Montag, 11.11.2013 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: Agentur: MEV

Modernisierung: Was Ihnen ein Aufzug im Haus bringt

Foto: Agentur: MEV
Worum geht´s
  • Barrierefreiheit durch Aufzug-Einbau
  • Schritt für Schritt einen Aufzug nachträglich einbauen
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Topstory: Aufzugsanlagen gibt es schon ab 0,28 Quadratmeter Grundfläche. Sie erhöhen zwar merklich den Komfort für die Bewohner, kosten aber auf der anderen Seite auch ne Stange Geld. Noch dazu, weil Sie für die Planung einen Architekten brauchen. 

Laut Schätzung des RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrums der Deutschen Wirtschaft gibt es in Deutschland über 800 Unternehmen, die Aufzüge produzieren, einbauen oder warten. Etwa 17.000 bis 18.000 Beschäftigte zählt die Branche.

Aufzüge erhöhen den Komfort eines Hauses und sind gerade unter dem Aspekt „Barrierefreiheit“ für ältere Mieter bei der Wohnungsauswahl immer beliebter.

Ein Aufzug kostet Sie cirka 100.000 Euro

Allerdings sind auch die Kosten immens: Etwa 100.000 Euro muss ein Vermieter eines vier- bis fünfgeschossigen Hauses für die Gesamtmaßnahme – also Aufzug, Schacht oder Schachtgerüst und Baunebenleistungen - investieren.

Wohlgemerkt sind bei luxuriöseren Varianten nach oben hin keine Grenzen gesetzt.

Ein Aufzug erhöht Ihre Vermietungschancen

Das Geld lässt sich nur schwer wieder über eine höhere Miete wieder hereinholen: „Ein wichtiges Argument für einen Aufzug ist deshalb eben der Komfort“, kommentiert Anno Klinkenberg, Sachverständiger für Aufzüge beim TÜV Rheinland.

Wenn sich Vermieter mithilfe eines Aufzugs auf bestimmte Zielgruppen – beispielsweise ältere oder behinderte Menschen – fokussieren, erhöhen sie potenziell die Vermietbarkeit ihrer Immobilie.“

Mit welcher Bauzeit Sie rechnen müssen

Etwa 6 Monate, schätzt Ulrich Schumacher, Inhaber der gleichnamigen mittelständischen Aufzugsfirma, müssen Bauherren einrechnen von der Planung an bis zur ersten Nutzung. „Wir verbauen maßgeschneiderte Unikate“, beschreibt der Aufzugsbauer.

Dabei spielt die Planung eine wesentliche Rolle. Viele Hauseigentümer vergessen hier eine wichtige Regelung: Das Bauamt muss diese Maßnahme genehmigen. „Das bedeutet aber auch, dass immer ein Architekt eingesetzt werden muss“, beschreibt Klinkenberg. Dieser errechnet nicht nur die zur Verfügung stehenden Flächen für den Aufzugsschacht, sondern muss sich ebenfalls um statische Maßnahmen kümmern.

Zudem ist die Auswahl an technischen und gestalterischen Möglichkeiten heutzutage sehr groß“, kommentiert Klinkenberg. Somit spielt ein Architekt auch bei der Ausschreibung und der Auswahl der Firma eine große Rolle, denn er muss auch inhaltlich stark differenzieren, welche Lösung für den jeweiligen Fall die sinnvollste ist.

Viele Architekten sind mit einer Aufzugsfirma verheiratet“, kritisiert so Klinkenberg. „Deshalb sehe ich in meiner Gutachterpraxis sehr häufig funktionierende Aufzüge, die aber eigentlich nicht zu dem jeweiligen Haus passen.“

Ein- oder angebaut: Diese zwei Varianten sind möglich

Zwei Varianten werden in Wohnhäuser eingebaut: Aufzüge, die ins Treppenhaus integriert sind und Aufzüge, die vor die Hauswand gestellt werden. In 90 Prozent der Fälle werden heute Aufzugsanlagen errichtet, die keinen Triebwerksraum mehr benötigen.

Die Steuerungseinheit ist dabei häufig in der Türzarge des Aufzugs untergebracht. „In der Ausstattung sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, beschreibt Ulrich Schumacher.

Das Material der Kabine müsse aus schwer entflammbarem Material bestehen, das ist eine Vorgabe. Somit können Edelstahl, Glas, aber auch speziell bearbeitetes Holz zum Einsatz kommen. Auch die Bedienknöpfe gibt es in allen Formen und Farben, die Aufzugskabine kann zum Beispiel auch auf jeder Etage ihr Licht wechseln.

Auch in der Größe sind wir sehr flexibel“, sagt Schumacher. So kann der Aufzugsbauer komplette Aufzugsanlagen auf einer Grundfläche von einem Quadratmeter realisieren, die Kabine würde dann 40 x 60 Zentimeter Platz bieten. „Das ist dann aber wirklich echte Ingenieurskunst“, so der Aufzugsbauer. „Da kommt es dann auf jeden Millimeter an.“

Aufzugsarten: Wie Sie sich für den Richtigen entscheiden

Somit ergibt sich die Qual der Wahl. „Der Hausbesitzer sollte sich deshalb im Vorfeld genau darüber Gedanken machen, was er eigentlich bezwecken will“, so Klinkenberg. So kommt es in der Praxis immer wieder vor, dass zwar ein Aufzug im Haus die 1,10 x 1,40 Meter große Kabine besitzt, in die auch Rollstühle hineinpassen.

Aber das Haus selbst ist dann nur über mehrere Stufen zugänglich“, beschreibt Klinkenberg und kritisiert: „Viele Häuser werden heute einfach zu lieblos entworfen, da passieren dann solche Fehler.“ So sei ein enges Zusammenspiel mit dem Architekten gefragt und der Hausbesitzer sollte unbedingt auch seine eigenen Ideen einbringen.

Neuer Aufzug: Erst abnehmen, dann warten

Bevor der Aufzug das erste Mal fährt, muss es durch ein dafür zertifiziertes Unternehmen abgenommen werden, zum Beispiel durch den TÜV. Alle zwei Jahre gibt es dann in der Regel eine Hauptuntersuchung („wiederkehrende Prüfung“) und in den Jahren dazwischen eine Zwischenprüfung. Zusätzlich kommt der Aufzugsbauer dann regelmäßig für Wartungsarbeiten vorbei.

Hier ist es interessant, eine Firma zu wählen, die mit herstellerunabhängigen Komponenten arbeitet“, empfiehlt Klinkenberg. Denn gerade die international agierenden großen Hersteller bauen nach eigenen Baukastenprinzipien, die dann Monteure eines Konkurrenzbetriebs nicht einfach bedienen können.

Ein Notrufsystem kostet Sie zusätzlich 1.000 Euro im Jahr 

Ein Notrufsystem, bei dem auch gleich der Standort des Aufzugs übermittelt wird, ist ohnehin Pflicht. Das alles kostet Geld: 1.000 bis 1.200 Euro pro Jahr muss der Hausbesitzer einplanen, schätzt Aufzugsbauer Schumacher.

Wer beim Betrieb sparen will, sollte hier vor allem an die energetische Effizienz eines Hauses denken. Denn für jeden Aufzug verpflichtend ist ein Rauchabzug im Kopf des Aufzugsschachtes, durch den auch viel Wärme entweicht. „Hier gibt es Luken, die sich im Brandfall automatisch öffnen“, so Klinkenberg.

Von weiteren Sparmaßnahmen rund um die Motorik oder das Licht in der Kabine hält er bei Aufzugsanlagen in kleineren und mittleren Wohnhäusern aber nicht so viel, da die Investitionskosten in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehen.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Sie bauen einen Aufzug ein: Allein das war schon teuer genug! Jetzt kommen noch die laufenden Kosten dazu: Welche davon können Sie als Vermieter dem Mieter auf die Betriebskostenabrechnung setzen? So viel schon mal vorweg: Leider nicht alle! Welche die Gerichte erlauben, erfahren Sie hier.
"Puh ist das anstrengend!" Wer im 3. Stock wohnt und auch schon die eine oder andere Wasserkiste nach oben tragen musste, weiß wovon hier die Rede ist. Zugegeben: In solchen Situationen ist man dankbar, wenn es einen Aufzug gibt.   Doch davon wollen viele Mieter später dann nichts mehr wissen, wenn sie auf ihre Betriebskostenabrechnung schauen. Wer am Ende zahlen muss, erfahren Sie hier.
News: Prüfen, warten und reparieren: Vermieter sind für den Sicherheitszustand der Aufzüge in ihrer Immobilie verantwortlich. Um Sicherheitsmängeln vorzubeugen, sollten Fahrstühle regelmäßig durch einen Fachmann gewartet, überprüft und bei Bedarf repariert werden.
News: In einem Mietshaus lassen sich neben einer guten Dämmung auch noch auf anderem Weg Nebenkosten und Energie sparen: durch eine Modernisierung des Fahrstuhls. Nach Angaben von TÜV Rheinland kann sich die Stromrechnung dadurch um zehn bis 20 Prozent reduzieren.

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Informationsstellen:

  • Vereinigung mittelständischer Aufzugsunternehmen, Gewerbepark 10, 49143 Bissendorf, Web: www.vma.de, Telefon: 05402 6080450
  • VFA-Interlift, Rahlau 62, 22045 Hamburg, Web: www.vfa-interlift.de, Telefon: 040 72730150
  • Fachverband Aufzüge und Fahrtreppen im VDMA, Lyoner Straße 18, 60528 Frankfurt, www.vdma.org, Telefon: 069 6603-1322