Donnerstag, 22.01.2009 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Decken ohne Mängel

Die Planung der Deckenkonstruktion ist ein wichtiger Teil der Vorarbeit beim Hausbau. Die Anforderungen an Statik, Schall- und Feuerschutz müssen genau eingehalten werden, da es sonst zu schweren Baumängeln kommen kann.

Die Frage nach der besten oder richtigen Deckenkonstruktion ist oft eine Frage der subjektiven Entscheidung des Bauherrn, denn viele Deckenarten sind gleichermaßen geeignet. Beachtet werden muss allerdings immer, dass die gewählte Deckenart zum gewählten Tragwerk passt und ein harmonisches Ganzes in Bezug auf Konstruktionen und eingesetzte Baustoffe sowie die Materialien des Baukörpers insgesamt ergibt.

Anforderungen an Deckenkonstruktionen

Die Anforderungen für alle Deckensysteme lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Das Deckensystem muss den statischen Anforderungen in Bezug auf Spannweite, Eigen- und Verkehrslast genügen und darf sich nur in einem geringen zulässigen Rahmen durchbiegen.
  • Das Deckensystem muss für die geplante Nutzung geeignet sein und darf bei normaler Nutzung nicht "schwingen".
  • Das Deckensystem muss den bauaufsichtlich geforderten Feuerwiderstand als Gesamtsystem haben.
  • Das Deckensystem muss den bauaufsichtlich geforderten Mindestschallschutz als Gesamtsystem haben.
  • Decken- und Wandauflager sind im Detail in Abstimmung zwischen Statiker und Architekt zu planen, in der Regel müssen sie gleitend ausgebildet werden.

Ein massives Gebäude mit Stahlbetonwänden oder Vollziegelmauerwerk sollte auch Massivdecken aus Stahlbeton oder Montagedecken mit Aufbeton haben. Ein Holzfachwerkgebäude dagegen ist mit Holzbalkendecken oder Brettstapeldecken besser bedient. Hier geht es wieder um die richtige Kombination von Konstruktionseigenschaft und Material.

Geprüfte Deckensysteme

Auch bei Decken, die natürlich vom Tragwerksplaner berechnet und dimensioniert werden müssen, gilt das Gleiche, wie bei allen Bauteilen: Sie sollten ausschließlich bauaufsichtlich geprüfte und zugelassene Deckensysteme verwenden. Es handelt sich auch hier wieder um Typenzulassungen mit zugesicherten Eigenschaften in Bezug auf die zulässige Verkehrslast (Belastung in Abhängigkeit von der Spannweite), den realisierbaren Schalldämmwert, den Feuerwiderstand, die Möglichkeit der Größe und Abstände von Aussparungen, der Ausbildung der Deckenauflager und so fort.

Werden die obigen Vorgaben nicht beachtet, können folgende Mängel entstehen:

  • Das Deckensystem erfüllt die statischen Anforderungen nicht, die Tragfähigkeit ist unzureichend, biegt sich durch oder schwingt und kann deshalb nicht genutzt werden; dieser Mangel kann nur mit erheblichem Aufwand nachgebessert werden.
  • Der erforderliche Feuerwiderstand wird nicht erfüllt (kann meist nachgebessert werden).
  • Der erforderliche Mindestschallschutz wird nicht erfüllt (kann meist nachgebessert werden).
  • Die Deckenauflager wurden fehlerhaft ausgebildet (dieser Mangel kann - wenn überhaupt - nur mit erheblichem Aufwand nachgebessert werden).

Weitere Informationen zum Thema Decken finden Sie in dem Buch "Die häufigsten Baufehler", erschienen im Haufe-Verlag.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert