Montag, 11.10.2010 | Autor: Georg Hopfensberger/Stefan Onischke/mb

Von Altbau bis Energiesparhaus

Vor etwa 50 Jahren hat sich noch kaum einer Gedanken über Energiesparmaßnahmen bei Gebäuden gemacht. Viele Altbauten haben deshalb einen sehr hohen Verbrauch. Dennoch sind längst nicht alle älteren Bauwerke Energieschleudern, denn wenn sie modernisiert wurden, sind sie vielleicht sogar sparsamer als manche Neubauten.

Für die Beschreibung von Gebäuden bezüglich ihrer Energiespareigenschaften wird mit einer ganzen Schar von Begriffen hantiert, die bei Laien meist Ratlosigkeit hervorruft.

Manchmal sind die Bezeichnungen gar nicht näher definiert, andere sind nicht oder nur schwer vergleichbar und einige haben ihren Ursprung in Förderprogrammen von Banken.

Verschiedene Bezeichnungen erwecken ganz schlicht den Eindruck eines Verkaufstricks. Zur einfacheren Orientierung und zur besseren Unterscheidung werden im Folgenden die häufigsten Begriffe kurz erläutert.

Energiesparhäuser

Der Begriff "Energiesparhaus" ist gut gemeint, bezeichnet jedoch nur eine vage Wunschvorstellung. Eine exakte Definition für diese Bezeichnung existiert nicht. Meistens wird er einfach als Oberbegriff für energiesparende Häuser eingesetzt. Ein besonderes Qualitätsmerkmal ist damit aber nicht verbunden.

Niedrigenergiehaus

Auch dieser Begriff ist nicht gesetzlich definiert oder geschützt. Üblicherweise werden damit Gebäude bezeichnet, die mindestens 25 Prozent weniger Energie verbrauchen als nach der Wärmeschutzverordnung von 1995 erlaubt gewesen wäre.

Drei-Liter-Haus

Dieser Begriff wurde entlehnt aus der Automobilindustrie, als das Drei-Liter-Auto vor einigen Jahren für Gesprächsstoff sorgte. Analog dazu wird als Drei-Liter-Haus ein Gebäude bezeichnet, das pro Jahr und Quadratmeter nur so viel Primärenergie verbraucht, wie in drei Litern Heizöl enthalten ist - das bedeutet einen Energiebedarf von etwa 30 kWh pro Quadratmeter und Jahr.

KfW-Energiesparhaus 60

Der Begriff wurde geprägt von der KfW Förderbank im Rahmen von Fördermaßnahmen für energiesparende Bauten. Er bezeichnet Gebäude, die einen Primärenergiebedarf von nicht mehr als 60 kWh pro Jahr und Quadratmeter Gebäudenutzfläche aufweisen.

Außerdem muss der Transmissionswärmeverlust den in der EnEV angegebenen Höchstwert um mindestens 30 Prozent unterschreiten. Der Verbrauch an Heizöl beträgt bei diesem Qualitätsstandard etwa fünf Liter pro Quadratmeter und Jahr.

KfW-Energiesparhaus 40

Der Primärenergiebedarf muss hier unter 40 kWh pro Jahr und Quadratmeter Gebäudenutzfläche bleiben. Der angegebene Transmissionswärmeverlust muss zusätzlich um mindestens 45 Prozent unterschritten werden. Das KfW-Energiesparhaus 40 braucht jedes Jahr in etwa drei Liter pro Quadratmeter Wohnfläche.

Passivhaus

Bei einem Passivhaus darf der Jahres-Primärenergiebedarf wie beim KfW-Energiesparhaus 40 ebenfalls nicht über 40 kWh pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche klettern. Zusätzlich darf beim Passivhaus der Jahres-Heizwärmebedarf nicht mehr als 15 kWh pro Quadratmeter Wohnfläche betragen.

Der Heizwärmebedarf beträgt somit umgerechnet auf den Ölverbrauch unter 1,5 Liter Heizöl pro Jahr und Quadratmeter. Dabei muss angemerkt werden, dass ein Passivhaus nur noch für Notfälle eine Heizung im eigentlichen Sinn hat.

Ein Passivhaus bezieht seine Wärme hauptsächlich über die Sonne und aus der Energie, die Haushaltsgeräte und Menschen abgeben. Diese Wärmegewinne werden auf der einen Seite umfassend ausgenutzt und auf der anderen Seite werden die Wärmeverluste effizient reduziert. Die Dämmstärken betragen beispielsweise in einem Passivhaus circa 20 bis 40 Zentimeter und überschreiten somit sonst übliche Maße ganz erheblich.

Dadurch wird es möglich, dass ein Mensch durch seine bloße Anwesenheit mit seiner Wärmeabgabe von circa 70 bis 100 Watt bereits einen nennenswerten Beitrag zur Raumheizung beisteuert.

Nullenergiehaus

Eine energetische Verbesserung des Passivhauses stellt das Nullenergiehaus dar. Es muss gemäß der Bezeichnung komplett ohne zusätzliche Heizung auskommen, auch in kältesten Winterperioden.

Es handelt sich hier momentan noch um eine eher theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema, da es mit den heutigen technischen Möglichkeiten äußerst schwierig zu realisieren und auch in Anbetracht des Aufwands kaum rentabel ist.

Die Diskussionen um die Bezeichnung Nullenergiehaus sind häufig mit Ideologien überfrachtet und können deshalb leider oft nicht mehr sachlich geführt werden. Allein beim Grad der Autarkie können sich die Parteien selten einigen. Die Puristen rechnen in den Energiebedarf sogar die Energie hinein, die bei der Herstellung des Gebäudes verbraucht wird.

Plusenergiehaus

Eine theoretische Verbesserung des Nullenergiehauses stellt das Plusenergiehaus dar. Im Jahresmittel gibt dieses Gebäude mehr Energie ab, als es verbraucht. Der Name "Plusenergiehaus" ist als geschützte Marke eingetragen. Erste Prototypen wurden bereits realisiert.

Die bisher hier erläuterten Bezeichnungen für die Energieeffizienz von Gebäuden beziehen sich alle auf Gebäude, die relativ neu sind. Deren Entstehungszeitraum umfasst in etwa den Bereich zwischen 1995 und heute. Bei diesen Immobilien wurde bei der Planung und Ausführung schon an energiesparende Bauweisen gedacht.

Energiebedarf älterer Gebäude

Bei älteren Gebäuden steigt der Energiebedarf im Vergleich dazu erheblich über die bisher genannten Werte an. Besonders extreme Energieverschwender sind üblicherweise Häuser aus der Zeit zwischen Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre. Vor der ersten Ölkrise wurde der Energieverbrauch zumeist völlig unberücksichtigt gelassen.

So kommt es, dass in dieser Zeit Gebäude entstanden, die mehr als 30 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen. In "Spitzenwerten" werden - besonders bei Einfamilienhäusern aus dieser Zeit - sogar bis zu 50 Liter benötigt.

Doppelter Verbrauch

Altbauten, die um 1900 entstanden sind, liegen mit ihrem Jahresverbrauch an Heizöl im Bereich zwischen 20 und 30 Litern pro Quadratmeter. Gebäude, die nach der ersten Wärmeschutzverordnung von 1978 gebaut wurden oder nach diesen Maßstäben saniert wurden, brauchen etwa 11 bis 14 Liter.

Durch entsprechende Maßnahmen kann der Verbrauch in einem Altbau von 1970, der momentan in unsaniertem Zustand beispielsweise bei 30 Litern Heizöl pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche liegt, künftig auf etwa drei Liter oder noch niedriger gedrückt werden.

Starke Abweichungen

Der tatsächliche Heizenergieverbrauch kann sich von den oben angegebenen Richtwerten unterscheiden, teilweise sogar erheblich. Insofern ist es gefährlich, einen Verbrauch konkret abzuschätzen und anzugeben, weil es bei größeren Abweichungen vom Schätzwert unweigerlich zu Irritationen kommt.

Genau mit dieser Problematik hat der Energieausweis zu kämpfen. Den Urhebern des Muster-Energieausweises war diese Situation im Vorfeld bewusst. Deshalb haben sie folgende zusätzliche Information für die Verbraucher angegeben - so steht es im Energieausweis: "Insbesondere ... erlauben die angegebenen Werte keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Verbrauch."

Standardisiertes Berechnungsverfahren

Die im Energieausweis ermittelten Werte zur Energieeffizienz geben das Ergebnis eines standardisierten Berechnungsverfahrens wieder. Individuelle Besonderheiten, wie speziell sich änderndes Nutzerverhalten oder Orientierung der Wohneinheit, werden nicht berücksichtigt.

Nachdem Energieausweise immer für ganze Gebäude ausgestellt werden und nicht für einzelne Wohnungen, können diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen nicht erfasst werden. Naturgemäß macht es aber einen großen Unterschied im Heizenergieverbrauch aus, ob eine Wohnung beispielsweise im Dachgeschoss liegt und somit sehr stark der kalten Witterung ausgesetzt ist, oder ob eine andere Wohnung, womöglich noch mit Südausrichtung, wie eine Bienenwabe von einem Gefüge anderer beheizter Wohnungen umgeben ist.

Unterschiedliches Nutzungsverhalten

Ebenso lässt sich unterschiedliches Nutzerverhalten nicht in einer schematisierten Berechnung widerspiegeln. Genau hier gibt es aber große Unterschiede: Der Bewohner hat es zu einem großen Teil mit seinem Verhalten selbst in der Hand, wie viel Energie er verbraucht, effektiv nutzt oder verschleudert.

Gerade aber der Umstand, dass der Energieausweis das Nutzerverhalten nicht berücksichtigt, macht ihn zum interessanten Baustein beim Vergleich von Gebäuden. Seine Aussagekraft geht also eher dahin, dass ein Nutzer durch den Energieausweis aufgezeigt bekommt, in welcher Wohnung er bei gleichem Wohnverhalten tendenziell mit höherem oder geringerem Heizenergieverbrauch rechnen muss.

Kommentare (1)

13.10.2010, 20:13 Uhr von renate eckert Profil ansehen
Kann mir einmal jemand sagen, wie sich das bei einem Haus aus dem Jahre 1905 mit Denkmalschutz verhält. Das Haus ist außen und innen denkmalgeschützt und keiner redet davon, wie man sich da verhält. Lt. Denkmalschutzgesetz darf an diesen Häusern nichts verändert werden, nur die alten Zustände dürfen repaiert werden!!!

Es schreibt für Sie

Stefan Onischke ist Dipl.-Ing. (Univ.) und freiberuflicher Architekt. Bisherige Veröffentlichungen in Bayerische Haus- und Grundbesitzerzeitung, Abendzeitung München.
Stefan Onischke