Mittwoch, 30.04.2008 | Autor: Hans Dieter Hegner/mb

Die Verbrauchsermittlung für den Energieausweis

Für einen Energieausweis, der den tatsächlichen Energieverbrauch eines Hauses einordnet, muss zunächst eine Verbrauchsermittlung vorgenommen werden. Dafür müssen Fachleute beauftragt werden, denn die Erhebung der Daten ist sehr komplex.

Die Verbrauchsermittlung wird genauso wie die Bedarfsberechnung von Fachleuten durchgeführt.

Ermittlung des Energieverbrauchs

Zur Ermittlung von Energieverbrauchskennwerten sind Verbrauchsdaten zu verwenden, die im Rahmen der Abrechnung von Heizkosten nach der Heizkostenverordnung für ein gesamtes Gebäude ermittelt wurden.

Es können gegebenenfalls auch geeignete andere Energieverbrauchsdaten verwendet werden, wie zum Beispiel solche aus Abrechnungen von Energie- oder Stromkosten.

Nicht leitungsgebundener Energieverbrauch

Diese Alternative kommt vor allem dann in Betracht, wenn zum Beispiel keine Abrechnung nach der Heizkostenverordnung vorliegt (etwa bei Eigennutzung).

Der Verbrauch von nicht leitungsgebundener Energie (Heizöl, Holzpellets) kann durch entsprechende Erhebungen ermittelt werden (Ablesen und Protokollieren des Füllstandes des Öltanks oder des Pelletlagers). Der Strom für Hilfsenergien (Antriebe für Pumpen oder Regelung) bleibt bei Wohngebäuden unberücksichtigt.

Fehler bei Verbrauchswerten

Wie alle maßgeblichen Größen können auch Verbrauchswerte fehlerbehaftet sein (zum Beispiel bei der Abschätzung des Holzpelletverbrauchs).

Die sichersten Angaben sind bei leitungsgebundener Energie (zum Beispiel Strom) zu bekommen, obwohl auch hier Streitigkeiten zwischen Energieunternehmen und Nutzern bekannt sind. Sollten sich Unstimmigkeiten ergeben, ist der Hauseigentümer gut beraten, einen Fachmann aufzusuchen oder die Verbraucherzentralen um Rat zu bitten.

Einfluss des örtlichen Wetters

Der Raumwärmeverbrauch wird nicht unerheblich von den örtlichen Witterungsverhältnissen beeinflusst. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2007 bestimmt daher, dass der Energieverbrauch für Heizung einer Witterungsbereinigung zu unterziehen ist, um einen Vergleich mit Referenzdaten zu ermöglichen.

Die erforderliche Witterungsbereinigung des Heizenergieverbrauchs soll nach anerkannten Regeln der Technik durchgeführt werden. Sie bleibt entsprechenden Fachleuten vorbehalten.

Zur Unterstützung der Prozedur hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zur Ermittlung von Energieverbrauchskennwerten vereinfachte Regeln und notwendige Daten im Bundesanzeiger bekannt gemacht.

Abrechnungszeitraum

Dem Energieverbrauchskennwert sind die Verbräuche mindestens der drei vorhergehenden Kalender- oder Abrechnungsjahre zugrundezulegen. Diese breite Datengrundlage soll vor allem Schwankungen auf Grund des Nutzerverhaltens ausgleichen.

Der maßgebliche Energieverbrauchskennwert ist der Durchschnittswert der drei Kalender- oder Abrechnungsjahre.

Längerer Leerstand

Bei der Ermittlung der relevanten Energieverbräuche sollen längere Leerstände rechnerisch angemessen berücksichtigt werden, um Ergebnisverzerrungen zu vermeiden.

Es stellt sich die Frage, ab wann ein Leerstand zu berücksichtigen ist. Darauf gibt die EnEV 2007 keine Antwort mit Maß und Zahl. Es kann davon ausgegangen werden, dass nur struktureller (das heißt lang anhaltender Leerstand - länger als ein halbes Jahr) berücksichtigt wird. Kurze Leerstandszeiten zum Beispiel bei einem normalen Mieterwechsel sind nicht betroffen.

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Es schreibt für Sie

Hans-Dieter Hegner ist Diplom-Bauingenieur und zuständiger Baudirektor im Bundesbauministerium.
Hans-Dieter Hegner