Montag, 19.01.2015 | Autor: Jörg Stroisch , Foto: © Thomas Francois - Fotolia.com

Sturm: Wie Sie Dachschäden am Haus verhindern

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Worum geht´s
  • Informationen zum Thema Sturmsicherheit für die Immobilie. 

Ein Sturmtief, das irgendwann zum Orkan wird - und das passiert leider aufgrund des Klimawandels immer häufiger. So ein Sturm kann ganz schön an Ihrem Hausdach zerren und schlimmstenfalls nicht nur ein paar Ziegel runterreißen, sondern einen größeren Schaden verursachen.

Hausbesitzer sollten sich gut gegen diese Art von Schäden absichern - denn sonst haben Sie nicht nur den Schaden, sondern auch noch den Ärger mit der Versicherung.

Ela verwüstete Pfingsten 2014 Teile Nordrhein-Westfalens. Noch Tage später lagen zertrümmerte Autos unter Bäumen und der Bahnverkehr brach zusammen.

Gesamtschadensbilanz durch Stürme nimmt zu

Auf 650 Millionen Euro bezifferten die Versicherer alleine die Schäden durch diesen Sturm. In lebendiger Erinnerung ist auch immer noch der Orkan Kyrill im Januar 2007, der mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 225 Stundenkilometern übers Land fegte und den Zugverkehr lahm legte. Laut Münchener Rück entstanden dadurch Schäden im Gesamtwert von zehn Milliarden US-Dollar.

Auch für Häuser sind mehr und höhere Schäden durch Starkwindereignisse zu verzeichnen“, beschreibt Christian Anders, Experte beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks.

Was gesamtwirtschaftlich aufläuft, manifestiert sich für den Hausbesitzer in Schäden am Dach und Haus. Zwar sind die Windverhältnisse von Deutschland noch längst nicht mit denen in Großbritannien und den Niederlanden vergleichbar, aber sie entfalten hierzulande immer mehr ihre Gewalt.

"Sturmschädenvorsorge": Dachklammern sind mittlerweile Pflicht

Als Konsequenz daraus: Seit 2011 ist zum Beispiel bei Neueindeckungen des klassischen Dachziegeldachs eine Klammerung der Außenränder Pflicht, „Auch der First und die Traufe müssen je nach Dachneigung, Ort und Gebäudehöhe geklammert werden“, sagt Anders.

Es gibt dafür allgemein anerkannte Regeln der Technik, auch festgehalten im Regelwerk des Dachdeckerhandwerks.“ Sogar für Metalldächer oder Flachdächer mit und ohne Kiesauflast gibt es Tabellen, an denen sich die Handwerker in ihren Berechnungen orientieren.

Gewichtsprobleme: Wissen Sie, wieviel Ihr Dach wiegt?

Als Beispiel: Bei einer Windgeschwindigkeit von 80 bis 100 Stundenkilometern wirken auf einen Quadratmeter eines Daches zwischen 1,1 und 2,5 Kilonewton. Das entspricht einer Last von 250 Kilogramm an einem in der Wand befestigten Dübel.

Das Eigengewicht der Dacheindeckung beträgt pro Quadratmeter aber nur etwa 40 bis 50 Kilogramm – eine Klammerung ist also einleuchtend. „Es ist unter anderem von der Art der Dachdeckung, der Lage und der Gebäudegeometrie abhängig, wie viele Klammern nun konkret eingesetzt werden müssen“, kommentiert  Jürgen Lech, staatlich geprüfter Techniker/Hochbau und personenzertifizierter Sachverständiger für Dächer und Abdichtungen aus Essen.

Dachsicherung: Wieviele Klammern Sie brauchen, lässt sich berechnen

Dabei gibt es für den Dachdecker zwei Vorgehensweisen: Er kann sich nach den tabellarischen Empfehlungen richten oder eigene Berechnungen anstellen. „Die Tabellen gehen immer von dem sichersten Standard aus, mit dem die Norm auf jeden Fall eingehalten wird“, sagt Anders.

Bei individuellen Berechnungen ist somit die Anzahl der verwendeten Klammern geringer.“ Allerdings kostet eine solche Berechnung auch Zeit und somit Geld - „bei einem Einfamilienhaus kann es so passieren, dass die Berechnung teurer ist als die Ersparnis“, sagt Anders. Denn die Stückpreise einer Klammer liegen nur im zweistelligen Cent-Bereich.

Viele Versicherungen zahlen erst ab Windstärke 8 

Nachrüsten muss der Hauseigentümer nicht, es gilt Bestandsschutz für Altbauten. Das entbindet den Hausbesitzer aber nicht von der Wartung: Das Oberlandesgericht Hamm (Urteil vom 14.07.2010 – Az. 13 U 145/09) geht davon aus, dass er seiner Fürsorgepflicht nicht nachgekommen ist, wenn das Dach einer Windgeschwindigkeit bis 120 Stundenkilometern nicht standhält. Und Versicherungen zahlen in der Regel erst ab Windstärke 8. Das entspricht 63 bis 74 Stundenkilometern.

Unwissenheit schützt dabei vor Schaden nicht“, sagt der Sachverständige Lech. „Natürlich wird bei größeren Schäden überprüft, ob das Dach schon vorher schadhaft war oder erst durch den Wind geschädigt wurde“, so Lech.

Sturmschäden: Lassen Sie Ihr Dach einmal im Jahr warten

Ein Dach, welches jahrelang nicht gewartet wird, kann schon vorher größere Schäden aufweisen. Dies kann Kürzungen, eine Ablehnung zur Folge haben.“ Der Experte rät dazu, das Dach regelmäßig kontrollieren zu lassen, „etwa einmal im Jahr.“

Lassen Sie sich darüber einen Nachweis ausstellen, in dem auch schwarz auf weiß steht, dass eine komplette Überprüfung Ihres Daches  stattgefunden hat - und nicht etwa nur eine punktuelle Instandhaltung.

Es ist einleuchtend, dass der beste Dachdecker nicht vom einen Ende des Giebeldaches auch die andere Seite beurteilen kann“, so Lech. Der Vorteil: Fallen Schäden auf, etwa lose Dachziegel, dann kann günstig nachgebessert werden. Und außerdem kann bei der Gelegenheit auch gleich die Dachrinne gesäubert werden.

Vielleicht muss aber auch irgendwann ein neues Dach her, zum Beispiel, weil der energetische Standard des Hauses verbessert werden soll.

Neues Dach: Wie Sie den richtigen Handwerker auswählen

Bevor Sie einen Handwerker beauftragen, sollten Sie immer mehrere Angebote einholen und sich vor Ort die Leistungen erklären lassen – das ist Standard bei der Beauftragung von allen Handwerkerleistungen, somit natürlich auch bei der Dacheindeckung.

Ein Angebot kann dabei schon sehr aufwändig sein, etwa, wenn zusätzlich auch noch Berechnungen für eine Aufsparren-Wärmedämmung angestellt werden“, sagt Dachdecker-Experte Anders.

Manchmal stellt das der Handwerker in Rechnung.“ Allerdings muss er auf diese Kosten – die dann im Falle einer Auftragsvergabe meistens verrechnet werden – dann auch hinweisen. Natürlich wirbt Anders auch dafür, einen Innungsbetrieb zu wählen – seine Organisation ist der Dachverband dafür.

"Dachschaden": Entscheiden Sie sich für einen Innungsbetrieb

Bei Innungsbetrieben sei durch Weiterbildungsmaßnahmen gesichert, dass die Handwerker alle Normen kennen. Manche Landesverbände stellen auch einen technischen Berater zur Verfügung, wenn es vor Ort zu Streitigkeiten über die Leistungen kommt.

Gerade für den Laien ist und bleibt es aber sehr schwer, die Qualität der Arbeiten zu kontrollieren. Auch deshalb macht es manchmal Sinn, schon mit den Planungen einen Sachkundigen zu beauftragen. Jürgen Lech: „Als Laie muss man dem Dachdecker ein Stück weit vertrauen können, denn selbst aufs Dach steigen sollte man nicht.“

Je besser Materialien und Arbeiten dokumentiert sind, desto besser. Und gerade Laien sollten sich auch überlegen, einen Sachverständigen um die Begleitung der Maßnahmen und die Abnahme vor Ort zu bitten.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Vielleicht haben Sie gestern auch beim Sturm Niklas mit Argusaugen beobachtet, wie sich während des Unwetters Ihre große Tanne im Garten bedenklich nach rechts und links gebogen hat - und jedes Mal gehofft, dass sie bitte bitte nicht umstürzen möge. Insgeheim spielt sich in Ihrem Kopf vielleicht sogar ein Film über umgestürzte Bäume, beschädigte Häuser und Autos ab - und einem Nachbar, der wenig erfreut darüber ist, dass Ihre große Tanne jetzt auf seinem Hausdach liegt.
Topstory: Stahldachpfannen für das Dach: Noch nie gehört? Tatsächlich sind die in Deutschland noch nicht so bekannt wie die üblichen Tonziegeln.    Doch gerade bei Altbauten mit alten Dachstühlen, die schwere Dachziegel nicht mehr tragen können, bietet sich das edle Stahldach für das Haus an.
Topstory: Sie heißen Christian, Kyrill oder Paula und sie fegen mit großer Geschwindigkeit übers Land. Die Rede ist von Orkanen, die selbst vor Ihrem Dach nicht Halt machen: Steine und Pfannen landen schlimmstenfalls auf der Straße. Damit das nicht passiert, haben die deutschen Dachdecker jetzt stärkere Sicherungsmaßnahmen festgelegt.

 meineimmobilie.de-Tipp

Hausbesitzer können sich an vielen Stellen über das Thema Sturmsicherheit informieren und finden dort auch Sachverständige und Experten – eine kleine Auswahl.

  • Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e.V., Fritz-Reuter-Straße 1, 50968 Köln, Telefon: (0221) 398038-0, Website: www.dachdecker.de
  • Deutsches Instituts für Bautechnik, Kolonnenstraße 30 B, 10829 Berlin
  • Telefon: (030) 3078730-0, Website: www.dibt.de  -> „Zuordnung der Windzonen nach Verwaltungsgrenzen“: www.dibt.de/de/Service/Dokumente-Listen-TBB.html  (kostenloser Download als Tabelle)
  • Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e. V., Charlottenstr. 79/80, 10117 Berlin, Telefon: (030) 255938-0, www.bvs-ev.de/home/
  • Bundesverband Freier Sachverständiger e.V., Ratiborweg 1, 40231 Düsseldorf, (0211) 661111, http://www.bvfs.de
  • Jürgen Lech, www.lech-sv.de: Die Website des Sachverständigen hält viele Informationen rund ums Dach bereit.