Freitag, 05.09.2008 | Autor: Hans-Dieter Hegner/mb

Ermittlung der Eingangsgrößen für die Energiebilanz

Wenn ein Fachmann die Energiebilanz eines Hauses erstellen soll, muss er genaue Informationen über Maße und verwendete Bauprodukte haben - die sogenannten Eingangsgrößen. Bei neueren Gebäuden können diese Angaben den Bauplänen entnommen werden, bei Bestandsgebäuden fehlen solche Unterlagen häufig. Wer dennoch eine zuverlässige Energiebilanz bekommen möchte, wird nicht drumherum kommen, den Fachmann zur Vor-Ort-Besichtigung ins Haus zu bestellen.

Für die Berechnung der Energiebilanz des Gebäudes werden verschiedene Eingangsgrößen (zum Beispiel geometrische Maße, Kennwerte für die energetische Qualität der Bauprodukte) benötigt.

Information aus Konstruktionsplänen

Die zu verwendenden Maße (es gelten Außenmaße für die wärmetauschende Hülle) können beim Neubau den Konstruktionsplänen entnommen werden. Bei einem Bestandsgebäude kann es sein, dass keine Unterlagen existieren und ein Aufmaß erforderlich wird. Darüber hinaus sind die energetischen Eigenschaften der einzelnen Bauprodukte wichtig, die in der wärmetauschenden Hülle zum Einsatz kommen.

Beim Neubau werden solche Werte einschlägigen Normen für wärmetechnische Eigenschaften (DIN 4108-4) oder allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen entnommen. Im Gebäudebestand ist das schwieriger. Oftmals müssen hier Werte abgeschätzt werden, weil keine Unterlagen mehr verfügbar sind. Für Fachleute ist dies kein Problem.

Erfahrungswerte für alte Bauteile

Für alte Bauteile gibt es hinreichend gute Erfahrungswerte. In der Bekanntmachung der Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohngebäudebestand des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vom 26. Juli 2007 sind darüber hinaus neben Vereinfachungen in der Datenaufnahme auch Erfahrungswerte veröffentlicht. Bei Verwendung dieser Daten kann davon ausgegangen werden, dass hinreichend genau gearbeitet wird.

Ein weiterer Ansatz zur Senkung der Kosten bei der Erfassung erforderlicher Daten, insbesondere der Gebäude- und Haustechnikdaten, ist die Einbeziehung des Eigentümers in die Datenermittlung. Der Eigentümer kann dem Aussteller des Energieausweises Daten zur Verfügung stellen, zum Beispiel in einem ausgefüllten Frage- oder Erhebungsbogen oder durch Übergabe von Bauakten.

Fehlerhafte Angaben

Viele kostenträchtige "Hausbesichtigungen" sollen so vermieden werden. Um fehlerhafte Angaben und damit fehlerhafte Ausweise beziehungsweise Missbrauch zu vermeiden, darf der Aussteller Angaben, die nach einer Plausibilitätsprüfung offensichtlich nicht korrekt sind, seinen Berechnungen nicht zugrundelegen.

Allerdings hat diese Regelung auch einen "Pferdefuß". Wie soll der Aussteller die Plausibilitätsprüfung durchführen, wenn er nicht mal eine Inaugenscheinnahme vornehmen kann? Die Einordnung alter Bau- und Anlagenteile ist ohnehin oft schon für manche Fachleute schwierig. Wie soll erkannt werden, ob die Angaben zu den energetischen Qualitäten der Bauteile stimmen? Es ist zu befürchten, dass viele seriöse Aussteller ohne einen Vor-Ort-Termin einen Auftrag zur Erstellung eines Energieausweises nicht annehmen.

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Hans-Dieter Hegner ist Diplom-Bauingenieur und zuständiger Baudirektor im Bundesbauministerium.
Hans-Dieter Hegner

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Wie so oft im Leben zahlt sich die Konsultation eines guten Fachmanns - auch wenn er mehr Geld kostet - am Ende aus: Sie erhalten einen "belastbaren" Energieausweis.