Montag, 05.12.2016 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © Bernd Leitner - Fotolia.com

Hausbau: Bei 42 Prozent gibt´s Stress am Bau

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Worum geht´s
  • Bauträger
  • Baustreitigkeiten
  • Schadenssummen
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Ein altes Sprichtwort sagt: "Ein Hausbau dauert mindestens so lange, wie eine Schwangerschaft". Und mindestens genauso sprichwörtlich ist der Ärger, den so ein Hausbau mit sich bringen kann. Dabei geht es nicht um "Peanuts": Rund 26.000 Euro beträgt laut einer aktuellen Studie die durchschnittliche Streitsumme in solchen Fällen.

Der Bauherren-Schutzbund (BSB) und das Institut für Bauforschung e.V. Hannover (IfB) haben einmal nachgezählt, was Baustreitigkeiten angeht: Sie kamen auf insgesamt 1.344 abgeschlossene, baurechtliche Mandate mit Verbrauchern. Das ergab ihre Studie über Baustreitigkeiten aus den Jahren 2014 und 2015.

Baustreitigkeiten: Ärger gibt´s vor allem mit Bauträgern

Der sprichwörtliche Ärger am Bau schlägt sich auch hier in Zahlen nieder: In 42 Prozent der Fälle, so der BSB, kam es demnach zu Streitigkeiten mit dem Bauträger. Dabei dominiert das Bauträger-Modell, bei dem der Bauherr formalrechtlich betrachtet nur Käufer des Hauses ist, also auf der Baustelle nichts zu sagen hat, die "Baustreitigkeits-Hitliste" in Deutschland.

Dabei übernehmen Generalunternehmer alle oder Teile der Bauleistung selbst bzw. Generalübernehmer vergeben alle Bauleistungen an Nachunternehmen.

In 30 Prozent der Fälle waren sie Streitgegner. Dagegen gab es nur in 18 Prozent der Fälle Streitigkeiten mit dem Architekten – der wiederum im Auftrage des Bauherren tätig wird, und somit die Gesamtverantwortung für den Hausbau beim Verbraucher verbleibt.

Ein Rechtsstreit kostet Sie nicht nur Geld, sondern auch Zeit

Und auch die Summen, um die gestritten wird, sind gewaltig: Durchschnittlich beträgt der Streitwert 26.000 Euro. Die durchschnittlichen außergerichtlichen Rechtsverfolgungskosten betragen 1.300 Euro. Geht´s vor Gericht, liegen die Rechtsverfolgungskosten durchschnittlich bei 5.700 Euro und die durchschnittlichen Kosten für die Gutachtenerstellung bei 3.800 Euro.

Noch teurer wird ein selbstständiges Beweisverfahren: Dafür können Sie 9.300 Euro veranschlagen. „Baurechtsstreite stellen ein erhebliches Kostenrisiko für Verbraucher dar“, fasst so auch Florian Becker, Geschäftsführer des BSB, in der Pressemitteilung zusammen: „Neben den Verfahrenskosten kommt zudem noch der Faktor Zeit hinzu, da Baurechtsstreitigkeiten in der Regel sehr lange dauern.“ Und Zeit bedeutet ja bekanntlich auch am Ende Geld.

Streit mit Bauträgern nehmen immer mehr zu

In den letzten Jahren haben die Streitigkeiten mit Bauträgern und Generalunternehmern bzw. Generalübernehmern deutlich zugenommen“, skizziert Becker. „Hier spiegelt sich die Marktsituation wider. Mehr und mehr private Bauherren erwerben ihr Eigenheim von einem Bauträger.

Dieser bietet nämlich gleich noch ein Grundstück mit an, das gerade in Ballungsregionen zur Mangelware wird. Die Studienergebnisse seien auch ein Beleg dafür, dass private Bauherren bisher unzureichend geschützt seien: „Deshalb begrüßt der BSB den Gesetzentwurf für ein neues Verbraucherbauvertragsrecht. Allerdings muss das Gesetzgebungsverfahren jetzt zum Abschluss gebracht werden und darf nicht noch länger auf sich warten lassen“, so Becker weiter.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
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Es ist einfach so: Einen Hausbau macht man nicht alle Tage und deshalb sollten Sie sich hier von kompetenten Experten beraten lassen. Denn private Bauherren sind fast immer Laien und können deshalb zum Beispiel die Qualität am Bau gar nicht richtig beurteilen.

 

Das Problem beim Bauträgermodell: Sie haben hier nur wenig Handhabe, denn Sie sind vertraglich nur der Käufer des schlüsselfertigen Hauses. Sie sollten sich hier dann auf jeden Fall kompetent unabhängig begleiten lassen – und zwar schon vor der Vertragsunterschrift.