Montag, 10.12.2012 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Bauverträge weisen Mängel auf

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Worum geht´s
  • Vorsicht vor mangelhaften Bauverträgen
  • Verbraucherschutz in Bauverträgen muss optimiert werden
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Siebenundneunzig Prozent aller Bauverträge, die private Bauherren mit Generalunternehmern oder Bauträgern abschließen, weisen Mängel auf. Der Verbraucherschutz muss hier dringend optimiert werden.

Der Verbraucherschutz in Bauverträgen für private Bauherren weist erhebliche Lücken auf. Dies belegt die aktuelle Studie "Schlüsselfertig Bauen – Die Bauverträge mit privaten Bauherren in der Praxis" vom Institut Privater Bauherrn. Der Verband Privater Bauherren (VPB) fordert die zuständigen Ministerien auf, endlich aktiv zu werden, schließlich sind private Bauherren die wichtigsten Auftraggeber der mittelständischen Bauwirtschaft.

Das Ergebnis der Studie zu Bauverträgen

Für die Studie untersuchten die Autoren und Berliner Rechtsanwälte Stefan Bentrop und Ingmar Benger 117 Standardverträge, die in den Jahren 2003 bis 2012 von Generalunternehmern und Bauträgern Kunden vorgelegt wurden. Ihr Ergebnis: Gerade das Argument der Kostensicherheit, mit dem Bauträger und Generalunternehmer um Bauherren werben, trägt nicht. Im Gegenteil: "Unerwartete Zusatzausgaben aufgrund unvollständiger Leistungsbeschreibungen sind üblich", erläutert Thomas Penningh, Präsident des Verbands Privater Bauherren (VPB). Oft genug seien wesentliche Dinge, wie etwa Erdaushub oder Hausanschlüsse gar nicht Vertragsbestandteil. Diese für ein bewohnbares Haus aber unverzichtbaren Leistungen müssten zusätzlich aufgebracht werden und belaufen sich schnell auf 50.000 Euro und mehr, so der VPB-Präsident.

Mängel und Unsicherheiten in Bauverträgen

Die Mängel und Unsicherheit beim Leistungsumfang werden laut Studie durch Änderungsvorbehalte verschärft, die immerhin in 76 Prozent aller Verträge enthalten waren und dem Unternehmen einseitige Änderungen am Leistungsumfang erlaubten. Bei 60 Prozent der Verträge galt außerdem der vereinbarte Festpreis nur für eine bestimmte Frist und konnte anschließend verändert werden. Selbst wenn Preisanpassungsklauseln vereinbart waren, seien sie häufig durch unzulässige Vorbehaltsregelungen wieder konterkariert worden, resümiert die Studie.

Bauverträge mit verbraucherunfreundlichen Klauseln

Ein weiterer erheblicher Mangel im Bauvertrag ist der Einzugstermin. Laut Studie vermieden es die Unternehmen oft, konkrete Fertigstellungstermine zu nennen. Lediglich in 17 Prozent aller Verträge waren sie vorgesehen. In 50 Prozent aller Fälle wurde die Bauzeit nur in Monaten und Wochen angegeben. Vertragsstrafen für verzögerte Fertigstellung sahen nur 26 Prozent der Verträge vor; die Strafen waren zudem sehr niedrig. Die Klauseln berauben den Bauherrn auch der Chance, weitere Schäden geltend zu machen. Die Studie belegt außerdem, wie Bauherren durch die Zahlungspläne in Generalunternehmer-Verträgen benachteiligt werden: Sie werden durch unangemessen hohe Zahlungen zur Vorkasse gedrängt.

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 meineimmobilie.de-Tipp

Bevor Sie einen Bauvertrag unterschreiben, sollten Sie ihn vorher von einem unabhängigen Experten prüfen lassen. Diverse Bauherrenverbände und andere Verbraucherschutzvereine bieten Beratung zu solchen Verträgen an.