Montag, 05.10.2015 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © ponsulak - Fotolia.com

Umweltretter oder Papiertiger? Der Energieausweis im Praxis-Test

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Worum geht´s
  • Energieausweistest: Bessere individuelle Energieberatung gefordert 
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Vielleicht haben auch Sie sich beim Inserat für Ihre Wohnung darüber geärgert, wie und warum Sie da neuerdings Angaben zum Energieausweis reinmachen müssen.

Spätestens bei der Wohnungsbesichtigung müssen Sie dem Mietinteressenten nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) einen Energieausweis mit dem Energiekennwert vorlegen, damit der sich ausrechnen kann, wieviel Heizkosten auf ihn zukommen können.

Ein gerade aktuell durchgeführter Test zeigt jetzt, dass dafür jedoch weitaus mehr nötig ist! 

Energieausweis: Effizienzwert hängt vom Zufall ab 

Kaum zu glauben, aber wahr: Der in Energieausweisen angegebene Energieeffizienzwert für Wohngebäude unterliegt wesentlich dem Zufall. Das ergab ein Test, den der Hauseigentümerverband Haus & Grund Deutschland an zwei repräsentativen Wohngebäuden durchführte.

„Es darf nicht von der Wahl des Energieberaters abhängen, ob ein Haus gute oder schlechte Energiewerte hat“ forderte Kai Warnecke, Hauptgeschäftsführer von Haus & Grund Deutschland.

Statt mit aller Macht den Energieausweis im Markt zu verankern, müsse die Bundesregierung dafür sorgen, dass die individuelle Energieberatung verbessert werde.

Gleiches Haus, unterschiedliche Werte: Gibt´s das? Ja!

Haus & Grund hat in den vergangenen Monaten von insgesamt zehn verschiedenen Energieberatern aus der Expertenliste der dena sowie über ein Onlineportal für ein Mehr- und ein Zweifamilienhaus Energieausweise erstellen lassen.

Das Ergebnis: Die ermittelten Energiekennwerte differierten um bis zu 46 Prozent. „Nicht einmal ein hoher Preis garantiert Qualität!".

Falsche Fläche ist oftmals schuld an unterschiedlichen Ergebnissen

Die Probleme lassen sich auch nicht ohne Weiteres mit einer besseren Qualifizierung der Energieberater beheben. "Die Probleme liegen im System“, sagte Warnecke. So bereite schon die für die Berechnung wesentliche Gebäudenutzfläche in der Praxis erhebliche Probleme.

Dies führe dazu, dass der ermittelte Energiebedarf oder -verbrauch einmal auf eine kleinere, einmal auf eine größere Flächen bezogen werde – wohlgemerkt bei ein und demselben Haus, allerdings von unterschiedlichen Beratern.

Dem Energieausweis soll weniger Bedeutung zukommen

Haus & Grund hat für das Problem auch schon eine Lösung parat: Die Bedeutung von Energieausweisen muss für den Wohnimmobilienmarkt beschränkt werden!

Der Energiekennwert aus dem Energieausweis muss seit Mai 2014 in Vermietungsanzeigen angegeben werden. Wer diese Vorgabe missachtet, muss mit einem Bußgeld von bis zu 15.000 Euro rechnen.

Hinweis auf Energiekennwert hat in Anzeigen nichts zu suchen

Der Energiekennwert gibt keinen Hinweis darauf, ob ein Mieter mit hohen oder niedrigen Heizkosten zu rechnen hat. Deshalb hat er in Anzeigen nichts zu suchen!“, betonte Warnecke. Heizkosten sind nämlich vielmehr von den Kosten des Brennstoffs sowie den Kosten des Dienstleisters für die Wartung und das Betreiben abhängig.

Außerdem hängt der tatsächliche Energieverbrauch auch von der Lage der Wohnung im Haus, der Anzahl der Bewohner und den Verbrauchsgewohnheiten ab.

Kommentare (1)

7.10.2015, 23:09 Uhr von Elba Profil ansehen
Bravo! Da hat "Haus & Grund" einen längst fälligen Test gemacht, der den Wert des Energieausweises bestätigt.
In Sachen Energieausweis waren Sie einer der Ersten? Bravo! Allerdings kann das auch einen Nachteil haben, denn alte Energieausweise, die vor dem 01.10.2007 ausgestellt wurden, laufen zum 31.10.2014 ab! 
Am 1.5.2014 trat die neue Energiesparverordnung in Kraft und damit gab es auch beim Energieausweis ein paar wichtige Neuerungen.  Die sind nicht nur rein optischer Natur, sondern wirken sich auch auf den Inhalt aus, wie z. B. die Gebäudedaten, die Registriernummer, das Energielabel mit den neuen Energieeffizienzklassen sowie Vergleichswerte und Modernisierungsempfehlungen. All diese Daten müssen in Energieausweisen, die ab dem 1.5.2014 ausgestellt werden, angegeben sein.  
Früher war alles viel besser - und einfacher! Diesen Ausspruch haben Sie sicherlich auch schon oft genug gehört. Geht es um eine schlichte Vermietungs- und Verkaufsanzeige, stimmt das neuerdings sogar. Der Grund: Die neue Energieeinsparverordnung 2014, die am 1.5.2014 in Kraft tritt, schreibt vor, dass Sie künftig unbedingt den Energieausweis in Ihrer Anzeige erwähnen müssen.

 meineimmobilie.de-Tipp

Bei der Vereinbarung mit einem Aussteller eines Energieausweises müssen Sie darauf achten, dass der Ihnen nicht nur den Ausweis ausstellt, sondern dass Sie auch eine Modernisierungsempfehlung erhalten. Das gilt für Bedarfs- und Verbrauchsausweise gleichermaßen.