Montag, 08.12.2008 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert

Baufehler vermeiden bei der Innenwandkonstruktion

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Beim Hausbau muss die Innenwandkonstruktion sorgfältig geplant und ausgeführt werden. Denn treten später Mängel auf, liegen sie innerhalb des Wohn- und Aufenthaltsbereiches und stören dort erheblich.

Baumängel im Innenbereich sind hinsichtlich der möglichen Mängelursachen meist nicht so komplex, sie haben jedoch den entscheidenden Nachteil, dass sie das Empfinden der Bewohner erheblich beeinträchtigen können. Sämtliche Innenwandkonstruktionen, egal welcher konstruktive Aufbau letztlich gewählt wird, zerfallen in zwei Gruppen:

  • tragende Innenwände und
  • nicht tragende Innenwände.

Tragende und nicht tragende Wände

Tragende Innenwände sind Wände, die Last aufnehmen, also belastet werden, und somit statisch bemessen werden. Demgegenüber sind nicht tragende Innenwände solche, die keine Last aufnehmen und an die somit auch keine statischen Anforderungen gestellt werden. Mit den tragenden Wänden, kann nicht so flexibel umgegangen werden wie mit nicht tragenden Wänden. Denn tragende Wände müssen:

  • statisch berechnet und bemessen werden,
  • sind unverzichtbarer Bestandteil des Gebäudetragwerks,
  • können nicht ohne adäquate Ersatzkonstruktionen verändert werden,
  • haben eine Wandstärke von mindestens 17,5 Zentimeter und somit einen guten Feuerwiderstand,
  • haben eine relativ große Masse und somit einen guten Schallschutz.

Anforderungen an die Innenwände

Es gibt eine Reihe von Anforderungen, die alle Innenwandkonstruktionen, ob tragend oder nicht tragend, in jedem Fall erfüllen müssen:

  • Sie müssen standsicher und stabil sein,
  • sie müssen den geplanten Anforderungen in Bezug auf die Belastung genügen,
  • sie müssen den geforderten schalltechnischen Anforderungen genügen,
  • sie müssen den brandschutztechnischen Anforderungen genügen,
  • sie müssen den wärmeschutztechnischen Anforderungen entsprechen,
  • sie müssen für eine erhöhte Luftfeuchtigkeit in Feuchträumen geeignet sein,
  • sie sollten für die gewünschte Nutzung geeignet sein oder bilden selbst schon die fertige Oberfläche.

Tragende Massivwände

Aufgrund ihrer Konstruktion und Masse wird die Massivwand immer den schalltechnischen Mindestanforderungen genügen und auch, die ordentliche Gründung und Bewehrung vorausgesetzt, ausreichend tragfähig und belastbar sein. Mängel können aber dennoch aus folgenden Gründen auftreten:

  • Fehlende Detailplanung der Wand einschließlich exakter Geometrie von Öffnungen, einem maßgenauen Schalungsbild sowie von Wandauslässen jeder Art,
  • zu unkonkrete und unklare Definition der geforderten Oberflächenqualität,
  • ungenügende Betonqualität und unzureichende Verdichtung,
  • ungenügende Betondeckung über der Bewehrung,
  • mangelhafte und/oder verschmutzte und/oder nicht richtig vorbehandelte Schalung,
  • zu schnelles oder zu langsames Einbringen des Betons.

Nicht tragende Massivwände

Die Standardkonstruktion im Wohnungsbau sind geputzte Kalksandteinwände, da diese die baulichen Anforderungen bei Trennwänden innerhalb einer Wohnungseinheit erfüllt. Das betrifft insbesondere die der Standsicherheit und der üblichen Belastbarkeit sowie die des Mindestschallschutzes. Trotzdem können auch hier Planungs- und Ausführungsfehler auftreten:

  • unzureichende oder fehlende Lastabtragung,
  • unzureichende Vermörtelung der Steinzwischenräume, dadurch Minderung der Stabilität und Verschlechterung des Schallschutzes,
  • Verwendung ungeeigneten, zum Beispiel gipshaltigen Mörtels, führt zum "Treiben" und damit zur Rissbildung in den Wänden,
  • Risse im Bereich der Anbindung an die Außenwände durch die Verwendung, zum Beispiel von Wärmedämmziegel im äußeren Mauerwerk mit anderem Quell- und Schwindverhalten,
  • Rissbildung oder Hohlstellen im Putz durch unzureichendes Vornässen der sehr stark saugenden Kalksandsteine.



Malen, Tapezieren und Anstreichen

Die Innenwandbeschichtungen bilden den Abschluss und werden in der Regel als letzte Bauleistung ausgeführt. Deshalb können diese Leistungen auch nur mangelfrei erbracht werden, wenn auch die Vorleistungen in Bezug auf Oberflächen und Anschlüsse mangelfrei ausgeführt wurden.

Hinsichtlich der Ausführung der Malerarbeiten sollte eine Fachfirmen beauftragt werden. Der Fachmann wird auch die Vorleistung sorgfältig prüfen und bei Bedenken hierauf hinweisen. Ausführungsmängel, die trotzdem passieren können, werden nachstehend aufgeführt: 

  • Risse im Anstrich, Blasenbildung oder Ablösen der Tapeten durch zu hohe Restfeuchte im Bauwerk,
  • Risse im Anstrich oder Blasenbildung durch Verwendung eines Film bildenden ungeeigneten nicht diffusionsoffenen Anstrichsystems,
  • Risse im Anstrich oder Blasenbildung durch chemische Unverträglichkeit mit dem Untergrund,
  • ungleichmäßige Farben, Wolkenbildung durch unzureichende Deckung oder zu feuchten Untergrund,
  • sichtbare Unebenheiten und Absätze in den Oberflächen, oft erst nach dem Anstrich erkennbar.

Somit nützt der beste Maler nichts, wenn die Vorleistung in Form des Innenputzes und der Bauteilanschlüsse ist nicht mangelfrei ausgeführt wurde.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert