Mittwoch, 10.12.2008 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Ausschreibung: Handwerker gesucht

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Spätestens wenn alle Pläne vorliegen, müssen Sie sich um geeignete Unternehmer und Handwerker bemühen, welche die Planung auch baulich umsetzen können. Die erforderlichen Leistungen müssen also ausgeschrieben und alsdann vergeben werden.

Ein Bauherr ist gut beraten, wenn er von Anfang an ganz gezielt und bewusst versucht, gute und kostengünstige Handwerker - am besten aus der Region - mit der Ausführung zu betrauen. Er hat dabei die gute Möglichkeit, in Form der gewerkeweisen und beschränkten Ausschreibung den lokalen Markt gezielt abzufragen und sich zu einem relativ günstigen Preis die Leistung "einzukaufen". Voraussetzung ist eine Leistungsbeschreibung mit systematischer Aufstellung der Einzelpositionen und der im Voraus geschätzten Mengen, die dann nach Angebotsabgabe verglichen werden können.

Bindung an die Ausschreibung

Durch eine vollständige und gut systematisierte Ausschreibung hat der Bauherr die einmalige Chance, seine ganz konkreten Ausstattungs- und Materialwünsche in die Leistungsbeschreibungen aufnehmen zu lassen. Die ausführende Firma kann dann nicht einfach davon abweichen und zum Beispiel anstelle eines ganz bestimmten Teppichbodens oder einer Wandfliese, die mit Fabrikat und Artikelnummer beschrieben ist, etwas anderes ausführen. Die Firma ist an das konkrete Angebot vertraglich gebunden.

Das gibt dem Bauherrn eine zusätzliche Sicherheit vor sogenannten alternativen und gleichwertigen Produkten, die er selbst aber nicht haben wollte. Eine besondere Rolle spielt die Leistungsbeschreibung übrigens, wenn das eingebaute Produkt zwar technisch gleichwertig, aber vom Design her anders als ursprünglich ausgesucht ist (zum Beispiel Sanitärausstattung). Auf diese Diskussionen mit dem Unternehmer muss der Bauherr sich dann überhaupt nicht einlassen.

Gewerkebezogene Ausschreibung

Gute Gründe, die also für eine gewerkebezogene Ausschreibung und Vergabe sprechen:

  • Höchste Präzisierung und Konkretisierung des Bauwerks,
  • maximale Qualitätssicherung bei individueller Planung,
  • höchstmöglicher Garant für die Umsetzung individueller Nutzerwünsche,
  • maximal mögliches Kosteneinsparpotenzial bei optimalem Kosten-/Nutzenverhältnis,
  • maximal mögliche Einflussnahme und Steuerungsmöglichkeit durch Losaufteilung,
  • Risikominimierung bei Leistungsstörungen durch Losaufteilung.

Auswertung der Angebote nach der Ausschreibung

Wenn der Bauherr die Angebote oder die ausgefüllten Leistungsverzeichnisse von den Anbietern zurückerhält, sollte er als Erstes überprüfen, ob diese auch vollständig und damit untereinander vergleichbar sind.

  • Wurden alle im Leistungsverzeichnis aufgeführten Positionen angeboten?
  • Wurden Alternativen angeboten - entsprechen diese dem Anforderungsprofil?
  • Ergeben sich aus Alternativpositionen Nachteile für andere Gewerke?
  • Ist der angebotene Leistungsumfang vollständig?
  • Wer soll für Energie-, Wasserkosten etc. aufkommen?
  • Wurden Stundensätze angegeben?
  • Sind die Gesamtpreise vollständig?

Preisspiegel

Sind die Angebote vergleichbar, kann der Bauherr diese in einem sogenannten Preisspiegel gegenüberstellen und prüfen. Wenn er einen Architekten beauftragt hat, nimmt dieser ihm die Arbeit ab. Er wird Angebote einholen, die Gegenüberstellung machen und dem Bauherrn im besten Fall auch gleich Empfehlungen zum geeigneten Bieter abgeben. Die größte Transparenz und der beste Überblick wird erreicht, wenn alle Anbieter nebeneinander in Form einer Tabelle in Spalten aufgeführt werden.

Der Preis allein sollte allerdings nicht das Kriterium sein, sich für einen bestimmten Anbieter zu entscheiden. Mit in die Entscheidung einfließen sollten vielmehr auch Kriterien wie Fachkunde, Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit. Eine Referenzliste und eventuell eine Nachfrage bei früheren Bauherren können hier oftmals wertvolle Aufschlüsse geben.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert

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Als privater Bauherr sind Sie vom Grundsatz her bei der Vergabe der Bauleistungen an keine bestimmten Regelungen gebunden. Sie können also frei entscheiden, ob, mit wem und zu welchen Konditionen Sie einen Vertrag abschließen wollen. Werden hierzu von Ihnen vorformulierte Vertragsmuster verwendet, muss allerdings beachtet werden, dass darin keine Klauseln enthalten sind, die Ihren Vertragspartner unangemessen benachteiligen. Bei derartigen Konstrukten laufen Sie ansonsten Gefahr, dass ein etwa später mit der Sache befasstes Gericht die Regelung für unwirksam erachtet.

Weitere Informationen zum Thema Ausschreibung erhalten Sie im Buch "Die häufigsten Baufehler", erschienen im Haufe-Verlag.