Dienstag, 11.02.2014 | Autor: joestr, Foto: © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Pfusch am Bau: Wie sich dieser Stress vermeiden lässt

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Worum geht´s

Die Energieberatung ist der Einstieg in die energetische Modernisierung des eigenen Hauses. Wichtig ist, dass die Berater auch wirklich unabhängig von irgendwelchen Herstellern sind.

Topstory: Die Decke ist nass, der Putz fällt von den Wänden: Typische Fehler, die fast bei jedem Hausbau oder energetischen Modernisierung passieren können - leider! Gerade Laien können allerdings schwer einschätzen: Ist das schon ein Mangel oder nicht? In solchen Fällen hilft eine unabhängige Bauberatung und -begleitung.

11,9 Prozent aller an privaten Bauwerken festgestellten Mängel erweisen sich als besonders schadensträchtig, analysierte der Bauherren-Schutzbund zusammen mit dem Institut für Bauforschung anhand von 2.500 Schadensfällen und Betreuungsprojekten.

Baumängel: Oft scheitert es schon an der Abdichtung

Vor allem mängelanfällige Abdichtungsarbeiten sind mit 16,6 Prozent der untersuchten Bauschäden ein besonderer Schwerpunkt. 40 Prozent der Feuchteschäden resultieren aus einer schlecht ausgeführten Abdichtung. 52 Prozent basieren bereits auf einem klassischen Planungsfehler.

Schlüsselfertig: Unterscheiden Sie eine Werbebotschaft von einem Versprechen

Jeder Hausbau hat so seine Tücken. Das beginnt schon mit Begriffen, wie "schlüsselfertig" und "Festpreis". "Das sind reine Werbebotschaften ohne Aussagekraft", warnt Eva Reinhold-Postina, Bauexpertin beim Verband Private Bauherren (VPB), zusätzlich: "Dabei besteht hier Vertragsfreiheit - und deswegen kommt es auch auf die Vertragsdetails an."

Klar, will jeder von Anfang an auf gute Qualität achten - aber eben auch nicht um jeden Preis! Gerade Laien sind damit überfordert. Schon die rechtliche Position, die ein Bauherr hat, ist oftmals schwierig: Denn der durch die Baufirma gestellte Bauleiter ist in erster Linie bereits der Baufirma verpflichtet. "Er ist nicht immer der Interessenwahrer des Bauherrn", beschreibt Peter Dirk, Bauberater der Verbraucherzentrale Berlin.

Pfusch am Bau: Nicht mit einem Baubegleiter

Der Hausbauer ist rein formalrechtlich noch nicht mal so etwas wie der Bauherr, sondern nur der Erwerber einer fertigen Leistung.

Geld fließt dennoch regelmäßig, nämlich immer dann, wenn ein Bauabschnitt abgenommen wird. Spätestens hier ist Sachverstand gefragt, denn Pfusch am Bau kann weitreichende Folgen haben. Um diese Wissenslücke zu schließen, helfen Baubegleiter.

Baubegleiter: Wie Sie die Spreu vom Weizen trennen

Aber leider ist die Wahl eines guten Beraters auch nicht so einfach, denn der Titel schmückt im Zweifel nur, sagt aber wenig aus: "Berater darf sich jeder nennen, auch Sachverständiger oder Gutachter", warnt Reinhold-Postina. "Entscheidend ist hier, auf die Qualifikation zu achten." Ein Weg dazu ist der Nachweis - und die Kontrolle - von Referenzen, viel Erfahrung sollte der Begleiter etwa im Bereich Einfamilienhaus vorweisen.

Baubegleiter: Achten Sie darauf, ob sein "Feindbild" stimmt

Ein guter Baubegleiter darf außerdem nur für den Bauherren arbeiten. Mancher selbst ernannte Bauberater steht gleichzeitig auf der Lohnliste eines Schlüsselfertiganbieters oder Finanzdienstleisters. Davor warnt Reinhold-Postina: "Ein bisschen pauschal ausgedrückt: Das Feindbild des Baubegleiters sollte klar definiert sein, nämlich zugunsten des Bauherren."

Wie viel Sie ein Baubegleiteter kostet

Diese Unabhängigkeit kostet leider Geld: Eine Beraterstunde schlägt mit 60 bis 100 Euro zu Buche. Bei einer Rundum-Baubetreuung muss der Bauherr mit ungefähr 1 - 1,5 Prozent der Bausumme rechnen: "Im Durchschnitt können so nach Erhebungen des VPB beim Einfamilienhaus Mängel und auch Planungsfehler im Wert von 25.000 Euro verhindert werden", beschreibt Reinhold-Postina.

So eine Rundum-Baubetreuung kostet Sie bei einem Bauvolumen von 250.000 Euro erfahrungsgemäß nur etwa 2.500 Euro.

Die Kosten für eine bloße Beratung können je nach Auftrag unterschiedlich hoch ausfallen: So dauert die Durchsicht der Bauleistungsbeschreibung nur wenige Stunden. Für ein gutes Sanierungsgutachten einer Altimmobilie ist dagegen schon eine Vor-Ort-Begehung notwendig.

Energieberatung: Kleine Maßnahme, große Wirkung

Ein sehr wichtiges Beratungsfeld ist seit einigen Jahren der Bereich Energie: "Oftmals lässt sich bereits mit kleinen Maßnahmen oder Verhaltensänderungen beim Heizen und Lüften viel Energie sparen", beschreibt Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW.

Wer eine Modernisierung plant, sollte gleich eine staatlich geförderte Energieberatung in Anspruch nehmen. Damit kommen Sie auch gleich zu einem Energieausweis.

Energieberatung: Finger weg von Billiganbietern

"Eine gute Energieberatung beinhaltet immer auch eine Vorort-Begehung", skizziert Romy Reichenberger, Energieberaterin bei der Deutschen Energieagentur (dena). Der Preis für eine Beratung kann sehr unterschiedlich sein und hängt auch von der Größe des Bauprojekts ab.

Prinzipiell rät sie von Billigangeboten für 30 Euro im Internet ab, da diese in der Regel nicht umfassend genug sind. Denn letztendlich gilt für jede Beratung: Nur, wenn sich der Berater oder Begleiter im Sinne des Bauherrn intensiv mit allen Details auseinandersetzt, ist eine Energieberatung ein wirklicher Zusatznutzen, der Ihnen unterm Strich Geld sparen kann.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
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