Montag, 05.01.2015 | Autor: Jörg Stroisch , Foto: © openlens - Fotolia.com

Nachträglicher Aufzugseinbau: Was Sie das kostet

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Worum geht´s
  • Aufzugseinbau in Neubau
  • Aufzug nachrüsten in Altbau
  • Aufzugskosten

Würden Sie nicht auch fluchen, wenn Sie mit 2 Sprudelkisten 3 Stockwerke nach oben laufen müssten - und das jede Woche! Von den sonstigen Einkäufen einmal gar nicht zu reden.

Dabei wird die Gesellschaft immer älter. Deswegen ist ein Aufzug im Haus ein immer wichtigeres Kriterium bei der Wohnungswahl.

Doch Aufzug ist nicht Aufzug: Viele Fehler werden dabei oft schon vor der eigentlichen Montage gemacht.

Laut Schätzung des RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft gibt es in Deutschland über 800 Unternehmen, die Aufzüge produzieren, einbauen oder warten. Etwa 17.000 bis 18.000 Beschäftigte zählt die Branche. Aufzüge dienen dazu, den Komfort eines Hauses zu erhöhen, aber auch der Aspekt Barrierefreiheit wird immer wichtiger.

Das ist dann vielleicht ein wichtiges Vermietungskriterium gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die Bevölkerung in Deutschland immer älter wird und es gerade auch Senioren immer stärker in die Städte zieht. Allerdings ist der Preis für einen nachträglichen Aufzugseinbau auch hoch.

Aufzugseinbau: Bei Neubauten ab 5 Stockwerken Pflicht

Sind Aufzüge bei Neubauten ab fünf Stockwerken heute Vorschrift, gilt für Altbauten Bestandsschutz. Das Nachrüsten ist allerdings wesentlich aufwendiger als der eingeplante Einbau beim Neubau.

Nachträglicher Einbau: Was Sie ein Einbau im Altbau kostet

Bei Altbauten gibt es kein Standardkonzept für den Aufzugseinbau“, begründet das Klaus Sautter, Geschäftsführer des Komponentenbauers und Aufzugsplaners SLC Sautter Lift Components und als Vorstandsmitglied des Branchenverbands VFA-Interlift zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Es muss immer die Einbausituation betrachtet und dann sehr individuell geplant werden.“

Die Folge: Die Kosten sind ohne Kenntnis des Gebäudes pauschal schwer bezifferbar. Sautter schätzt sie ab 60.000 Euro für eine einfache Vier- bis Fünf-Haltestellenvariante ohne Schacht und dann mit Glasschachtgerüst zum Beispiel im Treppenauge ab 100.000 Euro. Die Luxusvariante dürfte demnach etwa 150.000 Euro kosten.

Bauantrag: Mit diesen Baunebenkosten müssen Sie rechnen

Hinzu kommen aber noch Baunebenkosten, die der Experte mit etwa 30 Prozent von den Erstellungskosten beziffert. Ein Grund: „Es muss eine offizielle Baugenehmigung eingeholt werden“, sagt Sautter. „Und dafür ist die Beauftragung eines Architekten und eines Prüfstatikers zwingend erforderlich.“

Auch der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen: Während die eigentliche Montage etwa einen Monat dauert, ist inklusive Planung und Bauantrag eine Dauer von etwa einem halben Jahr realistisch.

Aufzugseinbau: Wie Sie Planungsfehler vermeiden

Zwei bis drei Angebote sollte sich ein Hausherr auf jeden Fall einholen, bevor er einen Auftrag vergibt, rät Thomas Pfaff, Experte für Aufzüge beim TÜV Rheinland. „Die Tücke liegt ja einfach in der Besonderheit der Nutzung des Aufzugs: Er muss für jeden Menschen ohne Einweisung nutzbar sein, er unterliegt als wichtiges Personenbeförderungsmittel keiner ständigen Betriebsaufsicht.“

Vergisst der Aufzugsbauer wichtige Planungsleistungen, fällt das zwar spätestens bei der Vorprüfung auf Basis der Aktenlage durch eine zugelassene Überwachungsstelle auf: Immer wieder sind die Fehler banal und deswegen umso ärgerlicher!

Etwa, wenn Ihr Aufzug zwar behindertengerecht gestaltet ist, aber zuerst ein paar Stufen überwunden werden müssen, um ihn verwenden zu können.

Jeder Aufzug braucht einen Schutzraum

Auch ein zu kleiner Schutzraum für spätere Wartungsarbeiten am Aufzug wirkt sich aus. „Ist der nicht ausreichend dimensioniert, ist das zum Beispiel ein gravierender Mangel“, so Sautter.

Ein guter Aufzugsbauer macht sich vor Ort selbst ein Bild über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Aufzugsvarianten und informiert Sie darüber. „Es hängt immer von den Gegebenheiten vor Ort ab und was der eigene Wunsch ist, wie ein Aufzug gestaltet werden kann“, so Pfaff. Üblich sind hier der Hydraulikaufzug oder der Seilaufzug.

Aufzugseinbau: Worauf Sie beim Preisvergleich achten sollten

Dabei birgt schon ein Preisvergleich so seine Tücken: Die Produkte der Marktführer seien zwar oft auf den ersten Blick billiger, beschreibt Pfaff, sie hätten aber auch einen Haken: “Die Komponenten sind nicht standardisiert und vor allem ist die Programmierung der Anlage oft verschlüsselt. Damit ist der Hausbesitzer an einen Hersteller bei der Wartung und Instandsetzung gebunden.“

Und das kann richtig ins Geld gehen, Vollwartungsverträge würden oft 4-stellige Beträge pro Jahr verschlingen: „Damit wird im Verlauf von etwa 20 Jahren der Aufzug mindestens noch ein zweites Mal bezahlt“, rechnet Pfaff vor. Der kluge Hausherr hat also die Gesamtkosten im Blick.

Laufende Aufzugskosten: Alle 2 Jahre kommt der TÜV

Bevor der Aufzug das erste Mal fährt, muss er durch ein dafür zertifiziertes Unternehmen abgenommen werden, zum Beispiel durch den TÜV. Alle zwei Jahre gibt es dann in der Regel eine Hauptuntersuchung („wiederkehrende Prüfung“) und in den Jahren dazwischen eine Zwischenprüfung.

Zusätzlich kommt der Aufzugsbauer dann regelmäßig für Wartungsarbeiten vorbei. „Wer 40 Euro für eine Wartung bezahlt, kann keine vernünftige Leistung erwarten“, sagt Pfaff.

8.000 Euro pro Jahr für die Vollwartung sind allerdings auch viel zu teuer.“ Für eine normale Zwischenprüfung bei einer Standardanlage mit vier Haltestellen fallen etwa 150 Euro an, eine Hauptprüfung kostet ungefähr 300 Euro. Insgesamt werden sich die Kosten auf etwa 1.000 bis 1.200 Euro pro Jahr belaufen.

Aufzug: Sorgen Sie dafür, dass der Notruf funktioniert

Pfaff mahnt dringend dazu, bei den Wartungskosten nicht zu sparen: „Tatsache ist, dass ein Aufzug eine überwachungsbedingte Anlage ist. Dazu gibt es Vorschriften.“

Allerdings werde die Pflichtüberwachung der Aufzüge in Deutschland staatlicherseits seit 2003 nicht mehr lückenlos kontrolliert. „Es können schwerwiegende Mängel auftreten. Dazu gehört insbesondere, dass der Notruf nicht funktioniert und eine eingeschlossene Person nicht aus dem Fahrkorb befreit wird, der Fahrkorb nicht bündig anhält oder dass man sich zwischen Fahrschacht und Korb oder an der Schachttür einklemmt.“

Abstürze – wie sie in manchen Filmen gerne zelebriert werden – seien hingegen unrealistisch. „Aufzüge sind mehrfach dagegen gesichert“, sagt Pfaff. „Hingegen zu unkontrollierten Bewegungen etwa durch nicht funktionierende Bremsen kann es schon kommen.“

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
In Deutschland besteht ein hohes Sicherheitsniveau bei technischen Anlagen, sofern sie regelmäßig durch eine zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) geprüft werden. Doch für rund ein Drittel aller Aufzüge in Deutschland liegen trotz gesetzlicher Verpflichtung keine Informationen über den technischen Zustand vor.
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Sie bauen einen Aufzug ein: Allein das war schon teuer genug! Jetzt kommen noch die laufenden Kosten dazu: Welche davon können Sie als Vermieter dem Mieter auf die Betriebskostenabrechnung setzen? So viel schon mal vorweg: Leider nicht alle! Welche die Gerichte erlauben, erfahren Sie hier.
Bleibt der Aufzug einmal stecken, sind sich die Gerichte uneins, ob Sie die Kosten dem ...

 meineimmobilie.de-Tipp

Die Aufzugsbauer und -planer haben sich in verschiedenen Verbänden organisiert, die auch Mitgliederlisten bereitstellen.

  • Vereinigung mittelständischer Aufzugsunternehmen, Gewerbepark 10, 49143 Bissendorf, Web: www.vma.de, Telefon 05402 6080450
  • VFA-Interlift, Rahlau 62, 22045 Hamburg, Web: www.vfa-interlift.de, Telefon: 040 72730150
  • Fachverband Aufzüge und Fahrtreppen im VDMA, Lyoner Straße 18, 60528 Frankfurt, www.vdma.org, Telefon: 069 6603-1322