Mittwoch, 10.09.2008 | Autor: Hans Dieter Hegner/mb

Kosten für den Energieausweis

Viele Vermieter sind inzwischen gesetzlich dazu verpflichtet, einen Energieausweis für ihr Gebäude bereitzuhalten. Wer sich einen Ausweis ausstellen lassen will, muss dafür je nach Art des Energieausweises und Aufwand mit einer dreistelligen Summe rechnen. Diese Kosten können Vermieter nicht auf die Mieter übertragen.

Weder in der Verordnung noch in begleitenden Bekanntmachungen hat die Bundesregierung Preistabellen vorgegeben oder Regeln für die Honorarberechnung festgelegt. Das ist auch unmöglich, da sich Größe, bauliche Vielfalt und anlagentechnische Ausstattung von Gebäuden erheblich unterscheiden können und daher kein Fall dem anderen gleicht.

Auch die vorliegenden Bauunterlagen können von sehr unterschiedlicher Qualität sein. Darüber hinaus müsste man auch den unterschiedlichen Aufwand für Bedarfs- und Verbrauchsermittlung betrachten. All das hat die Bundesregierung dazu bewogen, keine Festlegung zur Vergütung zu treffen.

Aufwand der Datenermittlung

Preise für Energieausweise sind Marktpreise. Diese Preise hängen ganz wesentlich vom Aufwand der notwendigen Datenermittlungen ab und müssen objektspezifisch ermittelt werden. Die Vergütung ist in jedem Fall gesondert zu prüfen. Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte die Vergütungsvereinbarung vor Beginn der Arbeiten zwischen den Vertragsparteien geschlossen werden.

Die Leistungen zur "Thermischen Bauphysik" in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (Paragraphen 77 - 79 HOAI) beschreiben das Leistungsbild für die EnEV nur unzureichend und sind somit zur Honorarfindung nicht aussagefähig. Angebote können hier auf der Grundlage des erforderlichen Zeitaufwands und Stundensatzes gemacht werden.

Ungefähre Richtwerte bei Bedarfsausweisen

Bisherige Erfahrungen liegen zu freiwillig ausgestellten Energieausweisen vor. Bei der dena (Deutsche Energieagentur) wurden zum Beispiel in einem Feldversuch über 7.000 Ausweise auf der Basis des Energiebedarfs ausgestellt. Dabei hing der Preis insbesondere vom Umfang der Datenbeschaffung am Gebäude ab:

  • Gibt es Unterlagen?
  • Muss vor Ort ermittelt werden?
  • Kann der Eigentümer dabei helfen?
  • Bestehen Anfahrtswege?

Preiskalkulation

Der Preis für einen Bedarfsausweis dürfte sich bei normalen Gebäudekonfigurationen im Rahmen von 100 bis 350 Euro bewegen. Insbesondere bei Verwendung der Vereinfachungen aus den Bekanntmachungen des Bundesbauministeriums und bei Zulieferung der notwendigen Daten durch den Eigentümer kann der Preis relativ gering gehalten werden. Aber auch dann sind mindestens zwei bis drei Ingenieurstunden notwendig.

Eine hochwertige Bestandsaufnahme und eine entsprechende Beratung wird mehrere 100 Euro bis 1.000 Euro kosten. Sie ist von der Energieausweis eher eine "nette Zusatzleistung". Eine Energieberatung wird im Rahmen des "Vor-Ort-Beratungsprogramms" des Bundeswirtschaftsministeriums finanziell gefördert. Über Einzelheiten hierzu informiert das BMWi oder die BAfA.

Ungefähre Richtwerte bei Verbrauchsausweisen

Die Ausstellung von Verbrauchsausweisen sollte gegenüber der von Bedarfsausweisen preiswerter sein. Aber auch hier ist die Datenlage entscheidend. Es stellen sich Fragen wie:

  • Müssen Leerstände erfasst und berücksichtigt werden?
  • Wie soll das Warmwasser einbezogen werden?
  • Wie kommt man zur Modernisierungsempfehlung?

Gerade letzteres bereitet Mühe, kann doch aus einem Verbrauchskennwert nicht auf die konkreten Schwachstellen des Gebäudes geschlossen werden. Hier ist für die Preisfindung entscheidend, ob das Gebäude zum Beispiel durch Fachleute begangen werden muss. Allgemeine Aussagen zur Vergütung können noch nicht getroffen werden. Mit einem Preis von 50 Euro aufwärts sollte auch bei diesem Ausweis gerechnet werden.

Vorsicht bei Billigangeboten

Angebote, bei denen der Hauseigentümer selbst als "Bereitsteller" von Daten Verbrauchswerte eingibt und rechnen lässt und ein "Berechtigter" eine elektronische Unterschrift sendet, erfüllen im Grunde nicht die wesentlichen Voraussetzungen (wie zum Beispiel Plausibilitätsprüfungen). Immerhin haftet jedoch der Aussteller für das richtige Ergebnis.

Die Kosten des Energieausweises können nicht auf Mieter umgelegt werden. Sie entstehen nicht laufend und sind keine Betriebskosten. Dies gilt auch im Zusammenhang mit einer Modernisierung. Die Kosten der Energieausweiserstellung gehören nicht zu den Baunebenkosten.

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Hans-Dieter Hegner ist Diplom-Bauingenieur und zuständiger Baudirektor im Bundesbauministerium.
Hans-Dieter Hegner

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Bei der Vereinbarung mit einem Aussteller müssen Sie darauf achten, dass Ihnen nicht nur der Ausweis ausgestellt wird, sondern auch die Modernisierungsempfehlung. Das gilt für Bedarfs- und Verbrauchsausweise gleichermaßen.