Dienstag, 19.05.2009 | Autor: Jörg Stroisch

Die Sonne im Herz - und auf dem Dach?

Regenerative Energien sind trendy. Und somit Photovoltaik-Anlagen zur Stromerzeugung schon seit Jahren eine Boombranche. Doch die Zelle auf dem Dach ist nur etwas für gewiefte Investoren, schreibt Jörg Stroisch in seiner Kolumne.

Nicht nur wer "öko" ist, denkt heutzutage über Energie- und Klimaschutz am eigenen Haus nach. Das Thema ist spätestens seit dem gesetzlichen Druck durch die Energieeinsparverordnung (EnEV), aber auch durch großzügige staatliche Unterstützung im Herzen fast aller deutschen Immobilienbesitzer angekommen. "Öko" ist seitdem nicht mehr verschroben, sondern sogar ziemlich ökonomisch.

In diesem Sinne erlebt natürlich auch die Solarzelle als umweltfreundliche Stromquelle aus der Sonne einen Aufschwung. Auch hier unterstützt der Staat üppig, nicht nur durch Kreditprogramme, sondern auch über Einspeiseregeln, die den Stromnetzbetreiber zu einer verbindlichen Mindestvergütung verpflichtet.

Doch anders als der Solarkollektor zur Wärmeerzeugung im Haus kann die Solarzelle zur Stromerzeugung auf dem Dach mitnichten den Strombedarf eines Hauses decken, nicht annähernd. Energieautarkie ist somit eine Mär. Nur der Investmentgedanke zählt bei der Solarzelle. Damit muss sich die Photovoltaik-Anlage allerdings auch in Konkurrenz zu anderen Anlageformen sehen - und hat hier diverse Nachteile gerade für Anleger, die sich sonst schon mit dem Unterschied zwischen Tagesgeldkonto und Sparbuch schwer tun:

  • eine Solarzelle ist eine unternehmerische Investition in ein Gut. Dieses Gut kann zum Beispiel auch kaputt gehen oder nicht die versprochenen Erträge erwirtschaften. Als Investor müssen Sie also diese Risiken mit einer entsprechenden Sicherheit großzügig einkalkulieren. Beachten Sie auch die generelle Lebensdauer der Solarzelle.

  • eine Solarzelle kostet Kreditgelder. Es ist eine einfache Rechnung: Bei einem Tagesgeldkonto bekommen Sie ab dem ersten Tag drei bis vier Prozent Zinsen. Bei der Solarzelle zahlen Sie hingegen - wenn auch vergünstigte - Kreditzinsen. Womit werden Sie also wohl nach Ablauf des Kredits mehr Gewinn erzielt haben? Die Solarzelle müsste über die Kreditzinsen hinaus hohe Überschüsse erwirtschaften, damit sie mit einem selbst sehr renditeschwachen Tagesgeldkonto mithalten könnte.

  • die Solarzellen-Strom-Einspeisung ist staatlich reglementiert. Und diese Förderung nimmt immer mehr ab. Sie haben keine Gewähr dafür, dass die Solarzellen-Kilowattstunde für die komplette Lebenszeit der Solarzelle tatsächlich üppig gefördert wird. Zumal es in der Politik bereits deutlich entgegengesetzte Trends gibt.

Die Solarzelle sollten Sie also nicht ökologisch, sondern ökonomisch betrachten. Wenn Sie etwas für die Umwelt machen wollen, können Sie dies einfacher und ohne jedes Risiko lieber über den Wechsel zu einem Ökostromanbieter realisieren.

Kommentare (3)

22.5.2009, 16:10 Uhr von taipan Profil ansehen
Herr Stroisch stellt hier seinen persönlichen Standpunkt dar, der leider nicht sonderlich gut recherchiert ist. Es ist richtig, dass die Solarstromtechnik nur eine der erneuerbaren Energiequellen ist, jedoch genau die mit dem größten Zukunftspotential. Ich teile ferner seine Auffassung, dass der Strombezug bei einem Ökostromanbieter eine gute Sache ist. Das war es dann aber auch mit der Zustimmung.<br /> <br /> Die Solarstromtechnik ist die dezentrale Erzeugungsform für elektrische Energie überhaupt. Sie steht nicht in Konkurrenz zur solaren Wärmegewinnung, wie hier fälschlicherweise angedeutet. Photovoltaik erzeugt die hochwertigste Energieform überhaupt, nämlich elektrischen Strom, am Ort des Verbrauchs. Die Solarstromtechnik hat das mit Abstand höchste Kostensenkungspotential aller Erneuerbaren Energien. Photovoltaik erzeugt dann den maximalen Strom, wenn er auch benötigt wird, nämlich mittags. Zusammen mit Windenergie, Biomasse, etc. kann die Photovoltaik zukünftig einen nennenswerten Beitrag zur elektrischen Energieversorgung der Welt leisten.<br /> <br /> Derjenige, der eine Solarstromanlage als Finanzinvestition betrachtet, der kann besonders gut schlafen, wenn er einige Grundregeln beachtet. <br /> Aktuell beläuft sich die erzielbare Rendite vor Steuern für Solarstromanlagen bei über 10% pro Jahr für eine Laufzeit von 20 Jahren. Diese Rechnung berücksichtigt natürlich alle Aufwendungen, die mit dem Betrieb einer Solarstromanlage einhergehen. Wichtig zu beachten ist allerdings, dass der Betreiber der Anlage eine qualitativ hochwertige Anlage mit Komponenten von langfristig erfahrenen Herstellern kauft. Diese geben auf die Solarmodule 20-25 Jahre Leistungsgarantie. Ferner sollte die Anlage beim Handwerker des Vertrauens gekauft werden, und nicht von unbekannten Unternehmen, die Drückerkolonnen herumschicken. Aber eigentlich sind das Ratschläge, die jeder umsichtige Investor sowieso berücksichtigt. Die Einspeisevergütung wird dem Betreiber für 20 Jahre plus Inbetriebnahmejahr gewährt. Es ist mir nicht bekannt, dass Regelungen, die durch ein Bundesgesetz garantiert werden, rückwirkend wieder aufgehoben werden. <br /> <br /> Ein Satz noch zur Energieautarkie: Diese kann im Stromversorgungsbereich bezogen auf jedes einzelne Haus nicht ernsthaft gemeint sein. Es wird immer ein elektrisches Verbundnetz geben. Ob es zukünftig so aussieht wie heute, wage ich zu bezweifeln. Es wird deutlich intelligenter werden.<br /> Jeder Betreiber einer Solarstromanlage kann weiter stolz auf seinen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen sein und sich nebenbei noch über eine anständige Rendite freuen.
19.5.2009, 19:06 Uhr von Matulla Profil ansehen
Joerg Stroisch hat im Grundsatz recht. Solarzellen zur Stromerzeugung und Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung oder Heizungsunterstützung sind aus ökonomischer Sicht, wenn sie über Kredite finanziert werden müssen, nicht rentabel, da sie nur einen Teil des Energiebedarfs für ein Gebäude decken. Die Solarindustrie verspricht gigantische Energieeisparungen, die in der Praxis nie zu realisieren sind, weil die Sonne nicht immer scheint; im Winter seltener, wo sie da doch gerade gebraucht wird. Denkt man jedoch an zukünftig steigende Energiepreise, so lohnt sich die Investition in Solarenergie letztendlich. Dazu braucht man jedoch einen langen Atem.
19.5.2009, 19:05 Uhr von Matulla Profil ansehen
Joerg Stroisch hat im Grundsatz recht. Solarzellen zur Stromerzeugung und Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung oder Heizungsunterstützung sind aus ökonomischer Sicht, wenn sie über Kredite finanziert werden müssen, nicht rentabel, da sie nur einen Teil des Energiebedarfs für ein Gebäude decken. Die Solarindustrie verspricht gigantische Energieeisparungen, die in der Praxis nie zu realisieren sind, weil die Sonne nicht immer scheint; im Winter seltener, wo sie da doch gerade gebraucht wird. Denkt man jedoch an zukünftig steigende Energiepreise, so lohnt sich die Investition in Solarenergie letztendlich. Dazu braucht man jedoch einen langen Atem.