Mittwoch, 28.01.2009 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Bauüberwachung durch den Architekten

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Die meisten Bauherrn sind Laien im Bereich Hausbau. Deshalb ist es in den meisten Fällen sinnvoll, die Überwachung der Bauarbeiten einem Profi zu überlassen, zum Beispiel einem Architekten. Wird dieser mit der Aufgabe betraut, muss er alle Vorgänge auf der Baustelle genau koordinieren und dokumentieren.

Bauablaufstörungen kosten nicht nur Zeit, sondern meist auch viel Geld. Wer für den eingetretenen Schaden dann letztlich aufzukommen hat, wird oftmals erst im Rahmen eines umfangreichen und länger dauernden gerichtlichen Verfahrens geklärt werden können. Kann der Verursacher dann mangels liquider Mittel nicht mehr herangezogen werden, bleibt der Bauherr auch noch auf den Verfahrenskosten sitzen.

Die Aufgaben des Architekten

Wurde ein Architekt mit der mangelhafte Objektüberwachung beauftragt, obliegen diesem zahlreiche Koordinierungspflichten, die ansonsten vom Bauherrn erledigt werden müssten. In diesem Fall muss der Architekt für einen reibungslosen Ablauf auf der Baustelle - insbesondere auch in zeitlicher Hinsicht - Sorge tragen. Wurden, was allerdings nur bei Bauvorhaben größeren Umfangs der Fall sein dürfte, weitere Sonderfachleute zur Objektüberwachung herangezogen, müssen deren Aufgaben von ihm koordiniert werden.

Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass ein Architekt, der auch bei der Vergabe mit hinzugezogen wurde, bereits im Zuge der Beauf-tragung der ausführenden Unternehmer darauf hinwirken muss, dass Termine so gelegt werden, dass die einzelnen Arbeiten auch zeitlich aufeinander abgestimmt sind. Stellt er Defizite fest, muss er darauf hinwirken, dass diese abgestellt werden. Kündigungen gegenüber Unternehmern darf er mangels ausdrücklicher Vollmacht allerdings nur in Abstimmung mit dem Bauherrn aussprechen.

Architekt muss Bautagebuch führen

Damit der Bauherr später nicht in Beweisnot kommt, muss der Architekt, was leider nicht immer eingehalten wird, auch ein eigenes Bautagebuch führen. In dieses sind alle wesentlichen Vorgänge bei der Bauwerkserrichtung aufzunehmen, die für den Bauherrn im Hinblick auf einen möglichen späteren Mängelprozess von Bedeutung sein können. Hierzu gehören beispielsweise Arbeitsbedingungen auf der Baustelle wie etwa besondere Vorkommnisse oder die Witterung, Arbeitsbehinderungen, Unterbrechungen, Verzögerungen und so weiter.

In der Praxis kann immer wieder festgestellt werden, dass Architekten keine eigenen Bautagebücher führen, sondern sich auf solche beziehen, die von den ausführenden Unternehmern erstellt wurden. Auf Verlangen muss der Architekt dem Bauherrn Einsicht in das Bautagebuch gewähren und ihm auch gegen Erstattung der Vervielfältigungskosten Kopien anfertigen. Benötigt der Bauherr - etwa in einem gerichtlichen Verfahren - das Original, muss er es ihm zu diesem Zweck überlassen.

Bauüberwachung durch den Architekten

Eine feste Regel, wie oft der Architekt auf der Baustelle anwesend sein muss, gibt es nicht. Insbesondere ist der Architekt nicht verpflichtet, sich ständig auf der Baustelle aufzuhalten. Er muss aber die Arbeiten in angemessener und zumutbarer Weise überwachen. Hierzu gehört auch, dass er sich durch häufige Kontrollen vergewissert, dass seine Anweisungen sachgerecht erledigt werden. Bei kritischen Baumaßnahmen, die nach der Erfahrung ein hohes Mängelrisiko aufweisen, muss er besonders wachsam sein. Überwachungsintensive Bauabschnitte sind beispielsweise

  • die Herstellung von Betondecken und deren Bewehrung,
  • Abdichtungs- und Isolierarbeiten,
  • der Einbau von Türen an Aufkantungen zum Schutz gegen überschießendes Wasser,
  • die Verlegung einer Drainage,
  • Dachdeckerarbeiten und so weiter.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert

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Wenn Sie bei Ihrem Bauvorhaben Wert auf eine gesteigerte Überwachungstätigkeit Ihres Architekten legen, ist es anzuraten, dass Sie dies ausdrücklich im Architektenvertrag vermerken. Im Übrigen gilt auch dann, wenn Sie einen Architekten mit der Objektüberwachung beauftragt haben: Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser.

Weitere Informationen zum Thema Bauüberwachung finden Sie in dem Buch "Die häufigsten Baufehler", erschienen im Haufe-Verlag.