Donnerstag, 16.08.2012 | Autor: Heidi Hecht

Gefahr von Asbest in Wohngebäuden

Worum geht´s
  • Gefahr von Asbest in Wohngebäuden der 70er-Jahre
  • Einschätzung der Asbestgefahr durch Sachverständiger

Immer wieder werden in Wohngebäuden im Zuge von Baumaßnahmen Asbestbelastungen entdeckt. Denn bis zum Ende der 1970er-Jahre war die Anwendung von Asbest weit verbreitet. Sowohl für Handwerker als auch für Eigentümer bringt der falsche Umgang mit Asbest eine große Gefahr mit sich.

Bis zum Ende der 1970er-Jahre war die Anwendung von Asbest in Wohngebäuden weit verbreitet. Pro Jahr wurden in Deutschland rund 180.000 Tonnen Asbest verbraucht - bis zum Herstellung- und Verwendungsverbot 1993. Bei Umbauten finden Handwerker noch heute immer wieder Asbestbelastung in Wohngebäuden, was eine Gefahr für den Eigentümer und auch die Handwerker mit sich bringt. Der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. (BVS) fordert deshalb, die Asbest-Belastung im Wohnungsbestand umfassend zu erfassen. Verbandspräsident Roland R. Vogel: „Ein Asbestbericht, der speziell über Asbestverwendungen in Wohngebäuden aufklärt, wäre eine große Hilfe zur systematischen Sanierung und ein wichtiger Beitrag zur Gesundheitsvorsorge.“

Know-how zum Thema Asbest schwindet

Die Sensibilität für das Thema Asbest habe in den vergangenen Jahren leider nachgelassen. Auch das Know-how der Baufirmen sei in diesem Punkt zu hinterfragen. Besonders problematisch ist, wenn Baufirmen, die keine Asbestsanierungsfirmen sind, plötzlich an asbesthaltige Bauteile geraten und ihre Arbeit trotzdem einfach fortsetzen.

Wer also eine Immobilie aus den 70er Jahren kauft, sollte dem Thema Asbest besondere Beachtung schenken. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Asbest einen offenbarungspflichtigen Sachmangel begründen kann. Somit muss der Verkäufer den Kaufinteressenten auf Asbestverwendungen hinweisen. Zur sachkundigen Einschätzung der Asbestgefahr in einer Immobilie ist die Einholung eines Gutachtens durch einen qualifizierten Sachverständigen zu empfehlen.

Kommentare (1)

22.8.2012, 14:58 Uhr von lauri_boy Profil ansehen
Für die Begutachtung und Überwachung muss eine nach TRGS 519 - Anlage 3 qualifizierte Person Proben entnehmen und über ein spezialisiertes Labor laufen lassen. Damit kann man dann feststellen, ob es sich um fest oder - was sehr kritisch ist - schwach gebundenes Asbest handelt. Entsprechend sind dann die Sanierungsmaßnahmen zu planen und zu überwachen.
Seit 30 Jahren ist bekannt, dass Asbest der Gesundheit schadet. Immer noch steckt der Giftstoff in vielen Gebäuden. Wer sein Hausdach erneuern oder die Fassadenverkleidung auswechseln will, sollte auch an eine fachmännische Schadstoffuntersuchung denken - denn Asbest darf nur von Profis entfernt werden.
Eine Asbest belastete Heizung kann teuer werden, spätestens beim Austausch. Aber zumindest kann der Mieter nicht die Miete mindern, wenn keine Gesundheitsgefährdung nachgewiesen werden kann.

 meineimmobilie.de-Tipp

Bei Asbestgefahr können Mieter das Recht zur Mietminderung haben. Laut einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm aus dem Jahr 2002 soll dafür bereits eine latente, befürchtete Gefahr genügen, die den ungestörten Gebrauch der Mietsache beeinträchtigt. Allerdings entscheiden die Gerichte jeweils Einzelfälle, sodass ein pauschales Recht auf Mietminderung daraus nicht abgeleitet werden kann.