Montag, 31.10.2011 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Mangelhafte Bauüberwachung

Stichworte zu diesem Thema
Viele Mängel beim Hausbau entstehen in der Regel durch eine mangelhafte Bauüberwachung oder Bauleitung. Das heißt aber auch, dass sie durch eine kompetente Bauüberwachung vermeidbar sind.

Häufigste Ursache der Probleme ist ein "materialisiertes Wunschdenken" im negativen Sinne. Gemeint sind damit Bau- und Prozess-abläufe, die zwar technisch und technologisch nicht machbar sind, aber von den Verantwortlichen - und das sind oft Planer und Bauherr - wider besseres Wissen mit aller Macht aus den unterschiedlichsten Gründen realisiert werden sollen. Betroffen sind meist bauphysikalische und chemische Prozesse oder technische und technologische Abläufe. Hier werden dann Fachkenntnisse und Erfahrungen auf unprofessionelle Weise durch Glauben und Wunschdenken ersetzt.

Unprofessionelle Arbeit

So sollte beispielsweise bei starkem Frost nicht mit dem Mauern der Außenwände begonnen oder etwa bei strömendem Regen ohne Schutzdach der Dachstuhl aufgestellt werden. Zudem ist der Bauherr gut beraten, nicht im Winter zu bauen, zumal der Winterbau erhebliche zusätzliche Kosten und Risiken für Planung und Baudurchführung nach sich zieht.

Es gibt einige wesentliche und schwer wiegende Planungsverstöße, deren Fehler und Versäumnisse Mängel an verschiedenen Bauteilen hervorrufen. Dies muss aber nicht in jedem Fall zugleich ein optisch sichtbarer Bauschaden sein. Im technischen und rechtlichen Zusammenhang führt dies in der Regel zu gravierenden und nur mit erheblichem Aufwand behebbaren Mängeln. Sie entstehen meist durch die fehlende oder fehlerhafte Berücksichtigung gesetzlicher Anforderungen.

Bauteilübergreifende Mängel

Dazu gehören schwerpunktmäßig folgende, vom Gesetzgeber oft mit unterschiedlichen Durchführungsverordnungen präzisierte Bestimmungen:

  • Das Maß der baulichen Nutzung sowie die Abstandsflächen,
  • die Energieeinsparverordnung / DIN 4108 (EnEV),
  • die Schallschutznorm gemäß DIN 4109 (Mindestschallschutz),
  • die Anforderungen an den baulichen Brandschutz.

Diese Vorschriften gelten auch für die Planung und den Bau von Einfamilienhäusern. Die Größe des Vorhabens ist hierbei nicht relevant. Unabhängig von den damit verbundenen Schäden wie zum Beispiel erhöhten Heizkosten, unzureichendem Schallschutz der Wohnräume etc. führen diese Versäumnisse zu Bauwerken, die weder genehmigungsfähig sind noch abgenommen werden dürfen. Leider bleiben diese Mängel in der Praxis sehr oft unerkannt, da sich die umfangreiche Prüfpflicht der Bauämter auf größere Vorhaben reduziert. Einfamilienhäuser gehören in der Regel zu den kleineren, genehmigungsfreien Vorhaben, für die meist eine formale Anzeige genügt.

Vollständige Genehmigungsunterlagen

Die kompletten Genehmigungsunterlagen einschließlich aller damit zusammenhängender Nachweise müssen vollständig sein und in prüffähiger Form spätestens im Zuge der Erarbeitung der Genehmigungsunterlagen vorliegen. Hierzu gehören selbstverständlich auch der Statik-, Brand- und Wärmeschutznachweis. Auf Verlangen müssen diese der prüfenden Behörde vorgelegt werden.

Das bedeutet ein wesentlich höheres Maß an Eigenverantwortlichkeit für die Planer und erfordert umfassendes Fachwissen und fundierte Kenntnisse des jeweiligen Landesbaurechts. Die volle Verantwortung liegt auch hier in der Hand des Planers, der im Schadensfall haftet.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert

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Die Befreiungsregeln führen nicht zu neuen Freiheiten und Kostenersparnissen, sondern zu einem höheren Maß an Eigenverantwortung, da der prüfende Blick der Baubehörde entfällt. Nennenswerte Einsparungen für den Bauherren sind jedoch nicht die Folge, da die Genehmigungsplanung so oder so vollständig erbracht werden muss.