Montag, 10.10.2011 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Fehler in der Ausführungsplanung

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Stichworte zu diesem Thema
Auch wenn der Hausbau und die vorangehende Planungsphase nie völlig fehlerfrei ablaufen - einige Fehler in der Ausführungsplanung könnten dennoch vermieden werden.

Trotz aller guter Vorsätze und einer gewissenhaften Erfüllung aller Auflagen aus der Baugenehmigung oder der vorliegenden förmlichen Zustimmung, birgt die Ausführungsplanung (Werkplanung) ein nicht unerhebliches Fehlerpotenzial. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Planer verlieben sich oft in ihr Werk und wollen etwas "noch nie Dagewesenes" schaffen.
  • Bauherren haben Wünsche und Vorstellungen, die nicht umsetzbar sind, und der Planer stellt trotzdem den untauglichen Versuch der Realisierung an.
  • Es existiert eine kaum mehr überschaubare Menge an Baustoffen und Konstruktionen.
  • Es existiert eine kaum überschaubare Flut von gesetzlichen Vorschriften und Normen.
  • Es werden in der Praxis noch nicht erprobte Lösungen kreiert, die dann nicht funktionieren.
  • Die anerkannten Regeln der Technik werden missachtet.

Fehler in der Ausführungsplanung vermeiden

Ein Patentrezept, um zu vermeiden, dass sich in die Ausführungsplanung Fehler einschleichen, gibt es nicht. Bauherren sollten deshalb die wesentlichen Rahmenbedingungen für die Planung genau abstecken. Die Umsetzung in die Werkplanung ist dagegen wieder Sache des Architekten oder des Fachplaners.

Eine Ausführungsplanung, die vollständig und fehlerfrei ist, wird es ebenso wenig geben wie einen Bau gänzlich frei von Mängeln. Die konkreten Ursachen unterscheiden sich von Fall zu Fall und müssen konkret aus dem Planungszusammenhang und den jeweiligen Rahmenbedingungen hergeleitet werden. Deshalb an dieser Stelle zusammenfassend die häufigsten Ausführungsfehler:

  • Versäumnisse bei der Berücksichtigung der Erfüllung der Aufgabenstellung des Bauherrn (Beschaffenheitsvereinbarungen).
  • Unvollständige beziehungsweise fehlerhafte Ausführungsplanung in Bezug auf Konstruktionszeichnungen (Maßstab 1:50).
  • Unvollständige beziehungsweise fehlerhafte Ausführungsplanung in Bezug auf Details (Konstruktions-, Regel- und Leitdetails).
  • Fehlende Integrierung der Beiträge fachlich Beteiligter (zum Beispiel Haustechnik).
  • Fehlende Beachtung und Berücksichtigung der Beiträge fachlich Beteiligter (zum Beispiel Baugrund, Tragwerksplanung, Brandschutz).
  • Fehlende Koordinierung der Beiträge fachlich Beteiligter (zum Beispiel Schlitz- und Durchbruchplanung).
  • Fehlende Optimierung der eigenen Planung.
  • Widersprüchliche Angaben innerhalb der eigenen Planung.
  • Fehlerhafte, widersprüchliche oder unvollständige Angaben an fachlich Beteiligte.
  • Ungenehmigte Abweichungen von der genehmigten Entwurfsplanung.
  • Keine Fortschreibung der Planung während der Ausführung.

Fehlerhafte Ausschreibung

Die Auflistung möglicher Ausschreibungs- und Vergabefehler ist ebenso speziell und spezifisch wie die der Ausführungsfehler. Jedoch gibt es auch hier häufige Kardinalfehler:

  • Zu ungenaue, unkonkrete und unzureichende Leistungsbeschrei-bungen.
  • Unvollständige und zu ungenaue oder fehlerhafte Leistungsverzeichnisse.
  • Fehlerhafte Mengenermittlungen.
  • Fehlerhafte oder fehlende Integrierung der Beiträge fachlich Beteiligter.
  • Fehlerhafte oder lückenhafte Abstimmung mit den Leistungsbeschreibungen fachlich Beteiligter.
  • Keine gewerkeweise Ausschreibung.
  • Ungenügende, unvollständige oder fehlerhafte Planung.
  • Missachtung der anerkannten Regeln der Technik.
  • Missachtung technologischer Abläufe beziehungsweise Verarbeitungsrichtlinien, technologischer Abläufe beziehungsweise Herstellervorgaben etc.
  • Missachtung der Vorgaben der VOB/B und der VOB/C.

Für einen fach- und sachgerechten Bauablauf ist eine gewerkeweise Ausschreibung Voraussetzung. So haben Bauherr und Bauüberwacher einen guten Überblick und können erforderlichenfalls eingreifen. Unklarheiten, Ungenauigkeiten, Fehler und Widersprüche, die für die Ausführungsfirma immer ein Kalkulationsrisiko sind, fangen die Firmen üblicherweise mit Risikozuschlägen auf.

Fehler machen sich früh bemerkbar

Spätestens bei der Ausschreibung machen sich Fehler aus der Planungsphase für den Bauherren zum ersten Mal bemerkbar: Der Schaden tritt nicht erst bei der Realisierung im Bauwerk, sondern zunächst schon in Form höherer Angebotspreise ein. Dem Ausschreibenden insoweit einen Fehler nachzuweisen, dürfte meist sehr schwierig sein.

Kommentare (1)

14.10.2011, 10:50 Uhr von nightharvest Profil ansehen
Ungenauere, nichts-sagende und unkonkretere Hinweise kann man nicht geben. :thumbsdown: :sad:

Es schreibt für Sie

Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert

 meineimmobilie.de-Tipp


Wenn Sie sicher gehen wollen, dass Ihr Haus so gebaut ist, wie es in den Plänen festgelegt wurde, sollten Sie einen Baubegleiter beauftragen. Im Vergleich zur Gesamtinvestition bei einem Hausbau sind die Ausgaben für einen unabhängigen Sachverständigen, der den Bau überwacht, recht gering. Wenden Sie sich an einen Bauherrenverein oder an eine Verbraucherzentrale.