Mittwoch, 28.05.2008 | Autor: Mirjam Büttner

Barrierefreies Wohnen

Worum geht´s

Für das barrierefreie Wohnen existieren viele Ideen und auch Standards, die in DIN-Normen festgehalten wurden. Oftmals wird der Umbau auch gefördert.

Topstory: Behinderte Menschen brauchen eine barrierefreie Wohnung. Nicht nur, um Verletzungsgefahren vorzubeugen, sondern vor allem, damit sie sich zu Hause frei bewegen und ein selbstbestimmtes Leben führen können. Oft sind es kleine Veränderungen, die den Alltag behinderter Menschen in den eigenen vier Wänden erheblich erleichtern.

Oma klagt, dass sie mit ihrem Gehwagen immer an der Türschwelle hängenbleibt. Außerdem kann sie die Ziffern auf dem Telefon so schlecht erkennen. Der Sohn der Familie sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl und hat Mühe, sich im engen Bad des Hauses zu bewegen. Er wohnt jetzt nur noch im Erdgeschoss, weil er die Treppen zu seinem Kinderzimmer in der oberen Etage nicht mehr hinaufkommt.

Alters- und behindertengerechter Umbau

In solchen Fällen sollte die Familie dringend über einen Umbau des Hauses nachdenken. Der Oma helfen vielleicht schon kleinere Veränderungen, damit sie sich zu Hause frei bewegen kann. Doch wenn die Wohnung nicht rollstuhlgerecht gebaut ist, wird es dem Sohn schwer fallen, selbstständig zu werden. Er wird immer auf fremde Hilfe angewiesen sein.

Eben diese fremde Hilfe wollen viele Menschen mit Behinderung nicht. Ihnen ist es oft sehr wichtig, im Alltag alleine zurecht zu kommen. Dazu gehört auch der eigene Haushalt - ohne Hindernisse.

Vereine wie Barrierefrei Leben, der Verband für Körper- und Mehrfachbehinderte oder lokale Selbsthilfegruppen unterstützen Betroffene und ihre Angehörigen ganz praktisch bei der Wohnplanung. Sie bieten beispielsweise eine "Bauberatung" an.

Experten für Barrierefreiheit helfen bei der Planung

Experten für barrierefreies Wohnen zeigen den Betroffenen, wie Barrieren im eigenen Zuhause umgebaut werden können oder welche zusätzlichen Hilfsmittel einen selbstständigen Alltag ermöglichen.

Produkte für die speziellen Bedürfnisse bei Behinderungen gibt es viele: vom Schrank mit eingebautem Lift bis zu höhenverstellbaren Möbeln und elektronisch gesteuerten Türschlössern. Doch diese Hilfsmittel sind oft Maßanfertigungen und kosten entsprechend viel Geld. Den kompletten Umbau eines Hauses können sich Betroffene ohne Unterstützung oft nicht leisten.

Förderprogramme für Barrierefreiheit im Haus

Deshalb stellen verschiedene Institutionen speziell für einen barrierefreien Umbau des Hauses oder der Wohnung finanzielle Mittel zur Verfügung. Bei Pflege- und Krankenkassen, Sozialhilfeträgern und Förderprogrammen in den einzelnen Bundesländern können Betroffene und ihre Angehörigen Gelder beantragen. Die Anträge sollten gestellt werden, bevor der Umbau beginnt oder in Auftrag gegeben wird.

Die Mitarbeiter im Forschungsinstitut Technologie und Behinderung in Wetter an der Ruhr beschäftigen sich ebenfalls mit barrierefreiem Wohnen. Sie haben in ihrem Testzentrum eine Demonstrationswohnung gebaut. Hier werden neue technische Hilfsmittel für Behinderte geprüft und im simulierten Alltag eingesetzt.

Musterräume zeigen Möglichkeiten

In der Demonstrationswohnung können behinderte Menschen sehen und ausprobieren, welche Möglichkeiten es bei der Raumgestaltung gibt. Solche Musterräume werden auch von manchen Handwerksfirmen angeboten, die sich darauf spezialisiert haben, Wohnungen behindertengerecht umzubauen. Die Handwerkskammern können Auskunft geben, welche Firmen vor Ort barrierefreie Bauten und Umbauten leisten.

Für barrierefreies Bauen wurden DIN-Normen entwickelt, die Standards in der Planung und Durchführung setzen sollen. Die bereits bestehenden Normen sollen bald in eine neue DIN-Norm zum barrierefreien Bau von öffentlichen Gebäuden und Wohnungen übergehen.

Das hat bereits zu regen Diskussionen geführt: Der Deutsche Behindertenrat legt Wert auf die "künftigen Mindeststandards" für barrierefreies Bauen und sieht darin die Umsetzung der Gleichstellungsgesetze von Bund und Ländern. Die Bundesarchitektenkammer warnte dagegen vor noch mehr Bürokratie.

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 meineimmobilie.de-Tipp


Im September 2008 findet zum ersten Mal die neue Fachmesse "b_free" in Augsburg statt. Dort können sich am 26. und 27. September auch Privatbesucher über barrierefreies Bauen und Wohnen informieren.