Donnerstag, 20.10.2011 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: Sebastian Fery / Haufe

Trinkwasser fällt ins Wasser

Foto: Sebastian Fery / Haufe

Am 1. November tritt die neue Trinkwasserverordnung in Kraft. Doch überraschend ist, dass offensichtlich kaum jemand darauf so richtig eingestellt ist. Außerdem grassieren nur Tatsachenfragmente im Web, was für Verwirrung sorgt, beschreibt Jörg Stroisch.

Es ist ja nicht so, dass ich gerne Legionellen in meinem Trinkwasser habe, im Gegenteil. Aber so, wie derzeit über die Auswirkungen der neuen Trinkwasserverordnung, die am 1. November in Kraft tritt, berichtet wird, geht es echt auch nicht.

Es begann damit, dass mein Vater vor etwa drei Wochen durch eine Kurzmeldung in seiner regionalen Tageszeitung aufgeschreckt wurde, dass er als Vermieter nun regelmäßig das Trinkwasser auf Legionellen überprüfen lassen müsse. Und auch ein Interview in der Süddeutschen Zeitung trug eher zur Verwirrung als zur Klärung bei.

Fakt ist nämlich vielmehr: Für Wassertanks unter 400 Litern besteht die Kontrollpflicht nicht, bei Selbstnutzung ebenfalls nicht. Und wenn zum Beispiel Durchlauferhitzer zum Einsatz kommen, ebenfalls nicht. Außerdem werden Legionellen nicht durch das Trinken von Wasser übertragen, sondern durch Versprühung in die Lunge aufgenommen. Betroffen sind also Wohnungen mit Duschen, was heutzutage aber Standard sein dürfte.

Ich finde, dass sich mit diesen 1kleinen1 Einschränkungen alles schon für sehr viele Immobilieneigentümer sehr stark relativiert. Denn schätzungsweise ist ein 400 Liter großer Wassertank erst etwa ab vier Wohneinheiten nötig.

Fakt ist aber auch, dass Sie als Vermieter kontrollieren müssen, ob Sie von der Prüfpflicht betroffen sind. Direkt nach dem 1. November müssen Sie dann theoretisch dem Gesundheitsamt ihre Prüfpflicht mitteilen, sonst riskieren Sie eine Strafe von bis zu 25.000 Euro. Fakt ist aber auch, dass 1 so höre ich es aus verschiedenen Kreisen 1 viele Gesundheitsämter selbst ein wenig überrascht sind von der neuen Verordnung. Da wird gemunkelt, dass man für diese Überprüfungen die bisherigen fünf Mitarbeiter auf 50 aufstocken müsste.

Klingt alles wieder wahnsinnig durchdacht von unserer politischen Elite. Das ist auch das eigentliche Ärgernis an der ganzen Geschichte: Irgendwo wird eine Verordnung beschlossen und die konkrete operative Umsetzung interessiert dann niemanden mehr, geschweige denn, dass über die Auswirkungen mal in vernünftiger und publikumswirksamer Form informiert wird. Es ist dann halt doch prestigeträchtiger, über den Euro zu wettern, als sich um die ganz praktischen Probleme in der Bevölkerung 1 von dieser Verordnung sind Pi mal Daumen ja nur etwa 100 Prozent unserer Gesellschaft betroffen 1 zu kümmern.

Kommentare (4)

10.11.2011, 18:23 Uhr von Marbella Profil ansehen
Zur Trinkwasserverordnung lohnt sich ein Blick auf die Homepage des örtlichen Gesundheitsamtes. Das Amt in Nürnberg bittet derzeit,bis auf Widerruf, von Meldungen Abstand zu nehmen, da es keine Bearbeitungsmöglichkeiten hat. :smile:
3.11.2011, 17:43 Uhr von Gottfried Profil ansehen
Ich freue mich, dass Sie alle Kommentare von Schreiberlingen annehmen und veröffentlichen, auch wenn diese ohne Geist und Anstand geschrieben sind. Man kann immer Gesetzte versuchen zu umgehen. Toll wäre es jedoch, wenn diese Halbkenntnismeschen Ihre Anschrift dem Gesundheitsamt oder der Umweltbehörde mitteilen würden, dami diese die entsprechenden Schritte einleiten kann. Umweltsünder und Besserwisser gehören entsprechend belehrt. Grüße Gottfried
3.11.2011, 17:22 Uhr von ottelli Profil ansehen
Das mit der Trinkwasser-Verordnung ist genau so ein "Furz" wie die Verordnung der Öltankprüfung durch "Berechtigte" Personen um eine Prüfbescheinigung zu bekommen. Angeblich sollte die Durchführung amtlicherseite kontrolliert werden! Wir hatten für viel Geld eine vielleicht unnötige Sarnierung durchführen lassen. In unserer unmittelbaren Nachbarschaft hatte sich keiner um die Verordnung gekümmert. Das sind jetzt schon Jahre her. Mit der Trinkwasser-Verordnung wird es gewiss auch so. Daher setzen wir uns nicht mehr in Panik, obwohl wir 600 L. speichern. :angry: :indecisive: