschließt.

Verbundene Wohngebäude-Versicherung

Ist das Gebäude fertig gestellt, ist neben der reinen Feuerversicherung noch Versicherungsschutz für Leitungswasser, Sturm und Hagel bedeutungsvoll. Diese Risiken werden über eine Verbundene Wohngebäude-Versicherung abgesichert.

Hier sind unter anderem Schäden durch bestimmungswidrig austretendes Leitungswasser (z. B. durch Undichtwerden der Leitungsrohre oder Zerreißen der Verbindungsstücke), auch aus den mit dem Rohrsystem verbundenen sonstigen Einrichtungen der Warmwasserversorgung, Schäden durch Überlaufen (z. B. aus der Badewanne oder Waschbecken) versichert. Das gilt übrigens auch für Schäden, die durch Frosteinwirkungen an Leitungswasser führenden Einrichtungen entstehen.

Durch das versicherte Sturmrisiko (ab Windstärke 8) werden auch Schäden durch eindringendes Regenwasser, Glasbruch oder Schäden am Dach abgedeckt sowie Schäden, welche am Gebäude durch umherfliegende Gegenstände entstehen.

Haus- und Grundbesitzer-Haftpflicht-Versicherung

Handelt es sich um ein vermietetes Haus (Ein- oder Mehrfamilienhaus) oder Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung (mehr als drei Wohnräume), ist eine Haus- und Grundbesitzer-Haft-pflicht-Versicherung erforderlich. Der Besitzer des Hauses ist gesetzlich zum Schadensersatz verpflichtet, wenn zum Beispiel andere Personen Schäden durch sein Verschulden erleiden, wie etwadurch Glatteis, mangelhafte Beleuchtung, herabfallende Ziegel oder ähnliches. Wohnt der Eigentümer selbst in seinem Eigenheim, reicht seine Privathaftpflicht aus.

Gewässerschaden-Haftpflicht-Versicherung

Die Gewässerschaden-Haftpflicht-Versicherung ist für alle Gebäude ratsam, die mit Öl beheizt werden. Bei einem Schaden haftet der Inhaber eines Öltanks wegen der besonderen Gefährlichkeit vor allem für das Grundwasser auch ohne Verschulden und der Höhe nach unbegrenzt.

Ein Liter Heizöl verunreinigt eine Million Liter Wasser. Sanierungsmaßnahmen wie Ausbaggern, Abtransport und Entsorgung des verseuchten Bodens sowie Schäden, welche sich auf ölverseuchte unbewegliche Objekte (Mauerwerk) erstrecken, werden von der Versicherung gedeckt, gleichgültig ob der Besitzer zum Auslaufen oder Überlaufen eines Öltanks beigetragen hat oder nicht.

Hausrat- und Glasbruch-Versicherung

Die Hausratversicherung ersetzt beschädigte, zerstörte oder entwendete Gegenstände, die zur Einrichtung gehören, oder im Haushalt ge- und verbraucht werden.

Der Schaden kann durch Feuer, Blitzschlag, Explosion, Leitungswasser oder Sturm und Hagel entstanden sein, oder als Folge eines Einbruchdiebstahls. Damit die Versicherungssumme auch ausreichend hoch angesetzt wird, gilt als Faustregel je Quadratmeter Wohnfläche eine Versicherungssumme von mindestens 600 Euro, bei mittlerer Ausstattung etwa 700 Euro und bei gehobener Ausstattung rund 800 Euro zugrunde zu legen. Teure Wertsachen können über Zusatzprämien abgedeckt werden.

Rechtsschutz-Versicherung

Wer selbst geschädigt ist und einen eigenen Schadensersatzanspruch geltend machen will, ist durch eine Rechtsschutz-Versicherung gegen das Kostenrisiko geschützt. Jedoch ist nicht jede Streitigkeit rechtsschutzversichert. Streitigkeiten aus Planung, Errichtung, Bau eines Hauses oder Klagen gegenüber den am Bau beteiligten Unternehmen sind in der Regel nicht versichert.

Versichert sind beispielsweise der Kauf einer Immobilie von einem Bauträger oder Streitigkeiten aus Verträgen mit Immobilienmaklern, sofern das Kaufobjekt im privaten Bereich gekauft wird. Da den Versicherungen das Risiko im Baugewerbe zu hoch erscheint, sind zwar Kaufverträge mitberücksichtigt, jedoch keine Werkverträge. Beim Neuabschluss einer Rechtsschutz-Versicherung gilt meist eine dreimonatige Wartezeit. Die Rechtsschutz-Versicherung trägt etwaige Anwalts- und Verfahrenskosten.


meineimmobilie.de-Tipp:

Vor der Wahl einer konkreten Versicherung sollten Sie sich umfassend über Preise und Konditionen informieren. Vertrauen Sie da nicht einem Versicherungsvertreter, sondern informieren Sie sich unabhängig beispielsweise mit Hilfe der Stiftung Warentest und den Verbraucherschutzzentralen. Ohne Vergleich zahlen Sie möglicherweise zu viel Geld für eine schlechte Absicherung.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.

Es schreibt für Sie

Dipl.-Ing. (FH) Bernhard Metzger ist freier Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, Mitglied im LVS, BGDS und BBauSV und Autor einschlägiger Fachliteratur.
Bernhard Metzger