Dienstag, 13.01.2009 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Ausbau unterm Steildach

Ein Steildach gibt dem Hausbesitzer die Möglichkeit, den Raum unterm Dach als zusätzliche Wohnfläche zu nutzen. Bevor dort ein Zimmer eingerichtet werden kann, muss das Dach entsprechend vorbereitet werden. Sorgfältige Arbeit und gutes Material sind Pflicht, sonst können schwere Bauschäden auftreten.

Selbst in technisch nicht perfekt ausgeführter Weise gewährleistet das steil geneigte Dach am besten und schnellsten das Ablaufen des Regenwassers, verhindert die Überlastung durch Schnee und Eis, verfügt über eine ausgezeichnete Thermik und unterbindet bei der Ausbildung als Kaltdach die Überhitzung der darunter liegenden Räume.

Aber auch das Steildach, vor allem das voll ausgebaute, erfordert eine sehr sorgfältige Planung und Bauausführung, vor allem auch eine ausreichende Koordination der an der Ausführung beteiligten Unternehmer. Geachtet werden muss insbesondere darauf, dass Nachfolgeunternehmer bereits erstellte Teile nicht beschädigen oder gar zerstören.

Attraktiver Wohnraum unterm Dach

Die Besonderheit des ausgebauten Steildachs besteht darin, dass der ehemals kalte Dachboden zum vollwertigen, meist besonders attraktiven und individuellen Wohnraum umfunktioniert wird. Bei der Ausführungsplanung des ausgebauten Steildaches gilt besonders zu beachten:

  • Das Dachtragwerk muss für die zusätzlichen Lasten durch den Dachausbau statisch bemessen werden.
  • Die Gesamtstärke des Dachaufbaus erhöht sich wesentlich und ist bei Raumhöhen und allen Anschlüssen und Durchdringungen zu berücksichtigen.
  • Die Wärmedämmung muss so in gleichmäßiger Dicke ohne Zwischenräume eingebaut werden, dass sie nicht verrutschen kann.
  • Innenseitig ist zwingend mindestens eine Dampfbremse, meist jedoch eine Dampfsperre anzuordnen, die einwandfrei verklebt werden muss und nicht beschädigt werden darf.
  • Die Leitungsführung der gesamten Haustechnik ist so zu planen und auszuführen, dass sie nicht die Dampfsperre beziehungsweise Dampfbremse durchdringt oder beschädigt.
  • Die ausreichende und von der Traufe bis zum First durchgehende Hinterlüftung von etwa zwei Zentimetern im Mittel ist zu gewährleisten.
  • Es sind in der Regel zusätzlich Maßnahmen zur Gewährleistung des Mindestschallschutzes erforderlich, da der Regeldachaufbau zu leicht ist.
  • Der gesamte Dachaufbau darf während des Einbaus nicht durchfeuchten.

Die Möglichkeiten der Innenwandbekleidung sind ausgesprochen vielfältig und interessieren den Bauherrn natürlich am meisten. Sie reichen von konventionell verputzten Dachschrägen über glatte Gipskartonbeplankungen bis hin zu Holzverkleidungen oder befliesten Flächen. Hier ist besonders darauf zu achten, dass die Wand-, Boden- und Deckenanschlüsse nicht starr ausgeführt werden und die bereits verlegte Dampfsperre nicht beschädigt wird.

Blower-Door-Test

Die Mangelfreiheit, vor allem die Dichtigkeit der Dampfsperre beziehungsweise Dampfbremse, sollte vor dem Innenausbau durch den sogenannten Blower-Door-Test überprüft werden. Dies ist ein Verfahren, bei dem durch einen künstlich erzeugten Überdruck im Innenraum und dem Druckabfall über einen definierten Zeitraum in Abhängigkeit vom Raumvolumen die Dichtigkeit zuverlässig geprüft werden kann. Versierte Fachfirmen mit entsprechenden Zulassungen bieten diesen Test als zusätzliche Leistung für wenig Geld an.

Baumängel an Steildächern können folgende Ursachen haben, die es zu verhindern gilt:

  • keine oder ungenügende Planung,
  • keine ausreichende und vor allem kompetente Bauüberwachung,
  • die Dachkonstruktion ist unterdimensioniert,
  • die Dachkonstruktion verfügt nicht über die notwendige konstruktive Höhe,
  • die Höhe des Dachaufbaus wurde bei der Ermittlung der Raumhöhe "vergessen",
  • die Berücksichtigung der Anforderungen an den Mindestschallschutz erfolgte nicht (kann zu erheblichen Belästigungen und Minderung der Wohnqualität, nicht nur durch die Klopfgeräusche des Regens, führen),
  • unzureichende Gewerkekoordinierung kann zu Schäden an den Vorleistungen führen, hier insbesondere Beschädigung der Dampfbremse beziehungsweise Dampfsperre durch Haustechnik und Innenausbau,
  • die Dampfsperre beziehunsweise Dampfbremse wurde nicht fachgerecht verlegt oder/und nicht geeignetes Material verwendet,
  • die Wärmedämmung ist nicht geeignet (oftmals werden statt der geforderten, nicht formstabilen Platten nur billige Dämmmatten verwendet, die nach unten zusammenrutschen und somit zu unzureichend gedämmten Teilbereichen und Unterbrechung der Hinterlüftung führen),
  • die Wärmedämmung ist zu dünn und es gibt Wärmebrücken,
  • die Hinterlüftung wurde nicht ausgeführt oder unterdimensioniert,
  • es wurde vergessen, die Nachströmöffnungen in Traufe und First zu planen und auszuführen.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert

 meineimmobilie.de-Tipp


Bei der Dampfsperre beziehungsweise Dampfbremse sollten Sie darauf achten, nur geprüfte und zugelassene Systeme einschließlich entsprechendem zu Klebeband verwenden.

Weitere Informationen zum Thema Dachausbau finden Sie in dem Buch "Die häufigsten Baufehler", erschienen im Haufe-Verlag.