Freitag, 08.08.2008 | Autor: Dr. Wolfgang Naumer/mb

Energieeffiziente Planung beim Hausbau

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Bei der Planung für ein neues Haus spielt für immer mehr Bauherren die Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Ein paar Grundregeln dafür besagen, dass vor allem die Sonne als kostenloser Energiespender genutzt werden sollte.

Speziell bei einem Neubau, aber auch bei vielen Modernisierungsprojekten macht es sich bezahlt, den Grundriss mit großzügigen Fensterflächen nach Süden anzulegen. Denn durch die intelligente Planung und Ausrichtung der Fensterflächen können solare Energiegewinne optimal ausgeschöpft werden.

Dies hat gleich mehrere Dimensionen. Zum einen, was die Ausnutzung der kostenlosen Sonnenenergie während der Heizperiode angeht: Erst bei hochwertigen Fensterelementen mit U-Werten von 1,1 W/m3K und kleiner, sind die Energiegewinne durch die Sonneneinstrahlung größer als die Energieverluste.

Ausrichtung der Fensterflächen

Durch die gezielte Ausrichtung der Fenster nach Süden wird in den Wohnräumen zusätzliche Energie durch Sonneneinstrahlung gewonnen. Neben der Qualität der Verglasung wird die optimale Ausschöpfung jedoch auch durch Faktoren wie Orientierung und Verschattung der Fenster beeinflusst.

Konkret: Im Winter (November bis Januar) beträgt der tägliche Mittelwert der Sonnengesamtstrahlung bei Südausrichtung etwa eine Kilowattstunde pro Quadratmeter, bei Flächen mit Ost- und Westausrichtung rund die Hälfte. Genau umgekehrt verhält es sich (bei senkrechter Verglasung) im Sommer. Durch den hohen Sonnenstand beträgt der Wert in der Mitte Deutschlands bei Südausrichtung etwa 1,5 Kilowattstunden pro Quadratmeter, bei Ost-/Westausrichtung zwei Kilowattstunden pro Quadratmeter.

Die Südausrichtung der Fensterflächen macht also sommers (Wärmeschutz) wie winters (Solargewinne) Sinn, die Fensterflächen in Nord- oder Ostausrichtung sollten jedoch nicht über die zur Belichtung notwendigen Flächen hinaus dimensioniert werden.

Bebauungspläne ansehen

Festsetzungen im Bebauungsplan, beziehungsweise die Gegebenheiten des Grundstücks, beeinflussen die Energiebilanz eines Gebäudes in hohem Maße. Gebäudeform, Ausrichtung und Verschattung haben Einfluss auf die solaren Einträge.

Es sollte bei der Auswahl eines Grundstücks darauf geachtet werden, dass die Rahmenbedingungen möglichst günstig sind. Dazu sind beim zuständigen Bauamt bzw. Stadtplanungsamt die Festsetzungen des Bebauungsplans einzusehen und hinsichtlich der zulässigen Form des Baukörpers und der Firstausrichtung sowie der Verschattung durch angrenzende Gebäude und Baulinien zu überprüfen.

Passive Solarenergienutzung

Eine auf die Sonnenenergienutzung ausgerichtete Gebäudekonzeption berücksichtigt all jene architektonischen Faktoren, dank derer das Gebäude die Sonnenwärme speichert und für die Heizung nutzen kann. Also beispielsweise Ausrichtung, leistungsfähige Verglasung und Wärmedämmung, Glaswände für Veranden oder Wintergärten.

Transparente Flächen mit Solargewinnen sollten so ausgelegt werden, dass sie in der Summe möglichst hohe solare Gewinne erzielen. Fensterflächen haben zwar hohe Einträge, bei ungünstiger Witterung aber auch hohe Transmissionswärmeverluste.

Optimierte Fensterflächen

Das gilt für die Nächte und die zahlreichen strahlungsarmen Tage während der Heizsaison. Die Größe der Fensterflächen kann selbstverständlich mit entsprechender Software optimiert werden, die den Aspekt "Überhitzung" berücksichtigt.

Der solare Ausnutzungsgrad hängt unter anderem davon ab, wie hoch die Temperatur bei der Einstrahlung sein darf, und ganz wesentlich, wie die wirksame Speichermasse des Gebäudes beschaffen ist. Diese Masse hat weniger Bedeutung für die Energieeinsparung während der Heizzeit als für den sommerlichen Wärmeschutz.

Raumzuordnung

Zwei Parameter spielen für den Energiebedarf ebenfalls eine wichtige Rolle. Und beide haben eng mit der Raumzuordnung zu tun. So sollten sich Hausbauer grundsätzlich Gedanken darüber machen, in welchen Räumen sich die Bewohner am häufigsten aufhalten, und diese dann an der Südseite anordnen.

Meist ist dies der Wohn- und Essbereich, das oder die Kinderzimmer und das Arbeitszimmer. Zimmer mit geringeren Temperaturanforderungen, wie das Schlafzimmer der Eltern, Gästezimmer, WC und der Treppenbereich, gehören auf die nördliche Seite des Gebäudes. Allerdings verliert diese Anordnung in Zeiten immer besserer Wärmedämmung an Gewicht, weil sich die Temperatur angleicht.

Trennung von beheizten und unbeheizten Räumen

Weit mehr Wert sollten Hausbauer jedoch auf eine strikte Trennung zwischen beheizten und unbeheizten Räumen legen und sicherstellen, dass unbeheizte, kalte Räume (Nebenräume, Kellerräume, Kellerabgang, Treppenhaus) möglichst nicht wie eine Kühlrippe in die thermische Hülle hineinragen. Es muss klar definiert sein, wo die lückenlose Dämmung verläuft.

Ist das Problem des Transmissionswärmeverlustes über die Außenhülle gelöst, stellt sich die Frage nach der Optimierung der sinnvollen Wärmeerzeugung und Wärmeverteilung innerhalb des Gebäudes. Was die technische Seite angeht, so kann eine effiziente Lüftungstechnik mit möglichst hoher Wärmerückgewinnung und eine Gebäudetechnik, die mit möglichst geringem Energieaufwand auskommt und regenerative Energien nutzt, viel zu einem geringen Energiebedarf beitragen.

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Wenn Sie Photovoltaik-Anlagen in Ihre Planung einbeziehen, können Sie die Energiebilanz Ihres Hauses erheblich aufbessern. Weil der damit erzeugte Strom nicht direkt genutzt, sondern ins öffentliche Stromnetz eingespeist und vergütet wird, hilft er Ihnen dabei, theoretisch sogar ein Null-Liter-Haus zu betreiben.