Donnerstag, 16.10.2014 | Autor: Heidi Schnurr, Rechtsanwältin, Foto: © bill_17 - Fotolia.com

Richtig oder falsch? Die 7 häufigsten Nachbarrechts-Irrtümer

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Worum geht´s

Unkraut, Lärm, Laub und Rasenmähen: Was der Nachbar darf und was nicht.

Gesetzliche Ruhezeiten, wucherndes Unkraut und die faulen Äpfel, die im Herbst immer vom Baum des Nachbarn rüber auf Ihr Grundstück fallen.

Was können Sie als Grundstückseigentümer von Ihrem Nachbarn erwarten und wo spielen das Gesetz, die Gerichte oder auch die Behörden nicht mehr mit?

 

Vermeiden Sie diese 7 Nachbarrechts-Irrtümer

Gerade bei nachbarrechtlichen Fragen grassiert viel Halbwissen und sorgt – zumeist völlig unnötig! – für schlechte Stimmung überm Gartenzaun. Deswegen hier 7 typische Nachbarschafts-Irrtümer und wie sie sich vermeiden lassen:

1. Herüberhängendes Obst gehört dem Nachbarn.

Falsch: So lange das Obst noch am Baum hängt, gehört es dem Baumbesitzer. Fällt es runter, gehört es dem, auf dessen Grundstück es gefallen ist.

2. Samenflug? Das ist verboten!

Falsch: Gegen fliegendes Unkraut vom Nachbargrundstück sind Sie machtlos! Das gilt nur als unwesentliche Beeinträchtigung.

3. Der Nachbar darf so oft Schlagzeug spielen wie er will.

Falsch: Bei Hausmusik müssen die Zimmerlautstärke und die Ruhezeiten eingehalten werden. Teilweise urteilen die Gerichte auch, dass nach 19 Uhr nicht mehr geübt werden darf.

4. Jeder darf an seinem Grundstück eine Videokamera anbringen.

Falsch: Sobald mit der Kamera nicht nur der eigene Hauseingang oder das eigene Grundstück gefilmt werden, können Nachbarn, Hausbewohner oder Passanten ein Unterlassen verlangen, falls sie sich durch das ungewollte Filmen in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt fühlen!  

5. Wenn Sie an Ihrer Hauswand was reparieren müssen, dürfen Sie zum Nachbarn rüber.

Falsch: Sie können sich zwar auf das Hammerschlags- und Leiterrecht berufen, das Sie zum Betreten des Nachbargrundstücks berechtigt. Allerdings nur, wenn die Arbeiten zwingend nur vom Nachbargrundstück aus durchgeführt werden können und Sie Ihre Aktion dem Nachbarn rechtzeitig angekündigt (Beginn, Dauer, Art und Umfang der Arbeiten) haben.

6. Sie dürfen Ihre Hecke schneiden, wann Sie wollen.

Falsch: Ein Rückschnitt darf immer nur in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 15. März erfolgen.

7. Der Nachbar darf den Rasen mähen, wann er will.

Falsch: Zum einen gilt die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung. Danach dürfen Sie geräuschintensive Gartengeräte nur werktags – also von Montag bis Samstag – in der Zeit zwischen 7 Uhr und 20 Uhr benutzen. Aber auch nicht durchgehend, denn zusätzlich…

… muss sich Ihr Nachbar auch an die üblichen Ruhezeiten halten. Da diese allerdings von Bundesland zu Bundesland und sogar von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein können, sollten Sie sich vorab über die in Ihrem Stadtgebiet geltenden Ruhezeiten informieren.

Kommentare (1)

22.10.2014, 19:57 Uhr von Irmel M. Profil ansehen
Zu Punkt 6 (Heckenschnitt) ist zu ergänzen, dass es von Oktober bis Februar auch erlaubt ist, Hecken „abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen“. Von März bis September ist der Heckenschnitt nicht gänzlich untersagt, es sind jedoch nur „schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses“ zugelassen (§ 39 Bundenaturschutzgesetz). Dabei ist zudem Rücksicht auf möglicherweise gerade stattfindende Bruten zu nehmen, die nur in besonders begründeten Fällen gestört werden dürfen. Zu Punkt 7 (Rasenmähen) ist zu ergänzen, dass besonders laute Rasenmäher sowie ähnliche Geräte (Freischneider, Benzinrasenmäher, Laubbläser, Laubsammler ohne EU-Umweltzeichen) in Wohngebieten nur von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr werktags betrieben werden dürfen, und zwar bundesweit (32. Bundesimmissionsschutz-Verordnung).
Vielen Dank für die erhellenden Hinweise!
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber
Foto: Heidi Schnurr / Bildschön, Laila Weber

Es schreibt für Sie

Heidi Schnurr arbeitet als Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Mietrecht für Vermieter. Ihre Praxis-Tipps speziell für Vermieter finden sich in zahlreichen Fachpublikationen, Loseblattwerken, Büchern und ...
Heidi Schnurr
Es hämmert und es rumpelt. Ständig fahren Baufahrzeuge hin und her. Zudem wird der Kranführer den ganzen Tag lautstark angewiesen, wohin die angelieferten Bauteile müssen. Und das schlimmstenfalls schon ab 6 Uhr morgens! Ja, Baulärm ist nicht jedermanns Sache und das schon gar nicht, wenn sich die Baumaßnahme nebenan über 2 Jahre hinzieht. Also wenig verwunderlich, dass Ihnen Ihr Mieter die Miete kürzt. Die Mieteinbußen wollen Sie vom bauwütigen Nachbarn ersetzt haben.
Wer sein Haus dämmt, vergrößert damit automatisch den Umfang seiner Immobilie. Doch des einen Freud' ist des Nachbarn Leid, denn damit verringert sich der Abstand rüber zum Nachbar – und der könnte darüber weniger erfreut sein!  
Ein schnarchender Ehepartner ist eine Sache, ein schnarchender Nachbar eine andere. Worin liegt der kleine, aber feine Unterschied? Der liegt jedenfalls nicht nur darin, dass Sie mit dem einen verheiratet und dem anderen nur bekannt sind. Gleich 2 Gerichte mussten sich mit Schnarchern beschäftigen. Wer am Ende die Nase vorn hatte, lesen Sie hier.

 meineimmobilie.de-Tipp

Ganz gleich, wie laut Ihr Nachbar die Musik aufdreht, wie weit seine Hecke zu Ihnen rüberwächst oder wie oft er mit seinem Laubbläser während der Mittagszeit im Garten hantiert: Vor dem ersten bösen Brief an Ihren Nachbarn oder sogar dem Gang zum Gericht sollte immer das persönliche und freundliche Gespräch stehen – selbst wenn der erste Schritt vielleicht schwer fällt!