Montag, 18.04.2011 | Autor: Dr. Wolfgang Naumer/mb

Die Anforderungen an ein Energiesparhaus

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Wer ein Energiesparhaus bauen möchte, sollte nicht als erstes an aufwändige Neuinstallationen im Haus denken, sondern zunächst an den eigenen Energieverbrauch. In den meisten Haushalten lässt sich viel Energie durch ein verändertes Nutzungsverhalten einsparen. Unterstützt werden kann das Energiesparverhalten dann noch durch technische Hilfsmittel wie Thermostate.

Das richtige Heizen mit tageszeitabhängigen, unterschiedlichen Temperaturen in unterschiedlich genutzten Räumen trägt erheblich zur Reduzierung des Verbrauchs bei. Grundsätzlich reichen in Schlafzimmern durchschnittlich 14 bis 16 Grad Celsius. Ein Badezimmer kann auf 20 bis 24 Grad temperiert werden, das Kinderzimmer auf 18 bis 22 Grad. Wohnbereiche sind mit 19 bis 21 Grad immer in einem guten Schnitt.

Raumthermostate

Eine wichtige Erkenntnis ist, dass eine Heizung kein statisches System mit immer gleichen Wärmeabgabemengen ist, sondern dynamisch. Sehr viel Sinn macht daher der Einsatz von modernen Raumthermostaten, die schnell auf Temperaturschwankungen und Raumnutzungen ansprechen können. Für die Regulierung empfiehlt sich daher die Anschaffung von programmierbaren Thermostaten.

Diese ermöglichen durch eine digitale Zeitschaltuhr auch das Absenken der Temperaturen, wenn die Wohnräume während des Tages länger verlassen werden, und erhöhen die Raumtemperatur rechtzeitig vor Beginn der geplanten Nutzung.

Faustregel zur Energieeinsparung

Eine Absenkung der Raumtemperatur um ein Grad Celsius senkt die Heizkosten um rund sechs Prozent. Konkret bedeutet dies: Wenn die Raumtemperatur von 24 auf 20 Grad abgesenkt wird, spart das mindestens 20 Prozent der Heizkosten!

Eine einfache, aber wichtige Maßnahme ist, während der Heizperiode regelmäßig alle Heizkörper zu entlüften, damit diese die volle Leistung erbringen. Wenn sich Luft im Heizkörper befindet, kann das Wasser darin nicht richtig zirkulieren und selbst bei voll aufgedrehtem Thermostat wird dieser nicht richtig warm, da in ihm zu wenig Wärme übertragendes Wasser mit hoher Temperatur vorhanden ist. Damit fallen unnötig hohe Heizkosten an.

Lüftungswärmeverluste minimieren

Für den Energiehaushalt eines Gebäudes ist das Lüftungsverhalten der Hausbewohner außerhalb der Heizperiode unwichtig. Jedoch sobald geheizt wird, ist es ein wesentlicher Faktor für Energieverluste. Aus diesem Grund ist es in der Heizperiode besonders wichtig kontrolliert zu lüften.

Denn pro Tag werden in einem vier-Personen-Haushalt etwa zwölf Liter Feuchtigkeit abgegeben. Wird diese nicht über die Lüftung aus den Räumen abtransportiert, reichert sich diese Feuchtigkeit in der Raumluft an und kondensiert an kalten Bauteilen. Dieses Kondensat erhöht das Risiko der Schimmelbildung.

Tipps zum Lüften

Um die Feuchtigkeit aus Wohnräumen über die Fenster richtig herauszulüften, sollten ein paar einfache Lüftungstipps berücksichtigt werden:

  • Zwei- bis viermal täglich lüften: Kurzes Querlüften - also Lüften bei weit geöffneten und gegenüberliegenden Fenstern - ist effektiver als die Fenster für längere Zeit gekippt zu lassen. Bei einer stundenlangen Kippstellung geht erstens sehr viel Wärme verloren, ohne einen effektiven Luftaustausch zu bewirken, und zweitens kühlen die angrenzenden Wandflächen unnötig ab.
  • Nach dem Aufstehen die Schlafzimmer am besten gut durchlüften. Das vertreibt nicht nur die Gerüche, sondern auch die Feuchtigkeit, die sich über Nacht in der Luft, in den Möbeln und im Putz angereichert hat. Schließlich geben zwei Menschen während der nächtlichen Ruhezeit rund einen Liter Wasser an die Raumluft ab.
  • Ebenso sollte unmittelbar im Anschluss an das Duschen, Baden, Kochen und sogar nach dem Fußbodenwischen die Stoßlüftung zur Regel gemacht werden. So gelangt die feuchte Luft am schnellsten nach draußen und die Wärmeverluste werden minimiert.

Stromkosten sparen

Als ein großes Einsparpotenzial wird immer wieder publiziert, die Stand-by-Schaltungen nicht in Anspruch zu nehmen. Dafür muss allerdings beim Neukauf von Geräten bewusst darauf geachtet werden, dass die Programmierung bei Wiederinbetriebnahme nicht verloren geht.

Energiesparlampen

Die scheinbar einfachste Sparmethode ist der Austausch von Glühbirnen durch Energiesparleuchtmittel. Eine Energiesparlampe ist nichts anderes als eine kompakte "Neonröhre". Sie enthält ein elektronisches Vorschaltgerät, wie es auch bei den Röhren eingebaut ist. Der Stromverbrauch ist wesentlich von der Qualität dieses Vorschaltgerätes abhängig.

Auch wenn die Effektivität der Glühlampe 90 Prozent Wärme und zehn Prozent Licht oft angezweifelt wird, kommt die Wärme letztend- lich über zwei Drittel des Jahres der Raumtemperatur zugute.

In Passivhäusern geht diese direkt in die Berechnung zur Auslegung der Restheizung ein. Ein wesentlicher Faktor für die Zukunft ist die Möglichkeit, auf den Strom für Klimageräte zu verzichten. Dies setzt entsprechende bauliche Maßnahmen voraus.

Warmwasserbedarf kontrollieren

Durchschnittlich wird pro Kopf ein Trinkwasserverbrauch von 140 Litern pro Tag angenommen. Ein Drittel, rund 50 Liter Wasser pro Person, müssen also erwärmt werden. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht somit 200 Liter Warmwasser pro Tag; das sind 73.000 Liter pro Jahr.

Dieses warme Wasser muss, entsprechend unseren Komfortansprüchen, täglich zu jeder Uhrzeit sofort bei Bedarf zur Verfügung stehen. Ein ökonomischer Umgang kann daher nur über die Menge erfolgen. Die effektivste Sparmöglichkeit ohne großen Auf- wand beispielsweise ist das Baden in der Wanne durch Duschen zu ersetzen. Überdies hinaus ist bei einer Modernisierung der Heizungsanlage die Nutzung von Solarthermie sinnvoll.

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