Mittwoch, 29.04.2009 | Autor: mb

Wärmebilder: Vorsicht bei Billigangeboten

News: Schnell geschossene Wärmebilder von der Außenfassade geben keine Auskunft über den tatsächlichen Sanierungsbedarf eines Hauses. Verbände warnen daher vor Billigangeboten mit Thermoaufnahmen.

Der Bauherren-Schutzbund e. V. und der Bundesverband für Angewandte Thermografie warnen vor Wärmebildern mit geringer Aussagekraft. Nach Angaben der beiden Verbände bieten Städte, Kommunen, Energieversorger, Baumärkte und Banken für wenig Geld Thermoaufnahmen von der Außenfassade des eigenen Hauses. Es werde suggeriert, dass allein durch diese Bilder der Sanierungsbedarf gezeigt werden kann. Der Bauherren-Schutzbund sieht das anders: Schnell erstellte Außenaufnahmen könnten zwar erste Informationen über den energetischen Zustand eines Gebäudes bieten, jedoch längst keine gültige Gesamtaussage zulassen.

Nur eine orientierende Messung

"Die praktizierte Außenthermografie ist nur eine orientierende Messung, die zur Beurteilung des Wärmeschutzes an Gebäuden allein nicht ausreicht", konstatiert Dipl.-Ing. Sönke Krüll vom Bundesverband für Angewandte Thermografie mit Sitz in Tabarz. "Die meisten Dachflächen, vorgehängte hinterlüftete Fassaden, Schimmelschäden in Außenecken können so nicht untersucht werden. Nur durch Kombination von Innen- und Außenthermografie, verbunden mit der Kontrolle messtechnisch relevanter Rahmenbedingungen, sind nahezu alle Baumängel quantitativ zu erfassen." Seriöse Anbieter würden in Beratungen darauf aufmerksam machen.

Krüll zufolge halten die wenigsten Thermografieaktionen, was sie versprechen. Sie geschähen schnell und oft, ohne auf die Witterung Rücksicht zu nehmen. Nur so sei ein Preis von unter 100 Euro für ein Einfamilienhaus zu realisieren. "Eine gründliche thermografische Untersuchung jedoch kann nur bei Temperaturunterschieden von 15 Grad zwischen Außen- und Innentemperatur, erst 12 Stunden nach Sonneneinstrahlung und ohne Windeinfluss erfolgen", erläutert Krüll. "Die Auswertung umfasst mehrere Stunden." Verbraucher würden in den überwiegenden Fällen nicht umfassend oder sogar falsch informiert.

Ungenaue Aussagen verunsichern Hausbesitzer

"Schnellthermografie kann allenfalls als Einstieg ins Problem und zur Sensibilisierung dienen", bestätigt Dipl. Ing. Jürgen Friedrichs, Bauherrenberater und Energiespezialist beim Bauherren-Schutzverband. "Der Aufwand für aussagefähige Thermografiebilder zur Vorbereitung von Sanierungsentscheidungen ist weitaus höher als nur für jede Hausseite einmal auf den Auslöser zu drücken." Dazu gehört sowohl eine hochspezialisierte technische Ausrüstung als auch das fachliche Know-how. "Viele falsche Interpretationen sind anhand dokumentierter Farbunterschiede möglich. So kann unter dem Dachüberstand angesammelte aufsteigende Wärme fälschlicherweise als Wärmebrücke definiert werden. Andererseits können auch vorhandene technische Mängel weginterpretiert werden", erläutert Friedrichs. Solche ungenauen Aussagen verunsicherten Hausbesitzer und Bauherren und führten zu Fehlentscheidungen bei Neubau oder Sanierung.

Sowohl der Bauherren-Schutzbund als auch der Bundesverband für Angewandte Thermografie raten Hauseigentümern ab, mit einfachen Infrarotkameras selbst zu Werke zu gehen oder für Thermografieaktionen Geld auszugeben, wollen sie seriöse Entscheidungsgrundlagen haben. Für eine gute und aussagefähige Thermografie seien Standards einzuhalten, gepaart mit dem Sachverstand zertifizierter Experten, so der Rat der Verbände. Diese können sowohl über das bundesweite Netz der Bauherrenberater und Servicepartner des BSB als auch über den Bundesverband für Angewandte Thermografie vermittelt werden.

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