Dienstag, 16.12.2014 | Autor: Jörg Stroisch , Foto: © K.-U. Häßler - Fotolia.com

Spannung im Haus: Wann Sie Ihre Elektroinstallation erneuern müssen

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Worum geht´s
  • Elektrosanierung in der Immobilie 
  • Neue Elektroleitungen verlegen

Ein kurzes "Klack" und es wird mal wieder dunkel im Haus: Die Sicherung ist rausgesprungen und Ihr Mieter sitzt im Dunkeln und ärgert sich. 

 

In Deutschland ist daran nur selten der Netzbetreiber schuld. Oft verursacht eine veraltete Elektroinstallation den Stromausfall. Für den Vermieter ist allerdings die Sanierung der Elektroinstallation eine teure und aufwendige Angelegenheit.

Leitung läuft heiß? Das kann teuer werden 

Spätestens, wenn die Leitungen ständig heiß werden, steht womöglich eine höhere Investition im eigenen Haus an: die Elektroinstallation. „Eine veraltete Elektroinstallation birgt Risiken“, kommentiert Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).

Was damals, zum Beispiel in den 50er-, 60er- oder auch 70er-Jahren, noch Stand der Technik war, ist für heutige Zwecke oft nicht mehr ausreichend.“ Beispiel FI-Sicherheitsschalter: Dechert erklärt, dass diese in den 50er-Jahren noch nicht verbaut wurden, „heute aber wichtiger Standard“ seien.

FI-Sicherheitsschalter erhöhen die Sicherheit

Bei den FI-Sicherheitsschaltern handelt es sich um Fehlerstromschalter, die verhindern sollen, dass gefährlich hohe Fehlerströme gegen die Erde fließen. Sie reduzieren die Anzahl der gefährlichen Stromunfälle im Haushalt und erhöhen somit die Sicherheit im Haushalt um ein Vielfaches.

Warum Mehrfachstecker und Steckerleisten so gefährlich sind

Georg Schruff, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Elektrotechnik in Aachen, schätzt, dass 20 bis 30 Prozent der Schadensfälle durch die Überlastung von Leitungen entstehen.

Ein großes Problem sind hier zum Beispiel diverse angebrachte Steckerleisten, mit denen dann zum Beispiel die nur ein bis zwei im Raum vorhandenen Steckdosen kompensiert werden sollen“, beschreibt er. Die Belastung sei dann zu hoch, Brände können die Folge sein.

Messprotokoll: Für nur 150 EUR sind Sie haftungsfrei

Wenn etwas passiert, stellt sich die Haftungsfrage: „Ein Vermieter muss hier für eine dem Zweck entsprechende sichere Anlage sorgen“, sagt der Sachverständige Schruff. „Ein großes Problem ist es, dass in manchen Städten bei einem Mieterwechsel der Neumieter sprichwörtlich gesprochen schon mit der nassen Tapete in der Hand wartet, während noch an den Leitungen herumgeschraubt wird.“

Der Vermieter haftet dann für die entstehenden Schäden. Schruff rät deshalb dazu, bei jedem Mieterwechsel vom Experten ein Messprotokoll erstellen zu lassen, das bestätige, dass die Installation intakt sei. Kostenpunkt: etwa 150 Euro. Verbandsgeschäftsführer Dechert hält sogar eine standardmäßige Überprüfung alle vier Jahre für sinnvoll.

Wieviel Sie eine Elektrosanierung kostet

Erfahrungsgemäß kostet Sie eine Elektrosanierung schätzungsweise 35 Euro/Quadratmeter aufwärts im Internet.

Letztendlich hängen die tatsächlichen Kosten nicht nur davon ab, wie leicht und strukturiert die neuen Leitungen zum Beispiel im Haus angebracht werden können, sondern auch von Ihren Komfortwünschen.

Die Frage nach den Kosten ist ganz schwierig, denn es hängt von den Wünschen und Gegebenheiten ab“, sagt so auch Verbandsgeschäftsführer Dechert. Aber: „Eine komfortablere Ausstattung in Richtung Gebäudesystemtechnik kostet im Vergleich zu den Mindestanforderungen mindestens 60 Prozent mehr.“ So kann man heute auch über eine App die Haustechnik überwachen lassen, komplexe  Lichtszenen einprogrammieren oder Abläufe bestimmen.

In der Küche müssen mindestens 5 Steckdosen sein

Schon die Standardausstattung nach DIN-18015-2 oder die 1-Sterne-Bewertung nach RAL schreibt in Küche und Wohnzimmer mindestens fünf allgemeine Steckdosen vor. Dabei sind die Anschlüsse für Licht, die Kaffeemaschine, das Radio und den Fernseher noch nicht mitgezählt.

Mindestens 10 Steckdosen gehören zu einer Komfortausrüstung

Beim Hausneubau muss sich der Bauherr nach diesen Standards richten, für Altbauten gilt aber Bestandsschutz. Und Dechert warnt: „Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestausstattung reicht bei weitem nicht aus.“

Mögliche Nutzungsänderungen sollten berücksichtigt werden. Bei der 3-Sterne-Komfortausrüstung nach RAL gehen die Empfehlungen dann schon hoch auf zehn allgemeine Steckdosen in der Küche und bis zu elf im Wohnzimmer.

Elektroinstallation: Holen Sie mehrere Angebote ein

Und wie immer gilt: Das günstigste Angebot ist nicht immer das beste. „Es macht Sinn für den Bauherrn, sich mit dem Handwerker an einen Tisch zu setzen und die Möglichkeiten zu diskutieren“, so Dechert. „Es ist auch die Frage, ob der Elektroinstallateur in dem angefragten Bereich überhaupt erfahren ist. Da hilft es dann, sich Referenzen nennen zu lassen.“

Angebote einholen: Besser fragen statt nur kopieren

Der Sachverständige Schruff warnt aber den Laien davor, einfach ein vorformuliertes Angebot oder den Text des ersten Handwerkers zu kopieren und an weitere Handwerker zu senden: „Da setzt sich dann der einmal gemachte Fehler einfach fort“, so Schruff.

Viel besser ist es, sich genau anzuhören, was die einzelnen Handwerker zu sagen haben.“ Ein Vor-Ort-Termin sei dabei wichtig: „Handwerker, die ohne Vor-Ort-Termin ein Angebot versenden, würde ich generell nicht beauftragen.“

Die Gebäudesteuerung muss ein Fachmann prüfen

Ohnehin sei es für einen Laien nicht kontrollierbar, ob der Handwerker gut arbeite, nur der gesunde Menschenverstand könne hier vor Schaden bewahren.

Der Extremfall: Funktioniert die Gebäudesteuerung nicht wie gewünscht, und muss dann ein Sachverständiger wie Georg Schruff den Schaden begutachten, dann kann das schnell sehr teuer werden. „Wenn ich dann schon Schwierigkeiten habe, das Programm überhaupt auszulesen und jede Zeile kontrollieren muss, dann ist es fast genauso teuer, wie eine komplette Neuprogrammierung.“

Kommentare (1)

11.10.2016, 11:58 Uhr von BiancaH Profil ansehen
Das wichtigste wird in diesem Artikel zum Glück angesprochen: Angebote einholen und Profis miteinander vergleichen! Dass eine Elektrosanierung kostspielig ist, das sollte jedem klar sein. Dass man dabei nicht knausern sollte ebenfalls (hält ja dann wieder lange genug). Das bedeutet aber nicht, dass man sich ausnehmen lassen muss. Wenn ich mich recht zurück erinnere, haben mein Mann und ich damals bei der Elektrosanierung seines Elternhauses 6 Baufirmen angeschrieben (es wurde letzten Endes http://www.koenig-heinrich.at/) und da ergaben sich teilweise ganz große Differenzen. Also Augen auf und nicht das (scheinbar) erstbeste Angebot annehmen! LG Bianca
Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Wer barrierefrei umbauen möchte, muss nicht nur einfach die Dusche bodengleich bauen lassen oder auf Schwellen und Stufen in der Immobile verzichten. Auch der Griff zum Lichtschalter und andere Elektroinstallationen spielen eine große und wichtige Rolle für eine angenehmeres und unabhängigeres Leben im Alter. 
Topstory: Ein Herd in der Küche – und das war es: In den 50er-Jahren gab es viele Elektroklein- und -großgeräte noch nicht als Standard. Und entsprechend wurden auch die Stromleitungen und -kreise ausgelegt. Auch aus Sicherheitsgründen ist oftmals eine grundlegende Sanierung ratsam.
In Deutschland gibt es etwa zwei Millionen Blitzeinschläge pro Jahr und Schäden in Millionenhöhe. Mit einem Blitz- und Überspannungsschutz können Immobilienbesitzer Schäden vermeiden. 

 meineimmobilie.de-Tipp

Die Elektroinstallation in einer Wohnung ist natürlich Thema des Elektrohandwerkes. Verschiedene Websites informieren darüber.

 

  • Initiative Elektro +, www.elektro-plus.com: Initiator ist unter anderem der Zentralverband der Elektroindustrie. Im Bereich „Downloads“ gibt es auf der Website die Broschüre „Modernisierungsratgeber“ zum kostenlosen Herunterladen, in der zum Beispiel die unterschiedlichen Standards bei Elektroinstallationen beschrieben sind.

 

  • Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH): Die zentrale Vertretung der Branche organisiert zum Beispiel Elektrotechniker. Lilienthalallee 4, 60487 Frankfurt am Main, Telefon: 069/247747-0. www.zveh.de

 

  • Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung (HEA): Die HEA bündelt viele Informationen rund um die Elektroinstallation. Unter anderem gibt es im HEA-Shop auch eine Broschüre mit den RAL-Kriterien. Reinhardtstraße 32, 10117 Berlin, Telefon: 030/300199-0, www.hea.de