Freitag, 19.09.2008 | Autor: Hans-Dieter Hegner/mb

Energieausweis: qualifizierte Aussteller finden

Wer einen Energieausweis für sein Gebäude braucht, muss sich zunächst einen Aussteller suchen. Davon gibt es viele, doch nicht alle sind gleichermaßen qualifiziert. Hauseigentümer sollten deshalb bei der Wahl des Ausstellers genau hinsehen.

Bisher wurden Energieausweise bei Gebäudeplanungen von den entsprechenden Planern (Architekten, Ingenieure) ausgestellt. Das ändert sich nun, soweit die Ausstellung von Energieausweisen für vorhandene Gebäude betroffen ist. Man kann prinzipiell zwei Verfahren unterscheiden:

  • die Ausstellung beim Neubau und
  • die Ausstellung für ein Bestandsgebäude.

Neubauten

Die Ausstellungsberechtigung für Energieausweise in den Fällen der Errichtung, der Änderung und der Erweiterung von Gebäuden soll wegen des engen Sachzusammenhangs mit bauordnungsrechtlichen Verfahren der Bundesländer - wie bisher - auch von den Ländern geregelt werden. Die Länder legen daher fest, wer ausstellungsberechtigt ist. In der Regel sind es bauvorlageberechtigte Planer oder Sachverständige.

Die Frage, wer einen Energieausweis ausstellen darf, beantwortet sich jedoch von selbst, wenn man einen Architekten oder Planer beauftragt, die Bauvorlage zu erstellen. Er schaltet dann die notwendigen Fachplaner ein.

Bereits bestehende Gebäude

Mit der Modernisierungsempfehlungen bundeseinheitlich festgelegt.

Durch die Vorgaben des Paragraph 21 EnEV 2007 soll sichergestellt werden, dass zur Ausstellung von Energieausweisen nur berechtigt ist, wer hierzu die erforderliche Qualifikation besitzt. Wer zur Ausstellung des Energieausweises berechtigt ist, ist gleichzeitig auch zur Ausstellung von Modernisierungsempfehlungen berechtigt.

Qualifikationen des Ausstellers

Zusätzliche Zertifizierungen oder etwa Eintragungen in eine Ausstellerliste gibt es nicht. Der Aussteller muss über eine der folgenden Erstausbildungen verfügen:

  • Absolvent bestimmter baubezogener Studiengänge: Architektur, Hochbau, Bauingenieurwesen, Technische Gebäudeausrüstung, Bauphysik (erfasst werden sowohl Ingenieure im Bereich Bauphysik als auch Diplom-Physiker der Fachrichtung Bauphysik), Maschinenbau und Elektrotechnik, außerdem andere technische oder naturwissenschaftliche Fachrichtungen mit einem Ausbildungsschwerpunkt auf einem der genannten Gebiete (herkömmliche Studiengänge an Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen als auch Bachelor- und Masterstudiengänge),
  • Absolvent von Studiengängen im Bereich der Innenarchitektur,
  • Handwerksausbildungen, die dem Hochbau zugerechnet werden können, wie bestimmte Tätigkeitsbereiche des Baugewerbes (Maurer und Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker, Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer), Installation und Heizungsbau sowie Schornsteinfeger (Meisterprüfung in einem der genannten Handwerke, Eintragung in die Meisterrolle auf Grund einer Ausnahmebewilligung nach Paragraph 7 Absatz 3 Handwerksordnung oder einer Ausübungsberechtigung nach Paragraph 7 Absatz 7 Handwerksordnung),
  • Staatlich anerkannter oder geprüfter Techniker in den Bereichen Hochbau, Bauingenieurwesen und Technische Gebäudeausrüstung.

Unabhängig von der Erstausbildung ist eines der folgenden Zusatzkriterien zu erfüllen:

  • Abschluss eines Studiums mit einem Ausbildungsschwerpunkt im energiesparenden Bauen (ohne zusätzliche Voraussetzungen bzw. Anforderungen an die benötigten Fachkenntnisse, da sie bereits Gegenstand des Studiums waren). Anstelle eines solchen Schwerpunkts im Bereich des energiesparenden Bauens während des Studiums ist eine mindestens zweijährige Berufserfahrung ausreichend, wenn sich diese Berufserfahrung auf wesentliche bau- oder anlagentechnische Tätigkeitsbereiche des Hochbaus bezieht,
  • erfolgreiche Teilnahme an einer Fortbildungsmaßnahme im Bereich des energiesparenden Bauens (Ziele und Inhalte gemäß Anlage 11 EnEV 2007),
  • öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für ein Sachgebiet im Bereich des energiesparenden Bauens oder in wesentlichen bau- oder anlagentechnischen Tätigkeitsbereichen des Hochbaus (nach Paragraph 91 Absatz 1 Nr. 8 Handwerksordnung oder Paragraph 36 Gewerbeordnung),
  • eine nicht auf bestimmte Gewerke beschränkte Bauvorlageberechtigung nach den bauordnungsrechtlichen Vorschriften der Länder; Berufsgruppen, deren Bauvorlageberechtigung landesrechtlich auf bestimmte Gebäudeklassen beschränkt ist, sollen Energieausweise und Modernisierungsempfehlungen für bestehende Wohngebäude auch nur in diesem Rahmen ausstellen dürfen.

Viele Ausstellungsberechtigte

Insgesamt gibt es für die Ausstellung von Energieausweisen für den Wohnungsbereich eine relativ große Gruppe von Ausstellungsberechtigten. Es ist anzunehmen, dass man für die Ausstellung ohne große Mühe einen entsprechenden Fachmann findet. Es ist aber nicht ganz einfach zu erkennen, ob ein sich anbietender Fachmann die oben beschriebenen Qualifikationen wirklich erfüllt. In der EnEV 2007 ist zwar die unberechtigte Ausstellung von Energieausweisen ein Bußgeldtatbestand, vor schwarzen Schafen schützt dies jedoch nicht.

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Hans-Dieter Hegner ist Diplom-Bauingenieur und zuständiger Baudirektor im Bundesbauministerium.
Hans-Dieter Hegner

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