Donnerstag, 21.07.2011 | Autor: mb

Bauvertrag: Unabhängige Überprüfung

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News: Die meisten Träume vom eigenen Haus werden mittlerweile von Bauträgern und Generalunternehmern verwirklicht. Doch schlüsselfertig bedeutet nicht unbedingt vollständig. Wichtig ist deshalb, dass der Auftraggeber die im Bauvertrag beschriebenen Leistungen überprüfen lässt. Nur so kann er teure Extra-Aufträge vermeiden.

Die schlüsselfertige Bauweise durch einen Bauträger oder Generalunternehmer ist sehr beliebt: Nach Angaben des Verbands Privater Bauherren (VPB) werden rund drei Viertel aller Einfamilienhäuser so gebaut. Viele Käufer entscheiden sich vor allem deshalb für diesen Bauvertrag, weil sie sich vor überzogenen Budgets und zu langen Bauzeiten fürchten. Doch der Bauherrenverband hat auch mit den Verträgen für Schlüsselfertigimmobilien schlechte Erfahrungen gemacht: zwei Drittel dieser Bauverträge enthielten eklatante Mängel, so der VPB in einer Pressemitteilung.

Bauvertrag auch für Schlüsselfertigimmobilien wichtig

Mit dem Bauvertrag wird der Rahmen für das Bauvorhaben abgesteckt: Nur die Leistungen, die dort aufgelistet werden, muss der Unternehmer dem Käufer erbringen. Und das, was nicht im Vertrag steht, wird nicht erbracht oder kostet extra. Deshalb sollten Käufer die Verträge von Bauträgern oder Generalunternehmern immer von unabhängiger Seite überprüfen lassen, bevor sie unterschreiben, rät der VPB. Nach Angaben des Verbands sind rund 65 Prozent aller Bauverträge unvollständig. Wichtige Leistungen, auf die der Käufer nicht verzichten kann, müssen zusätzlich bezahlt werden. Im Schnitt schlagen diese Extras mit 25.000 Euro zu Buche, so der VPB.

Um Käufer zu locken, werben Anbieter von Schlüsselfertigimmobilien häufig mit Festpreisen. Doch wer den Bauvertrag genauer liest, stellt dann fest, dass wichtige Punkte, die eigentlich zum Bau eines bezugsfertigen Hauses gehören, nicht enthalten sind. Laut VPB fehlen häufig beispielsweise Vermessungsarbeiten, das Bodengutachten, der Aushub, die Anschlüsse und die Erschließungskosten. Doch rein rechtlich sind die Anbieter auf der sicheren Seite, denn die Bauverträge unterliegen der so genannten Vertragsgestaltungsfreiheit. Das heißt, dass beide Seiten die Verträge nach eigenen Vorstellungen formulieren und alle möglichen Details vereinbaren können.

Vertrag vor dem Unterzeichnen überprüfen lassen

Käufer, die also den vorgelegten Vertragsentwurf nicht richtig durchlesen und von unabhängiger Seite überprüfen lassen, schließen in vielen Fällen einen Vertrag zu ihren Ungunsten ab. Manche Käufer glauben gar, dass der Notar ihre Interessen vertritt und nicht zulassen würde, dass ein Vertrag unterzeichnet wird, der sie benachteiligt. Doch das sei ein schwerwiegender Irrtum, warnt der VPB. Denn der Notar überprüft lediglich die Rechtmäßigkeit des Vertrags. Für Käufer von Schlüsselfertigimmobilien sei es deshalb ratsam, einen unabhängigen Experten hinzuzuziehen, der darauf achtet, dass der Kaufvertrag alle wichtigen Punkte enthält und keine teuren Nachzahlungen geleistet werden müssen. Nach Angaben des VPB kostet die Überprüfung eines Bauvertrags etwa 500 Euro und sei damit wesentlich günstiger als die wichtigen Extras, die so häufig in Bauverträgen fehlen.

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Beachten Sie bei Ihrer Finanzierungsplanung, dass "schlüsselfertig" oder "bezugsfertig" in der Regel noch weitere Kosten nach sich zieht. Denn dabei sind zum Beispiel die Außenanlagen - vom Gartenzaun bis zum Blumenbeet - normalerweise nicht enthalten.